Vorbemerkung: Das bereits gestern veröffentlichte Interview mit Steve Gibson, dem Vizepräsident von Gearbox, findet ihr unter folgendem Link
Unglaublich, aber wahr: In München waren wir unter den ersten Journalisten, die Duke Nukem Forever anspielen konnten. “Der Duke ist wie Big Foot – keiner glaubt, dass er wirklich noch existiert”: Randy Pitchford, Präsident von Gearbox Software, ist ziemlich ehrlich, wenn er über sein neues Spiel spricht. Er will das Vertrauen der Fans zurück erlangen und ein Versprechen halten, dass schon über 13 Jahre alt ist.
Eine unendliche Geschichte
Anno 1996 war der Duke der King. Duke Nukem 3D von 3D Realms war eines der erfolgreichsten und einflussreichsten First-Person-Shooter der Computerspielgeschichte. Fast jeder liebte den Duke, sein Sprüche und seine Knarren. Ob all das politisch korrekt war? Egal - Hauptsache „Hail to the king, baby!“. Was nach seinem spektakulären Auftritt folgte, war allerdings ein Desaster. Der direkte Nachfolger Duke Nukem Forever wurde ständig verschoben und zum Vaporware-King des amerikanischen „Wired“-Magazins, die das Spiel 2003 sogar aufgrund der nicht enden wollenden Release-Odyssee mit einem unrühmlichen „Lifetime Achievement Award“ kürten. Der Duke war endgültig zu einer Witzfigur verkommen.
Aus und vorbei?
Irgendwann im letzten Jahr kam dann der schockierende Tiefpunkt: 3D Realms ging pleite und hatte gut 20 Millionen Dollar in den Sand gesetzt, zumindest laut Pitchford. Was kaum einer wusste: „Ich verdanke dem Duke meine Karriere“ gibt der Boss von Gearbox stolz zu. Bis 1997 war Pitchford nämlich Game Designer bei 3D Realms und somit auch an der Entwicklung von Duke Nukem 3D beteiligt. 1997 verließ er zusammen mit Brian Martell die Firma und gründete Gearbox Software – woraufhin im Laufe der Zeit Hits wie Brothers in Arms oder Borderlands entstanden. Später stießen weitere Mitarbeiter von 3D Realms dazu und sahen gemeinsam von außen an, wie sich Duke Nukem Forever zu einem unendlichen Alptraum entwickelte.
Am Ende bewarfen sich 3D Realms-Chef George Broussard und Publisher Take 2 mit Klagen vor Gericht. „It was all pretty fucked up“, kommentiert Pitchford die ganze Sache. Doch als großer Fan des Duke kaufte er kurzerhand die ganzen Rechte für Gearbox. Das Spiel war nämlich tatsächlich so gut wie fertig und ein paar Ex-Mitarbeiter von 3D Realms hatten das Spiel selbst nach der Pleite weiterentwickelt.
Es gibt ihn wirklich
Genug der Vorgeschichte: Wir konnten in München zwei Levels anspielen. Der Einstieg ist stilecht, der Schauplatz eine Toilette und der Strahl hält. Richtig gelesen: Duke Nukem Forever beginnt nach über 12 Jahren sein Abenteuer beim Wasserlassen. Dumm nur, dass um ihn herum gerade die Welt untergeht und die Aliens alle Frauen kidnappen. Das ist für Supermacho Duke zuviel: „Time to stop pissing around!“. Schnell schnappt er sich eine echte Kanone, aber hat damit vorerst wenig zu tun. Während um ihn herum die Soldaten wie die Fliegen umfallen, werden wir mit ihm durch den Level geschleust. Kein großes Experimentieren, einfach nur geradeaus.
Schwamm drüber, ist ja schließlich „nur“ der Anfang - aber die Texturen sollten schon etwas detaillierter sein. Dieses technische Manko ist schnell vergessen, als wir auf einem Footballfeld unseren ersten Bossgegner besiegen müssen. Der Kerl ist groß – ein Mix aus Alien und Mech – und ziemlich schwerfällig. Mit unserem Doppel-Raketenwerfer ist er schnell Geschichte und als Belohnung dürfen wir mit seinem Alien-Auge ein Field-Goal erzielen – sichtlich eine Hommage an den finalen Bosskampf von Duke Nukem 3D. Das war´s dann auch mit dem ersten Teil der Demo.
Der zweite Demolevel spielt laut Pitchford am Anfang des letzten Spieldrittels. Am Steuer eines Trucks hetzen wir mit dem Duke durch einen Canyon und werden von einem Alienschiff beschossen. Schließlich geht der Sprit aus und wir laufen zu Fuß weiter. Endlich sehen wir etwas von der reichhaltigen Waffenpalette des Dukes: Pistole, Schrotflinte, Railgun und Schrumpfkanone – alles gute Bekannte, mit denen wir locker die Aliens in alle Windrichtungen verstreuen. Schließlich klemmen wir uns hinter eine Maschinenkanone und wehren anstürmende Aliens ab, bis uns deren Raumschiff bezwingt. Zum Abschluss gibt es vom Duke einen Stinkefinger in Richtung Außerirdische – und das war es dann endgültig mit der Demo.
Ausblick
Der neue Duke ist ganz der alte geblieben und macht im Prinzip genau das gleiche wie früher - nur mehr davon. Aller Voraussicht nach wird Gearbox einen soliden Shooter herausbringen, der in erster Linie mit einem großen Namen, viel Action und einer ordentlichen Portion Selbstironie protzen dürfte. Das kann visuell nicht mit Modern Warfare & Co. mithalten, zudem das schlauchartige Spielprinzip sehr altbacken wirkt. Doch der skurril-derbe Charme des Duke macht vieles wett.
Wohlgemerkt: Unser Eindruck bezieht sich auf zwei kurze Demo-Levels. Pitchford und Gearbox Vizepräsident Steve Gibson betonten ständig, dass Duke Nukem Forever ein großes wie umfangreiches Spiel sei, das uns 10 - 20 Stunden unterhalten werde. Mit Sicherheit gäbe es keine Rollenspiel-Elemente, sondern man setze ganz auf Action der alten Schule. Multiplayer? Selbst auf die direkte Nachfrage hin, blieben Gibsons Aussagen diesbezüglich sehr vage. Schade, denn genau hier entscheidet sich oft bei einem FPS ob es ein Hit oder ein Flop wird.
Laut Gibson übernahm Gearbox nahezu fertiges Spiel und das könnte sich jetzt als Nachteil entpuppen. Alles dürfte ein bisschen zu altmodisch für eine neue Generation von Spielern sein, die mit Halo oder Modern Warfare aufgewachsen sind. Der Duke lebt also, aber ob er es mit der großen Konkurrenz aufnehmen kann, muss sich noch zeigen.
Anmerkung: Die im Bericht verteilten Screenshots sind leider älteren Datums und somit nicht repräsentativ für das Spiel, weil uns bislang frisches Material weder von Take 2 noch von Gearbox zur Verfügung gestellt wurden.