Jubiläum-Rundum-Sorglos-Paket?
Der nette Dämon wollte doch nur mal "Hallo" sagen
Bedient wird beinahe (bis auf ein, zwei irrelevante Doom-Abarten) die gesamte Palette. Zum Spielstart haben wir daher die Qual der Wahl: Wir müssen uns zwischen dem ersten, zweiten und dritten Teil entscheiden. Klar, im Grunde ist es unnötig zu erwähnen, dass die ersten beiden Teile technische und spielerische Antiquitäten sind. Aber sie haben Charme und werden Nostalgiker erfreuen. Genauso wird aber womöglich das Interesse von jungen Daddlern geweckt, die sehen wollen, wo das Millionengeschäft der Videospiele ihren späten Anfang fand. Nebenbei bemerkt: Bei einer Installation der BFG Edition auf die Festplatte der Xbox 360 lassen sich Doom und Doom 2 nicht starten. Der Spieler muss sich über die im Laufwerk rotierende Scheibe umleiten lassen. Ein nerviger und eigentlich vermeidbarer Bug.
Viel interessanter hingegen sind die Neuerungen, die Spielepublisher Bethesda dem Spieler im dritten Hauptteil bietet. Vorneweg: Viel ist das leider nicht. Schmeißen wir Doom 3 an, fällt vor allem auf, dass die Taschenlampe jetzt parallel zum Waffengebrauch benutzt werden kann. In der Originalfassung hatten wir noch die erzwungene Wahl: Taschenlampe oder Schießprügel. Tim Willits, seines Zeichens Creative Director, bezeichnete in einem Interview die damalige Spieldesign-Entscheidung als "Fehler", den sie jetzt ausbügeln wollten.
Aber: So verliert das Spiel ein wenig am Gruselschocker-Effekt. Vorbei die Tage, an denen wir verwirrt in dunklen Gängen entlang getappselt sind, bis nichtsahnend ein böser Dämon unseren Spaziergang brutal unterbrach. Sonst bleibt aber alles beim Alten: Immer noch tauchen diabolische Wesen aus dem Jenseits direkt hinter Türen auf. Und immer noch zucken wir anfangs zusammen. Zumindest solange, bis wir uns an diesen Schocker gewöhnt haben. Alles beim Alten eben. Auf die Gruselbremse tritt obendrein, dass wir an jeder Ecke Waffen, Munition und Medipacks finden. Erleichtert wird hierdurch zumindest die Zugänglichkeit des Titels.
An zu kleinen Schräubchen gedreht
Old School, die erste: Doom 1
Vergleicht man die Neuauflage mit der Ur-Fassung, ist durchaus ein Unterschied erkennbar. Ein Stückchen aufgebohrt wirkt die BFG Edition durchaus. Obendrein bietet die Doom 3: BFG Edition 3D-Kompatibilität, die zwar ein ganz netter Bonus, aber nicht wirklich essenziell ist. Ärgerlich hingegen ist die Selbstzensur, die sich id Software unterzog: Wie sich betagtere Fans wohl erinnern werden, gab es in Doom 2 versteckte Levels, die dem 1994 indizierten Wolfenstein 3D nachempfunden wurden. Hier wurden alle verfassungsfeindlichen Symbole radikal weggeschnitten und selbst die Nazis durch handelsübliche Dämonen ersetzt. Das gilt aber nicht nur für Deutschland, die Zensur hat man sich selbst international auf den Plan geschrieben. Hinzu kommt, dass die Blutmenge der niedergeschossenen Kontrahenten reduziert und Bluttexturen entfernt wurden und niedergestreckte Feinde noch schneller zu Staub werden und keinen Schmutz in Form von Blut hinterlassen. Erklärt wird das mit Performancegründen. Komische Erklärung für einen Titel, der seinerzeit seine Konsolen-Premiere auf einer Xbox 1 feierte.
Das gleiche gilt auch für die zwei beiliegenden Erweiterungen Doom 3: Auferstehung des Bösen (engl. Originaltitel: Resurrection Of Evil) und Doom 3: The Lost Mission. Womit wir schon beim nächsten Thema wären: Die genannten Addons dürften wohl die größten Argumente sein, um einen Kauf für eingefleischte Doom-Veteranen zu rechtfertigen. Aus Angst vor einer drohenden Indizierung seitens der BpjM verzichtete der Publisher (damals noch Activision) seinerzeit auf eine Veröffentlichung in deutschen Landen.
Zugaben
Old School, die zweite: Doom 2
Die Auferstehung des Bösen umfasst immerhin zwölf neue Levels und acht frisch-fiese Kreaturen. The Lost Mission hingegen ist eine völlig neue, bislang unveröffentlichte Erweiterung, die mit acht neuen Levels aufwarten kann. Wir schlüpfen in die Rolle eines Marines und müssen ein abhanden gekommenes Bravo-Team aufspüren. Neue spielerische Erkenntnisse vermisst man schmerzlich Es scheint eher so, dass der Entwickler noch ein paar auf der Festplatte verstaubende Levels recyceln wollte. Außerdem: Mehrspieler-Begegnungen, sei es Offline oder Online, gehören zwar immer noch zum Lieferumfang. Die sind aber dank langweiliger Maps und Spielmodi, die ihr Haltbarkeitsdatum längst überschritten haben, genauso Retro wie der Rest der Compilation.
Einen netten Ansatz bietet uns Bethesda mit der in der Jubiläumsausgabe völlig neuen deutschsprachigen Tonspur. Das Problem: Die Synchronsprecher bewegen sich teilweise auf einem unterirdischen Niveau und agieren viel zu unmotiviert und monoton. Ein noch viel größeres Problem: Wir haben nur diese eine Wahl. Ein flottes Wegswitchen auf die englische Tonausgabe wird uns nicht geboten. Was wir in Sachen sonstiger Vertonung hingegen auf die Ohren bekommen, ist weiterhin gut und stimmig. Die Umgebungsgeräusche sind passend und die Zombies und Dämonen klingen so, wie man es sich vorstellen würde. Dazu dürfen wir sogar in 5.1-Sorround-Sound lauschen.