Nachspiel
Die einen trauern immer noch nach einer 1:1 Umsetzung von Rares Goldeneye 007, die anderen (so wie ich) schlossen Eurocoms Neuinterpretation als kleines Wunder in die Arme. Ein Wii-Shooter, der die technischen Möglichkeiten der Konsole gut nutzt, ein paar pfiffige Szenarios bietet, eine erstaunlich gute K.I. intus hat und überhaupt in Sachen Spieldesign zu den größten Überraschungen des letzten Jahres gehörte – damit hatte wirklich niemand gerechnet. Nicht einmal Activision selbst, oder wieso sonst wird nun ein Jahr verspätet die Umsetzung für die Konkurrenzkonsolen nachgeschoben?
Erneut bin ich sehr angetan vom eigentlichen Leveldesign: Dschungel, Schneelandschaft, Fabrikgelände oder natürlich der Disco-Level (einer der besten der Ego-Shooter-Geschichte) wirken Raum für Raum durchdacht sowie abwechslungsreich. Oft habt ihr die Wahl zwischen heimlich Voranschleichen oder schießwütigem Rambo. Im Gegensatz zu so vielen anderen Shootern funktionieren beiden Mechanismen hervorragend und greifen perfekt ineinander über. Sowohl das Spiel als auch ihr selbst stellt euch intuitiv um, wenn ihr versehentlich einen Alarm auslöst.
Sichtlich kein Xbox-360-Original
Die K.I. hat ebenfalls ein paar starke Momente. Im Falle von Reloaded fiel mir ein ganz spezieller Gegner auf, der nicht schnurstracks geradeaus vor mir weg rannte, sondern leicht panisch im Zick-Zack-Lauf flüchtete. Genauso sind aber auch die doofen Situationen wieder mit dabei, wobei diese im neuen MI6-Modus verstärkt auffallen (dazu später mehr). Der Sound ist praktisch identisch und die Grafik… nun, die ist halt jetzt hochaufgelöst. Ist sie damit besser? Jein – es ist das “Die Wii-Version sieht im direkten Vergleich schlechter aus, nutzt jedoch die Hardware bedeutend besser.“-Problem, das mich als Kritiker in Erklärungsnot versetzt. Gerade im Vergleich zu einem Modern Warfare 3 macht Reloaded technisch gesehen keinen Stich. Aber die Grafik ist zumindest gut genug, um der Action die nötige Atmosphäre zu vermitteln. Sprich: Es kracht vielleicht nicht so heftig wie in Call of Duty, aber Hauptsache es kracht.
Es ist vielmehr ein anderes Manko, dass mich in den ersten Spielstunden störte: Goldeneye 007: Reloaded wirkt auf mich zu leicht – also im “normalen“ Schwierigkeitsgrad, wohlgemerkt. Schuld daran hat meines Erachtens die Zielhilfe, die aufgrund der Joypad-Steuerung von Haus aus eingestellt ist. Ich rate euch: Schaltet sie ab. Ansonsten müsst ihr wirklich nur grob auf die Gegner halten und ein paar Salven abfeuern. Ohne Hilfe hingegen wird mehr Konzentration verlangt, zudem weiterhin ihr selbst aus größter Entfernung mit eurer schallgedämpften Pistole die perfektesten Kopfschüsse hinzaubert. Unrealistisch? Natürlich. Spaßig? Definitiv.
Mehr MI6, weniger Zeit
In Sachen Modi haben sich zwei wesentliche Dinge geändert: Einerseits sind die Time Trials weg, die ihr nach jeder Mission auf der Wii frei schalten konntet. Dafür gibt es brandneue MI6-Missionen, in denen ihr beispielsweise zahlreiche Gegner töten oder Knotenpunkte verteidigen sollt. Hier wird euch auch im Gegensatz zur Kampagne knallhart vorgegeben, ob ihr ein actionreiches Gefecht oder eine heimliche Schleicherei überstehen müsst. Dieser neue Modus ist jedenfalls ganz nett, aber wenig aufregend und wirkt angetackert – frei nach dem Motto: Er liest sich gut auf der Feature-Liste. Der spielerische Gehalt erinnert an ein Multiplayer-Match gegen eine Computer-K.I., die hier (wie bereits angedeutet) öfters ins Stolpern gerät. Manchmal reagieren die Gegner gar nicht erst, wenn ich direkt neben ihrem virtuellen Kopf den eines Kollegen getroffen habe.