Inzwischen dürfte jeder Fan der beiden Dungeon-Keeper-Teile (Baujahr 1997 und 1999) mitbekommen haben, dass der deutsche Entwickler Realmforge mit Dungeons an einem ähnlich gelagerten Game werkelt, in dem wir endlich einmal wieder als dunkler Lord dem Heldengesocks in unterirdischen Verließen das Leben schwer machen dürfen. Fraglich ist dabei allerdings, ob es Realmforge tatsächlich gelingen kann, die großen Erwartungen der Fans zu erfüllen und an die Qualität der Bullfrog-Klassiker anzuknüpfen. Wir haben uns anhand einer bereits sehr ausführlich spielbaren Preview-Version von Dungeons einen neuen Eindruck des Games verschafft, welches bereits Ende diesen Monats erscheinen soll.
Verräterische Geliebte
Los geht das Abenteuer mit einem Verrat: Calypso, die feurige Geliebte unseres Dungeon Lords, hintergeht ihn, weswegen ihm nur die Flucht bleibt. Die Aufgabe in diesem Strategiegame ist also schnell definiert: Rache an der untreuen Freundin und Wiedererlangung der alten Macht! Das ist aber leichter gesagt als getan, denn wir beginnen ganz unten auf der Fieslings-Skala und müssen erst jede Menge Prestige zurückgewinnen, um erneut in der Kerkermeister-Oberliga mitspielen zu dürfen.
Kommet, ihr Helden!
Dazu bedarf es vor allem zweier Ressourcen: Gold und Seelenenergie. Beides bekommen wir von Helden, die wir allerdings erst einmal anlocken müssen. Daher verteilen wir zunächst glänzende Goldhaufen in unseren Gängen, die als Köder für das gierige Pack dienen. Gold allein macht aber auch den raffgierigsten Schatzsucher nicht dauerhaft glücklich, weswegen wir unsere Dungeons mit weiteren „Attraktionen“ ausschmücken: Bibliotheken voller geheimnisvoller Dokumente, Waffenkammern mit blinkenden Rüstungen oder Gruppen von (mehr oder weniger) leicht besiegbaren Monstern treiben den Frohsinn der heroischen Eindringlinge vollends in ungeahnte Höhen. Dies ist gut für uns, denn je aufgeregter und glücklicher so ein Held, desto mehr Seelenenergie sammelt er an. Und genau die wollen wir ja von ihm haben!
Der Kampf um das Prestige
Ist der Schatzsucher also reif, machen wir uns mit unserem Dungeon Lord auf den Weg zu ihm und quetschen mit Waffengewalt oder Zaubersprüchen Seelenenergie sowie Gold aus ihm heraus. Nun erhalten wir neue Mittel zum weiteren Ausbau unseres düsteren Heims, wodurch wir mächtigere (und für uns lukrativere) Helden anlocken und außerdem Prestige-Punkte zugesprochen bekommen. Doch, Vorsicht: Man sollte damit nicht zu lange warten und dem Helden auch nicht zu mächtige Waffen und Rüstungen vorsetzen. Denn obwohl wir die Fähigkeiten unseres Kerkermeisters wie in einem RPG ausbauen können, kommt es trotzdem vor, dass sich ein oder mehrere Helden plötzlich als würdige Gegner erweisen und sie zum Angriff auf das Dungeon-Herz übergehen. Und wird dieses zerstört, heißt es für uns „Game Over“.
Allerlei Baustellen
Dungeons umfasst insgesamt 18 Missionen, die beispielsweise durch das Sammeln einer bestimmten Menge von Prestige-Punkten erfüllt werden. In der Preview-Version wechselten sich während dieser Aufgaben häufig langatmige mit hektischen Phasen ab. Zuerst wartete ich eine gefühlte Ewigkeit auf Besucher meines Verlieses und plötzlich musste ich mich von einem Moment auf den anderen gleichzeitig mit wehrhaften Gegnern und dem teilweise recht ausufernden Mikromanagement auseinandersetzen. Laut Realmforge ist in der von mir gespielten Vorab-Version das Balancing auch noch nicht final, was sich sowohl beim Spieldesign als auch an der unterschiedlichen Stärke der Gegner spürbar feststellen ließ.
Optisch war ich von den insgesamt acht spielbaren Missionen nicht allzu sehr angetan, da weder die veraltet wirkende Optik noch die teilweise recht abgehackten Animationen überzeugen konnten. Die altbekannte WASD-Steuerung des Dungeon Lords funktionierte trotzdem recht gut, allerdings habe ich mich mit dem verwirrenden Interface immer wieder schwer getan, was auch an dem (noch?) wenig hilfreichen Tutorial lag.
Ausblick: Es gibt noch einiges zu tun
Grundsätzlich gefällt mir der etwas andersartige Ansatz gegenüber Dungeon Keeper recht gut. Anstatt nur Monsterhorden zu erschaffen und diese auf die eh auftauchenden Helden zu hetzen, muss ich hier zuerst meine Opfer anlocken, was mich an Freizeitpark-Simulationen wie Theme Park oder Rollercoaster Tycoon erinnerte. Die Action kommt dabei nicht zu kurz, schließlich übernimmt man die Steuerung des Dungeon Lords und zieht mit ihm in zahlreiche Kämpfe.
Allerdings gibt es bis zum Release am 27. Januar noch einiges zu tun. Der Einstieg sollte vereinfacht, das Interface überarbeitet, das Balancing verbessert und die Optik aufgewertet werden. Es bleibt außerdem abzuwarten, wie viel Abwechslung uns sämtliche 18 Missionen zu bieten haben. Es gibt also noch viel Arbeit für Realmforge, wobei ich aber nicht unerwähnt lassen sollte, dass diese Preview-Version Mitte Dezember veröffentlicht wurde und die Entwickler seitdem bereits einige zusätzliche Zeit in das Spieldesign und das Feintuning stecken konnten. Ich hoffe sehr, dass sie diese Zeit nutzen konnten und sie Ende des Monats ein wirklich ausgereiftes Abenteuer für alle Möchtegern-Dungeon Lords auf den Markt bringen. Das Potential dafür ist auf alle Fälle erkennbar.