Alles wie gehabt!
Halbgott muss man sein! Holy Avatar und seine Horde jungfräulicher (?) Groupies
Nicht nur die Storyline, sondern auch das Gameplay knüpft nahtlos an den letztjährigen Überraschungshit des Indie-Studios Silent Dreams an. Sprich, wir dürfen uns erneut auf einen Rollenspiel-/Rundenstrategie-Mix freuen. Und noch etwas ist wieder mit dabei: Der Humor, der Genre-Konkurrenten, Fantasy-Szenarien und andere populäre Videospiel- und Film-Themen mit einem liebevollen Augenzwinkern durch den Kakao zieht. Sei es, dass Drake mit einem namenlosen Helden verwechselt wird, er sich selbst für sinnfreie Botengänge anbietet oder er auf „Pokedude“-Sammlerinnen und seltsame Gegenstände wie einen „HD-Ring“ trifft. Und selbst der comichafte Look des Vorgängers wurde nicht von der Häme verschont. Zwar zündet nicht jeder Gag, doch allein schon dank der guten Sprachausgabe habe ich mich bei den Dialogen kaum einmal gelangweilt.
Dies liegt mit Sicherheit auch daran, dass alle Charaktere erneut herrlich überzeichnet sind. Allen voran unser altbekannter Halbgott Holy Avatar, der mit seinen schmachtenden Groupies Candy, Mandy und Sandy eine Gilde gegründet hat, die nach dem Ausweg sucht. Gleiches gilt für die hochnäsigen und überaus herablassenden Elfen und eine Gruppe raubeiniger Söldner. Für diese drei Fraktionen muss Drake etliche Aufträge erfüllen, um schließlich seine eigene Gilde gründen und den Ausgang aus den Katakomben finden zu können.
Ist das düster hier!
Haufenweise hochnäsigen Elfen
Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg, der uns rund 15 Stunden lang fast ausschließlich durch dunkle Gewölbe führt. Damit steht Grotesque Tactics 2 im krassen Gegensatz zum ersten Teil, der größtenteils in knallbunten Außenszenarien spielte. Diese Veränderung macht sich bei der Grafik bemerkbar. Wie schon erwähnt, wurde der Anime-Look über Bord geworfen und durch ein realistischeres Aussehen ersetzt. Es kommen auch einige Polygone mehr zum Einsatz, trotzdem merkt man, dass Silent Dreams keine allzu großen finanziellen Mittel für die Verbesserung der Grafikengine übrig hatte. Nicht so schlimm, schließlich ist das Spiel im Midprice-Sektor angesiedelt.
Störender empfinde ich die fehlende Übersicht. Mit der ist es aufgrund der isometrischen Ansicht und der ständig nötigen Nachjustierung des Blickwinkels nicht allzu weit her. Eine Minimap oder wenigstens eine aufrufbare Übersichtkarte wären eine große Hilfe gewesen, doch beides ist im Spiel nicht vorhanden. Und auch das Auftragsbuch hilft wenig weiter, da es kaum nützliche Angaben enthält. Also bleibt uns nichts weiter übrig, als sich auf unser Gedächtnis zu verlassen, wenn wir bei den zahlreichen „Gehe von A nach B“-Aufträgen durch die Gegend traben. Immerhin haben wir bei der Steuerung die Wahl, ob wir nur die Maus, nur die Tastatur oder eine Kombination aus beidem nutzen wollen.
Auf in den Kampf!
Auch Skellette haben das Recht, getötet zu werden
Die meisten Gespräche und Botengänge finden in der „Zuflucht“ statt, in der wir außerdem Händler finden, bei denen wir Waffen, Rüstungen und Heiltränke erwerben können. Verlassen wir den sicheren Hort, begegnen wir Monstern, wie mörderischen Blobs und grausamen Killerpilzen. Ab diesem Moment können wir unserr Helden nicht mehr frei bewegen, sondern Drake und seine bis zu sechs Begleiter verfügen nur noch über einen eingeschränkten Bewegungsradius sowie die Möglichkeit, entweder in den Abwehr-Modus zu gehen oder einen Angriff zu starten. Gleiches gilt für unsere Kontrahenten, so dass wir uns in klassischer Rundenspiel-Manier gegenseitig beharken. Neu ist, dass dabei die Positionierung eine Rolle spielt. Drehen wir dem Feind den Rücken zu beziehungsweise können wir selbst dessen Kehrseite attackieren, ist der Angriffsschaden um ein Vielfaches höher.
Drake und seine Kameraden verfügen in den Kämpfen erneut über individuelle Fähigkeiten. Die Damen und Herren unterteilen sich in Nah- und Fernkämpfer, nutzen verschiedene Angriffs- sowie Heilzauber und halten jeweils unterschiedlich viel Schaden aus. Für jeden besiegten Gegner gibt es Erfahrungspunkte und nach jedem Levelaufstieg dürfen wir Talentpunkte in die Gesundheit und die Fähigkeiten des jeweiligen Charakters investieren.
Da es mit der K.I. der Gegner meistens nicht allzu weit her ist und wir im Zweifelsfall den Schwierigkeitsgrad auch stets anpassen dürfen, ist die feindliche Armee bald aus dem Weg geräumt. Trotzdem schadet es nicht, ab und an die Schnellspeicher-Funktion zu nutzen, da wir mit dem Ableben von Drake sonst wieder ganz am Eingang eines Abschnitts beginnen müssen.