Gemeinsam und doch getrennt
Den Eisernen Thron hat das Spiel nicht verdient...
Vom Buch zur Fernsehserie, zum PC-Strategie-Spiel und letztendlich zum Rollenspiel für diverse Konsolen - die Game of Thrones-Reihe hat schon einiges hinter sich. Doch während Fans bei den ersten zwei Dingen noch vollkommen überzeugt waren, stellt sich im Videospielsektor langsam aber sicher Zweifel ein: Kann man die Kuh noch mehr melken und wieso sind die Spiele eigentlich permanent schlecht? Während wir euch schon bei A Game of Thrones: Genesis geraten haben, lieber zu den Büchern zu greifen, so empfehlen wir euch hier, die „Mach-die-Grafik-Hübsch“-Brille aufzusetzen und generell den Strategie-Faktor des Spiels nicht allzu ernst zu nehmen. Und das, obwohl auch bei Game of Thrones eine ähnlich spannende und äußerst packende Fantasy-Geschichte von George R.R. Martin verarbeitet wurde.
Alles ist so dunkel, braun und nääähh
Wendungsreiche Handlungsbögen, glaubhafte Figuren und natürlich ganz viel bekannte Game of Thrones-Atmosphäre fangen die Stimmung der Ereignisse aus dem ersten Roman bzw. der ersten Serien-Episoden umwerfend ein. So schlüpft ihr im Norden in die Rolle des Nachtwachen-Grenzers Mors Westford, welcher versucht, den Horden an Wilden entgegen zu treten. Im Gegensatz zum rauen, Krieg-gebeutelten und erfahrenen Mors, ist der rote Priester Alester Sorwyck zurückhaltend und alles andere als auf Auseinandersetzungen eingestimmt. Kein Wunder also, dass die Einführung eures Zweitcharakters Alester mit einer „ruhigen“ Beerdigung in den südlichen Flusslanden beginnt und nicht mit Schlachten am Bollwerk. Beide Helden geraten im Laufe des Spiels immer wieder zwischen die Fronten und müssen sich ihren Weg durch das Netz der Intrigen und des Verrates bahnen. Nicht zuletzt seid ihr daran schuld, denn mit den moralischen Dialog-Entscheidungen habt ihr manchmal die Qual der Wah,l in welche Richtung ihr geht. Dadurch gestalten sich die stetigen Wendungen zusätzlich spannender, auch wenn die Synchronisation stellenweise mal mit Elan und Emotionen und nicht mit purer Einfallslosigkeit hätte glänzen können. Übrigens sollten Einsteiger nicht allzu viel Erklärungen erhoffen: Zwar kann man mehr als genug Informationen zur Welt und den Charakteren sammeln, aber viele Zusammenhänge bleiben dennoch offen bzw. erschlagen einen fast.
Echtzeit Kampfroutine
Während sich die Geschichte schnell entwickelt und uns klarer wird, wieso unsere Helden tatsächlich Helden sind, kommt trotz genügend Aufgaben stetig gähnende Langeweile auf, sobald wir uns in den Kampf stürzen müssen. Neben immer den gleichen Gegnertypen erhält man nur selten Verschnaufpausen, denn irgendwie besteht die Schwierigkeit des Spiels nur darin, dass die Feinde (die sich nur durch eine andere Farbe voneinander unterscheiden) einfach nie aufhören. Wird es euch einmal zu viel, könnt ihr das Spiel jederzeit in den Zeitlupen-Modus verlagern und spezielle Angriffe auswählen sowie Taktiken planen. Eine nette Idee, jedoch hat man irgendwann seine drei Lieblingsangriffe herausgefunden und gut ist. Dabei hätte man so viel rausholen können! Zu Beginn müssen wir uns für eine bevorzugte Kampfart entscheiden, dann Skillpunkte setzen, weitere passive Eigenschaften können ausgewählt werden und letztendlich gilt es, den Talentbaum zu befüllen. Doch all dies geht in der Eintönigkeit leider unter, was daran liegt, dass die Änderungen, die ein Level-Aufstieg nach sich ziehen, im Laufe des Spiel kaum spürbar sind oder man sie aufgrund der Bequemlichkeit sowieso nicht verwendet.
Hübsche Kutte!
Wollt ihr das Ganze dennoch durchstehen, navigiert euch eine eigentlich praktische Karte durch die Umgebung, indem sie mittels Himmelsrichtungen die entsprechende Position des Questziels oder der Händler anzeigt. Ihr solltet diesen Pfeilen allerdings nicht blind vertrauen, denn oft stößt man nur auf Hindernisse, sodass man doch einen Umweg gehen muss, der vorher nirgends verzeichnet war. Da könnte es dann fast schon nützlich sein, wenn man lokal im Koop-Modus spielt und sich bei den Richtungsangaben unterstützt.
Stört man sich noch nicht genug an der Monotonie des Spiels und an den stellenweise unfreiwillig komischen Dialogen, so dann doch spätestens an der Optik. Die Animationen sind ungelenk, die Umgebungen matschig sowie stetig trist und grau. Den trauriger Höhepunkt erreicht man dann, wenn man in die Hauptstadt Königsmund kommt und ein weitläufiges Gebiet erwartet - aber Pustekuchen, denn jede Gegend ist so groß wie ein Dorf, hat wenige Straßen und ein paar Minuten haben wir alles erkundet, was es nur zu erkunden gibt. Brauch ich da noch erwähnen, dass sich der Straßenaufbau auch irgendwie immer ähnelt? Man könnte nun annehmen, dass Game of Thrones wenigstens flüssig läuft, aber auch hier täuscht man sich. Denn in Gebieten mit halbwegs vielen NPCs tauchen immer wieder Performance-Einbrüche auf, Grafikfehler und Bugs kann man immer wieder entdecken. Genüssliches Spielen ist definitiv etwas anderes.