Hochzeitspläne mit Holzhammerhumor
Selten wähle ich Bilder so gezielt aus, aber in dem Falle...
Michael Bezzle ist ein Name, der für Ärger steht. Eigentlich möchte er nur seiner Freundin Fran einen Heiratsantrag machen, doch auf dem Weg dorthin legt er sich mit einem Tiger-Detektiv, einer lebenden Mülltonne und einem Roboter mit deutsch-holländischem Akzent an. Und dann platzt ausgerechnet in genau dem Moment, als Michael mit Pralinen und Blumen vor seiner Angebeteten steht, die Polizei herein und versaut ihm seinen großen Moment.
Bitte, was? Euch ist das zu sprunghaft? Zu oberflächlich? Beschwert euch nicht bei mir, sondern bei E-One Studio. Die haben schließlich diesen Mist hier verzapft. Während der Grundplot noch als solcher zu erkennen ist, erfahrt ihr darüber hinaus so gut wie nichts. Hoodwink möchte vielmehr witzig sein und wirft euch einen Random Gag nach dem anderen vor die Füße. Dazu gehören übrigens auch (zugegebenermaßen harmlose) Scherze über Fran, weil sie im Rollstuhl sitzt, oder den besagten Tiger, der mehrmals im Laufe des Abenteuers Feuer fängt. Wohl allein deshalb hat das ansonsten recht zahme Point’n’Click-Adventure eine USK-Freigabe ab 16 erhalten.
Endlich: Ein Adventure ohne Speicherfunktion! Darauf hat die Welt gewartet!
Ist es ein Holländer? Ist es ein Deutscher? Ist es ein Niederländer?
Hab ich “zahm“ gesagt? Nehme ich sofort zurück, denn Hoodwink ist hochgradig gefährlich – für das eigene Nervenkostüm. Ich fange mal mit dem Oberhammer an: Ihr könnt nicht speichern. Genauer gesagt gibt es gerade mal vier Checkpoints, die ihr freundlicherweise im Hauptmenü gezielt anwählen dürft, sofern ihr sie freilich bereits einmal erreicht habt. Der nächste Schlucker: Dialoge abbrechen ist aus. Ihr müsst sämtliche Labereien über euch ergehen lassen, auch dann wenn ihr sie bereits kennt. Als Krönung kommt noch Michaels lahmarschiger Laufgang und eine alternative wie völlig verbuggte Rennanimation hinzu, bei der unser “Held“ ständig irgendwo hängen bleibt oder wild hin- und herzuckelt. Ach ja, und die Ladezeiten sind auch nicht gerade berühmt, halten sich aber aufgrund der sehr, sehr, sehr überschaubaren Anzahl an Schauplätzen unterm Strich in Grenzen.
Das Rätseldesign ist, milde ausgedrückt, äußerst schwach. Die meisten Probleme löst ihr in weniger als einer Minute, allein weil euch das Spiel automatisch verrät, welches Objekt ihr benutzen sollt. Als “Ausgleich“ gibt es keine Hot-Spot-Funktion, was bei den teilweise mickrig kleinen Anklickflächen so richtig schön nervt. Doch keine Bange: Mit der optionalen Hilfefunktion bekommt ihr sowieso alle paar Sekunden einen Tipp verraten, der euch dann auch auf die gut versteckten Gegenstände stößt. Dumm nur, wenn das Spiel diese Tipps per Zufallsgenerator ausspuckt sowie euch in Raum A Dinge erzählt, die ihr eigentlich für Raum B wissen müsstet, und umgekehrt…
Kurz und schmerzvoll
Eine der miesesten Actionszenen aller Zeiten.
Noch nicht genug? Die Spielzeit stoppt bei gut einer Stunde. Klar, es ist nur die erste Episode, die aber trotzdem mit ihren 13 Euro gar nicht mal so billig ausfällt, und… ich bitte euch: eine Stunde?! Bei nicht abzubrechenden Dialogen? Die Nettospielzeit dürfte allenfalls die Hälfte davon ausmachen. Und hab ich schon von den Actionsequenzen erzählt? Dass ihr beispielsweise sechs Rosen einfangen müsst? Die sind nämlich mehr als lebendig und flitzen in ihrem Blumenbett kreuz wie quer herum. Um sie zu schnappen, müsst ihr sie mit dem Cursor anvisieren und mindestens eine Sekunde lang via gedrückter Maustaste festhalten. Diese Art der Steuerung ist alles andere als intuitiv und wird euch nur erklärt, wenn ihr auf ein ansonsten nicht weiter benötigtes Icon drückt, dessen Existenz ihr längst aus eurem Gehirn gestrichen habt.
Gut aussehen tut Hoodwink ebenfalls nicht, dafür sorgen die völlig krude Farbpalette und die teilweise desaströsen Animationen. Speziell Michaels Renngang sieht einfach nur peinlich aus. Die meiste Mühe steckt eindeutig im Sound: Die Sprachausgabe kann zwar die nicht witzigen Witze auch nicht retten, aber immerhin stimmt die Wahl der Sprecher. Überdies hört sich die Musik zumindest professionell produziert an, sprich eindeutig nach echten Instrumenten anstatt blechernem Synthesizer. Aber mehr Lob gibt es nicht, denn spätestens wenn aus nicht erklärbaren Gründen zwei Melodien wie im schlechtesten Kanon aller Zeiten gleichzeitig gespielt werden, hört die gute Laune auf.