Im letzten Jahr angekündigt, verwundert es nicht, dass uns auf der diesjährigen gamescom Peter Molyneux Rede und Antwort stand, um über den aktuellen Entwicklungsstand von “Fable III“ zu informieren. Noch in diesem Jahr sollen die Spieler in die Gedankenwelt des legendären Spieledesigners eintauchen können und ein weiteres Abenteuer erleben. Neben aller technischen Brillanz und grafischer Pracht hatte der zweite “Fable“-Teil doch ein paar kleinere Schwachpunkte... selbst Molyneux geizte nicht mit kritischen Tönen zu seinem eigenen Werk: „Niemand erinnert sich an die Handlung von Fable II“, gibt er beispielsweise zu bedenken. Das soll in Teil drei nun anders werden, denn die Story wird mehr in den Vordergrund gerückt. Und wie wir den Chef des Lionhead Studios kennen, versucht er sicherlich auch wieder dem kompletten Genre einen Erneuerungsschub zu verpassen.
Im Königreich Albion hat sich seit der letzten Episoden eine Menge getan: Der alte König segnete das Zeitliche, was Logan, den Bruder unserer Spielfigur, auf den Thron beförderte. Anders als sein Vorgänger hält er nicht viel von einer weisen, vorausschauenden Regentschaft, in der die Untertanen zufrieden und ihrem Oberhaupt loyal ergeben sind. Vielmehr hat er eine Schreckensherrschaft errichtet, in der die Einwohner Albions unter der Ungerechtigkeit des wankelmütigen Tyrannen zu leiden haben. Sogar die einstmals so erbauliche Postkartenidylle trägt Logan nach und nach ab - die Natur muss immer mehr Fabrikschloten und Industriearealen weichen. Genau hier greift unser Held ein, um den alten Zustand wiederherzustellen.
Kleider machen Leute
Klar: Einen König zu entthronen, das ist kein einfacher Spaziergang. Wer die anderen “Fable“-Teile kennt, der wird sicher noch die ausgiebigen Sessions in Erinnerung haben, bis der Held endlich sein Ziel erreichte. Die komplette Serie bestand noch nie aus „Mal eben vorübergehend ein Ründchen zocken“. Die Spieler mussten bei der Sache bleiben, den Faden nicht verlieren und in der Welt von Albion aufgehen. Die Möglichkeiten sind dementsprechend vielseitig – ein Camp soll eingenommen werden, indem ihr zu List und Tücke greift. Eine Verkleidung muss her, damit die Schergen keine Probleme beim Einlass machen. Also schnell einen Button auf dem Joypad geklickt und schon befindet man sich in den Privatgemächern des Helden. Hier stehen diverse Verkleidungen zur Verfügung - Waffen und Zaubersprüche können ebenso angelegt werden.
Molyneux betont, dass es sehr häufig nötig sei, auf die eigene Kleidung zu achten. Deshalb wäre es wichtig, einen Großteil des unheimlich geräumigen Schranks zu durchforsten und anzuwenden, was gleichzeitig auf eine üppige Spielzeit und ausladendes Gameplay hinweist. Dass der Aufwand noch mehr Bereiche umfasst, ist klar, wenn man sich einfach mal die Liste der Synchronsprecher durchliest: John Cleese übernimmt genauso eine Sprechrolle wie Stephen „Blackadder“ Fry. Schon allein diese beiden Akteure dürften mit Leichtigkeit einen würdevollen britisch-aristokratischen Slang von sich geben. Man braucht in diesem Fall kein Nerd zu sein, um lieber die original Synchronfassung spielen zu wollen. Ebenso in der Interaktion mit anderen Spielfiguren und den nicht-spielbaren Randcharakteren sollte man auf die Detailfreude des Spieles achten: Jede Geste oder Äußerung könnte zu anderen Effekten im weiteren Handlungsverlauf führen.
Trau, schau wem
Die Entscheidungsfreiheit zeigt sich nicht nur an den Konsequenzen seiner Taten, sondern auch am Styling. Je nachdem, wie man sich durch die feindlichen Heerscharen kämpft, verändert sich das Waffenset. Fiese Wadenbeißer werden entsprechend andere Designs mit sich herumschleppen als strahlende Helden, die einer direkten Konfrontation nicht aus dem Weg gehen. Das Kampfsystem soll dabei auf den alten Stärken aufgebaut sein. Spieler des zweiten Teils werden also kaum Probleme haben, wenn sie auf die ersten Gegner der Fortsetzung treffen. Natürlich gesellen sich auch neue Eigenheiten und Moves hinzu. Die Anpassung des Equipments an die Spielweise hat dabei in erster Linie einen kosmetischen Touch, während andere Entscheidungen die Weichen zu späteren Abschnitten stellen.
Wenn wir den Thron endlich bestiegen haben, leben wir deshalb auch nicht glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende, sondern bekommen neue Aufgaben. Haben wir nicht Allianzen geschmiedet, um Mitstreiter für unsere Sache zu gewinnen? Hatten wir nicht Versprechen wie Kamelle beim Karneval heraus gepaukt, um uns die Gefolgschaft unserer Mitstreiter zu sichern? Es steht jedem frei, die seinerzeit abgegebenen Versprechen einzulösen, zu seiner Schuld zu stehen und Gerechtigkeit walten zu lassen. Logischerweise kann auch die große Amnesie von der Spielfigur Besitz ergreifen und die vollmundigen Ankündigungen einfach vom Tisch fegen. Warum sollte die Politik im Videospiel anders ablaufen als in der Wirklichkeit? Allerdings wollte man ja König anstelle des Königs werden, um nun einmal alles besser zu machen und die Bürger von dem Joch Logans zu befreien.
Ein Wermutstropfen bleibt aber nach der Präsentation: Versuchten die Lionhead Studios noch im letzten Jahr, die Kinect-Steuerung als Unterstützung ins Spiel zu integrieren, so erscheint “Fable 3“ vorerst ohne Gesten- und Sprachsteuerung. Peter Molyneux stellte allenfalls eine Nachlieferung per Patch in Aussicht. Ob diese wirklich kommt, ließ er offen.
Ausblick
Endlich können die Fans sich wieder mit Reaver, Theresa oder Garth zusammenschließen, um ein weiteres Abenteuer in Albion zu erleben. Vielleicht kommen auch Nicht-Fans durch die Umsetzung auf ihre Kosten – in der Präsentation beispielsweise erlaubte sich der Titel im Rahmen der Präsentation keine einzige technische Schwäche. Großartige Optik, opulentes Gameplay, Charaktere mit Tiefgang und massig Entscheidungsmöglichkeiten transportieren eine Story, die im Idealfall in den Spielerköpfen hängen bleibt. Schade nur, dass die Kinect-Features vorerst fallen gelassen wurden. Diese reicht Lionhead hoffentlich noch nach.
Besonders reizvoll wird die Frage sein, was man mit der Macht anfängt, wenn ihr sie endlich erreicht habt. Wird man ein gütiger Herrscher sein, der für Verbesserungen in Albion sorgt, und dem die Untertanen gerne zu Diensten sind? Oder macht man am Ende alles nur noch schlimmer, so dass sich die Bürger doch lieber wieder den alten Tyrannen herbei sehnen? All diese Fragen können sich Rollenspielfans ab dem 26. Oktober selbst beantworten.