Das ist für den Duke ein Schlag in die Weichteile: gerade mal ein Metascore von 57 und bei Gamerankings geht es noch mal einige Punkte auf 47 % runter. Man muss die beiden Webseiten nicht mögen, aber sie sprechen eine eindeutige Sprache: Der Duke ist zumindest bei den Kritikern durchgefallen. Hat er das verdient? Ich sage nein!

Für Gameswelt ist der Duke "ein träger alter Brontosaurier mit Zahnausfall" und für die Gamestar "ein Held der (ganz) alten Schule". Kurz, er ist nicht mehr zeitgemäß und kann mit Masterchief, Soap & Co. nicht mehr mithalten. Gamespot findet das Spiel "einfach furchtbar" und Giant Bomb gehen die Hüpfeinlagen und die Unterwasserabschnitte auf den Keks. Das Fazit des Testers: "Aus guten Gründen gibt es so etwas heute nicht mehr". Kollege Andy und ich stellen sich aber die Frage: Wieso eigentlich nicht? Ist die Suche nach der nächsten Wasserblase wirklich so frustrierend? Fehlt da der Orientierungssinn? Oder ist ein geschrumpfter Duke im Spielzeugauto nicht vielleicht doch origineller als irgendein Moorhuhn-Geballere in Afghanistan? Einen vorläufigen Höhepunkt hatte das ganze Wertungsdesaster mit dem "Amoklauf" einer amerikanischen PR-Agentur von Take 2. Als deren Chef nämlich einigen Magazinen wegen schlechter Reviews mit Testmuster-Entzug drohte, kündigte Take 2 den Vertrag mit ihm.
Wenn man aber will kann man aus den Verrissen schon ein wenig Gehässigkeit herauslesen. So, als ob die Tester es ja schon längst gewusst hätten: 14 Jahre (oder 12, man weiß es nicht genau) Entwicklungszeit können ja nur Mist hervorbringen. Es war ja auch alles andere als eine reibungslose Produktion. Wie viele Millionen von Dollar die ursprünglichen "Duke"-Macher von 3D Realms in den Sand gesetzt haben, ist unklar. Sicher ist nur, dass es für eine Insolvenz gereicht haben muss, denn das Studio wurde vor zwei Jahren geschlossen. Die berühmteste Vaporware der Computerspielgeschichte schien endgültig "tot" zu sein und erst als Gearbox Software die Rechte am Duke kaufte, kam Bewegung in die Sache bis es nun endlich in den Läden steht.
Die Erwartungshaltung war immens. Schon 2006 äußerte sich Joe Siegler, damals der Webmaster von 3D Realms, in einem Interview: „Einige Leute scheinen zu denken, dass DNF wie die Wiederkunft Jesu Christi ist, alle Probleme der Welt lösen wird, dein Geschirr abwäscht und dir schuld- und sündenfreie Orgasmen verschafft.“ OK, das hat er nun wirklich nicht geschafft. Er ist nur anders, als die anderen aktuellen pseudorealistischen Shooter. Der Duke hat keine Probleme, sondern er macht sie. Statt die Welt zu retten, will er nur seine "Babes" zurück und für Sex lässt er auch mal das Alienpack entkommen. Er sucht und findet keine Erlösung wie seine billigen Kopien aus "Bulletstorm", sondern er will einfach nur die Sau raus lassen. Dieser "Charme" hat ihn zur Kultfigur gemacht, aber dadurch wird schnell vergessen, dass neben den Provokationen Dukem Nukem 3D ein richtig guter Shooter war. Abgedreht und herausfordernd.
Es ist schon etwas merkwürdig, wenn die Magazine nun bei seinem neuen Abenteuer KI und Grafik bemängeln, aber die Abwechslung, die lange Spieldauer und die Spielwelt loben und es dennoch zerreißen. Wo sind da bitte schön die Kriterien für eine Wertung? Wollt ihr alle wirklich nur einen weiteren CoD-Klon? Es ist wahr, Duke Nukem Forever spielt sich anders, aber das macht ihn nicht zwangsläufig schlechter. In den ersten 1-2 Stunden gibt es mehr zu sehen, als in einem kompletten Medal of Honor. Das Spiel ist übrigens ein guter Vergleich, denn es ist der spielerisch hilflose Versuch von EA auf den CoD-Zug aufzuspringen. Monoton, langweilig, kurz und trotzdem hat es einen Metascore von 74.
Die Wertungen sind doch paradox. Eine gute Grafik macht noch lange kein gutes Spiel und gerade "CoD" wiederholt sich doch seit Jahren selbst. Trotzdem hagelt es dafür GOTYs. Bei Duke Nukem Forever wird dagegen alles schlechter dargestellt als es ist. Zitat Gamestar unter "Kontra": "Humor geht im Deutschen gelegentlich verloren oder wird anstößig". Häh? Sind wir jetzt prüde geworden? Oder klingt Jon St. John aka Duke im Original wie Hamlet? Es scheint schon so, als wären selbst die ach so objektiven Spielejournalisten auf Massenware gepolt. Nur nicht anecken und schön all das liefern, was die Meute will. Wir sprechen hier schließlich von Leuten, denen die genauso geschmacklosen Fatalitys in "Mortal Kombat" mehr oder weniger egal sind und denen es nichts ausmacht feindliche Soldaten im Schlaf hinterhältig zu erschießen. Liebe Kollegen, hier wird wohl mit zweierlei Maß gemessen! Ich will ja gar nicht behaupten, dass nur ich die einzig objektive Review geschrieben habe, aber sind wir doch mal ehrlich: Der neue (alte) Duke ist bestimmt nicht die Reinkarnation Christi, er wandelt nicht über Wasser und er bringt keinen Weltfrieden, aber er hat "Balls of Steel". Das macht ihn eigenständiger, kantiger und vielleicht auch unsympathischer als die Klon-Krieger von Activision und EA. Kurz, er ist etwas Besonderes. Von welcher Spielfigur kann man heute so etwas noch behaupten?