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Disney Micky Epic 2

Junction Point
Disney Interactive
Action
18.11.2012
k.A.
Xbox 360, PS3, Wii U, Wii, PS Vita
Gespielt von: alle ansehen
BorgozTheHydra agony
Bewertung
USK
  16.08.2012   2 Kommentare   3104 Klicks
Warren Spector 10,0 4

Disney Micky Epic 2 Special

gc 2012: Im Interview mit der Designer-Legende über Gewalt in Spielen, Deus Ex, Micky Maus und erwachsene Inhalte

Warren Spector ist eine echte Designlegende: System Shock II, Thief/Dark Project oder Deus Ex sind Spiele, die eine ganze Generation von Gamern begeisterten und viele Designelemente heutiger Titel beeinflussten. Wir hatten die große Ehre, uns auf der gamescom mit Herrn Spector unterhalten zu können.

Eigentlich wollten wir mit Warren Epector nur über Micky Epic - Die Macht der zwei reden...

Präsentert wurde Micky Epic - Die Macht der zwei, der Nachfolger des von der Kritik äußerst gut aufgenommenen Jump 'n Runs auf Wii. Interessant war das Spiel nicht nur hinsichtlich seiner Mechaniken. Das konventionelle Hüpfspiel war zugleich eine Zeitreise zurück zu den Wurzeln des Disney-Konzerns und präsentierte mit Oswald einen lange vergessenen Charakter, der eigentlich ein Filmstar werden solte und von Micky Maus in die Schranken gewiesen wurde. Ein kleineres Hands On und die Vorstellung des Introfilms zeigen, dass im zweiten Teil viel beim Alten bleibt. Zeit, ein paar Fragen zu stellen...

DemoNews.de: Viele Spieler fragen sich sicher, wieso in Micky Epic - Die Macht der zwei wieder Micky und Oswald die Hauptrollen übernehmen und nicht etwa Donald Duck auftaucht, der ja neben Micky der populärste Charakter Entenhausens ist.

Warren Spector: Zunächst sei gesagt: Ich liebe die Ducks! Onkle Scrooge (Protagonist der Weihnachtsgeschichte - Anm. der Redaktion) ist mein Lieblngscharakter im alten Disney-Universum und ich würde liebend gerne ein Spiel mit den Ducks machen. Aber Oswald ist eine tragische Figur mit Tiefgang. Wissen Sie, ich habe meine Laufbahn mit einem Studium der Filmwissenschaften und Trickfilmanimationen begonnen - und ich liebte die Idee, einen Charakter aus der vergessenen Vergangenheit Disneys wieder zum Leben zu erwecken. Und genauso schuf ich ja auch eine Welt (Wasteland in Micky Epic 1 - Anm. der Redaktion) voller vergessener und zurückgewiesener Dinge, an denen Disneys Geschichte so reich ist. Und die Menschen wissen dies nicht einmal zu schätzen. Also war die Idee, diese Figuren näher zu bringen, die Walt Disney 84 Jahre zuvor schuf, um endlich Stars aus ihnen zu machen. Und was mit Donald passiert? Wir werden es sehen...

DemoNews: Sie sagten während der Präsentation, dass jede Entscheidung im Spiel drastische Konsequenzen nach sich ziehen würde. Wie verbinden Sie diese vielen Verlaufsmöglichkeiten mit der Story, die eine der Stärken des ersten Teils war?

Warren Spector auf der gamescom 2012.

Warren Spector: Nun, einfach ist das nicht. Wissen Sie, ich habe immer versucht, die Entscheidungen des Spielers und die narrativen Vorstellungen der Entwickler auszubalancieren. Jedes meiner Spiele, an denen ich gearbeitet habe, zeigen diese Bemühungen und ich hoffe, dass ich mit jedem weiteren Titel besser darin werde. Mit dem ersten Micky Epic haben wir mehr auf die Entscheidungen mit Folgen gesetzt - und uns bei den Nicht-Spielern, die das Medium zum ersten Mal oder erst seit kurzem nutzten, verkalkuliert. Wie auch schon in Deus Ex vor vielen Jahren: Selbst Hardcore-Gamer waren mit der Entscheidungsfreiheit überfordert. Sie kamen irgendwo in der Spielwelt an, wo sie eine Entscheidung zu treffen hatten und sagten sich: "Warte, eigentlich sollte ich das nicht in einem Spiel tun". Und waren deshalb verängstigt, weil der Titel nicht nur eine oder wenige Lösungen mit unmittelbaren Auswirkungen anbot, sondern sich diese Konsequenzen erst im weiteren Verlauf offenbarten. Deshalb nahmen wir diese Freiheit und die damit verbundenen Auswirkungen in Micky Epic zurück. Aber mittlerweile wollen selbst sogenannte Nicht-Spieler in einem Videospiel Entscheidungen treffen, die ihnen in der jeweiligen Situaton weiterhelfen.

In Micky Epic - Die Macht der zwei gibt es solche Orte, an denen nach einer Entscheidung verlangt wird. Wenn sie an die Batterie kommen wollen, die zum Lösen eines Rätsel benötigt wird, müssen sie vielleicht etwas aus der Welt löschen - was den anderen Figuren im Spiel nicht gefallen kann, aber die Möglichkeit des Weiterkommens im Moment enorm vereinfacht.

DemoNews.de: Micky Epic war in den Staaten, wo Disney zum Kulturinventar gehört, ein wahnsinniger Erfolg, auch bei Erwachsenen. Glauben Sie, dass Sie durch Charme und Entscheidungsfreiheit den europäischen Call of Duty- oder Battlefield-Spieler erreichen können, der keinerlei Entscheidungen zu treffen hat und nur stur einen Weg langläuft?

Warren Spector: Ja, ich denke schon. Ich sehe mich meine gesamte Karriere lang in diesem Weg bestätigt. Eidos, mein damaliger Publisher, sagte zu Deus Ex: "Mach nur einen Shooter. Warum machst du all diesen Mehrpfad-Quatsch mit verschiedenen Optionen, Probeme zu lösen? Warum lässt du den Spieler schleichen, die meisten werden sich doch eh den Weg frei ballern. Pack sie auf 'Schienen' und bring das Ding in die Läden." Selbst beim ersten Micky Epic hat die Hälfte meines Teams gesagt: "Oh, lass uns einen ungaublichen Plattform-Level erschaffen mit zwei Plattformen mehr, damit wir da geschmeidig springen können." Aber das will ich nicht tun, ich möchte dem Spieler überlassen, wie er durch das Spiel kommen will. Der Schlüssel ist, sicherzugehen, dass alles - egal was der Spieler entscheidet - doch noch Spaß ist und bleibt. Ich möchte nicht, dass sich der Spieler bei einer Entscheidung den Kopf zerbricht, ich möchte, dass er sich verhält, wie auch sonst im Leben. In Micky Epic heißt das beispielsweise: Okay, da sind eine Menge Feinde unterwegs, ich sollte vielleicht auf das Dach da springen und mich vor ihnen verstecken und ausweichen. Oder aber ich finde Gefallen daran, mich mit ihnen anzulegen. Dann spurte ich die Straße entlang und habe Freude dabei, sie auszuschalten. Der Spieler entscheidet, wie er mit der Welt interagiert - selbst Call of Duty-Spieler können damit Spaß haben.

Mit Deus Ex erlangte Warren Spector Berühmtheit.

DemoNews.de: Wir haben einige Aufsätze und selbst fachwissenschaftliche Abrisse über Ihre Spiele gelesen - und diese definieren sich fast ausschließlich über die Entscheidungsfreiheit. Ist Deus Ex - der endgültige Durchbruch für Sie mit diesem Prinzip - nicht manchmal ein Fluch nach all den Jahren?

Warren Spector: Scherzen Sie? Nein, ich liebe Deus Ex! (lacht)

DemoNews.de: Okay, okay. Aber da gab es beispielsweise den zweiten Deus Ex-Teil, der von den Fans abgestraft wurde - weil er zu sehr mit dem Vorgänger gleichgesetzt wurde. Und an und für sich nicht so gut war...

Warren Spector: Och, kommen Sie. Es war schon ein besseres Spiel, als die meisten zu glauben meinen. Herzlichen Dank auch (lacht). Ich meine, es konnte die Erwartung in Hinblick auf den Erstling nicht erfüllen, was viele Gründe hatte. Wir haben versucht, das Spiel für jedermann zugänglicher zu gestalten. Und das traf uns, weil wir auch glaubten, viel aus dem ersten Deus Ex gelernt zu haben. Die Story zum Beispiel zwang den Spieler dazu, zu versagen. Das wollten wir im Nachfolger vermeiden, was die Geschichte schwächer machte. Wir gingen auch mit dem Szenario zu weit in die Zukunft. Unsere Marktforschung sagte, dass die Community mehr Science Fiction serviert haben möchte, was sie aber auch zu weit von einer glaubhaften Spielewelt entfernte. Wir kürzten und vereinfachten schlicht zuviel und machten so Fehler. Das passiert.

DemoNews.de: Themenwechsel, Herr Spector. Es gab in den Medien zuletzt wieder Diskussionen über die Rolle von Gewalt in Spielen- Viele neue Titel setzen klar auf diesen Faktor und verraten dafür teils ihre Wurzeln: Splinter Cell: Blacklist oder Dead Space 3 beispielsweise.

In den Augen von Warren Spector ist Micky Epic 2 ein erwachsenes Spiel.

Warren Spector: Nun, ich glaube, nach allem was ich zuletzt sah, dass mehr auf grafische Gewalt gesetzt und sie regelrecht zelebriert wird. Ich denke, wir sind dabei zu weit gegangen. Das darf nicht missverstanden werden: Ich habe nichts gegen Gewalt in Spielen und glaube auch nicht, dass irgendein Medium einen Menschen zum Killer macht. Wenn Sie sich die Mediengeschichte anschauen, werden Sie feststellen, dass früher Filme, das Fernsehen und Comics für alles Schlechte verantwortlich gemacht wurden. Müsste ich meinen Eltern glauben, bin selbst ich mit all diesem Zivilisationen-zerstörenden Zeug aufgewachsen. Meine Mutter meinte, dass Bugs Bunny und die Drei Fragezeichen mich korrumpieren und das Ende der Welt sich mit dem Rock 'n Roll abzeichnen würde. Meiner Meinung nach sind gewaltbezogene Videospiele kein Problem. Wenn jeder Filme oder fern schaut, sind diese Medien doch harmlos, weil wir sie verstehen. Genauso verhält es sich mit Comicbüchern und Games. Wenn jeder zum Spieler wird, versteht er, wie sie funktionieren und wird sie nicht für gefährlich halten. Falls Sie anders darüber denken: Kaufen Sie die Spiele einfach nicht. Der Fokus müsste ein anderer sein, denn der Fehler der Branche liegt im Abfeiern der Gewalt.

Spiele für Erwachsene. Es ist nichts "Erwachsenes", jemandem ein Messer in das Rückgrat zu rammen. Es ist nichts "Erwachsenes", ein Mädchen in Uniform zu steuern, die an einem Lutscher leckt und dabei eine Kettensäge schwingt. Das ist pubertär. Das erwachsenste Spiel auf der E3 in Los Angeles und hier auf der gamescom ist Micky Epic - Die Macht der zwei, denn es behandelt erwachsene Themen, es überlässt dem Spieler die Wahl, wie er Probleme löst. Das ist erwachsen, in dem Sinne, das er für sein Handeln die Verantwortung trägt.

DemoNews.de: Warum dann all diese Gewaltspiele?

Warren Spector: Weil sie sich prächtig verkaufen und einfach zu produzieren sind! Es ist viel einfacher, eine Schießerei zu inszenieren als einen tiefgründigen, emotionalen Dialog oder ein ausgefeiltes Puzzle, geschwiege denn einer glaubhaften Welt. Außerdem haben wir heutzutage erheblich mehr Leistung, die uns bei den Konsolen und dem PC zur Verfügung steht. Mit diesen technischen Möglichkeiten wollen viele Spieler eine realistisch aussehende Welt, in der Sie ihre Blockbuster-Fantasien ausleben können.

DemoNews.de: Wenn Sie sagen, dass Wasteland in Micky Epic eine dunkle Version des Disney-Universums ist, ist das ja eine ähnliche Dystopie, wie die in Deus Ex. Woraus ziehen Sie ihre düsteren Inspirationen für die Spiele?

Warren Spector: Aus allem, ganz offensichtlich. Meine Inspiration umgibt mich. Jeder Autor, jeder Filmemacher und auch ich erzählen eigentlich immer und immer wieder die gleiche Geschichte...

DemoNews.de: ... wie Joseph Campbell mit seinem Theorem der Heldenreise belegte...

Oswald - die vergessene Disney-Figur.

Warren Spector: ... genau! Bei mir sind es zwei Geschichten, die ich wirklich gerne immer wieder aufgreife. Erstens: Der Typ, der eigentlich zu alt ist, um das zu tun, was er irgendwie tun muss. Das spielt hinsichtlich Micky Epic keine Rolle, aber ich erzähle diese seit ich 20 bin in verschiedenen Versionen. Die andere ist jene über die Wichtigkeit der Familie, Freunde, dysfunktionale Familien - wie all das funktioniert oder eben nicht. Ich hatte eine großartige, behütete Kindheit ohne Probleme, aber trotzdem berührt mich diese Vorstellung einer Dystopie, ich fühle mich ihr hingezogen. Wieso eigentlich? Nun, weil ich keine dunkle Welt erschaffe, sondern eine, die einen Helden braucht - Micky zum Beispiel, der zu einem echten Helden in Micky Epic werden sollte. Und dazu brauchte er einen echten Gegenspieler, ein ernstzunehmendes Problem. Was sollte Micky denn tun, wenn die Welt um ihn herum fröhlich und zufrieden wäre?

DemoNews.de: Singen und Lachen?

Warren Spector: (schmunzelt) Der Schlüssel liegt eher darin, eine Welt voller Kontraste zu erschaffen, die ihr Dasein berechtigt. Es muss düster und beklemmend sein, aber auch Licht bieten, das zeigt, was das Wasteland früher einmal war und werden kann, wenn Micky seine Rolle als Held ausfüllt.

DemoNews.de: Herr Spector, wir danken für das Gespräch.

Kommentare

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Bomberpilot
von Bomberpilot | 16.08.2012, 14:34 Uhr
Danke für das Interview. sehr aufschlussreich und Interessant!

1 Antwort:

19meiky84
von 19meiky84 | 16.08.2012, 18:16 Uhr
finde es auch echt gelungen wink.gif so macht das Lesen Spaß!
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