Rettet die Erde, tötet Euch selbst!
In der Mitte des 21. Jahrhunderts wird der Platz auf der Erde aufgrund Bevölkerungswachstum und Klimawandel immer enger. Während ein Teil der Menschheit eine technologische Lösung für die stetig brisanter werdende Situation sucht, vertreten die sogenannten Malthusianer eine komplett andere, weitaus radikalere Lösung: Die Menschheit soll sich selber dezimieren, um sich schlussendlich retten zu können! Um Worten Taten folgen zu lassen, greifen die Malthusianer das riesige Schiff „Queen of the World“ an, auf der nicht nur das Äquivalent einer Kleinstadt untergebracht ist, sondern auch nanotechnologische Forschungen zur Bekämpfung der irdischen Probleme durchgeführt werden. Die auf dem Megapott beschäftigte Technikerin Kate Wilson stolpert mitten in das nasse Schlamassel und findet sich alsbald in der ungewollten Weltenretterrolle wieder.
Es liegt auf der Hand, dass der Spieler die Rolle von Frau Wilson übernehmen darf, die vom Entwicklerteam Dark Energy einen Lara-Croft-in-Rastalocken-Look spendiert bekommen hat. Auch nach den ersten Gehversuchen an Bord der „Queen of the World“ zeigen sich weitere Parallelen zu den Tomb Raider-Spielen, sei es in der Kameraperspektive, in den zahlreichen Geschicklichkeitseinlagen oder auch in der stetigen Suche nach dem passenden Schlüssel oder Hebel für die ein oder andere verschlossene Tür. Gleichzeitig bemüht sich das Spiel offensichtlich um eine Bioshock-ähnliche Atmosphäre, wobei der Psycho-Trip nach Rapture zumindest hinsichtlich der Wassermasse locker von Hydrophobia Prophecy übertroffen wird. Wahre Sturzbäche ergießen sich an allen Ecken und Enden über die arme Kate! Und genau das lässt einen Vergleich zur bedrückend-bedrohlichen Atmosphäre bei Bioshock überhaupt nicht zu: Bei Hydrophobia Prophecy nutzt sich das nasse Element als Stimmungsmittel sehr schnell ab! Dass hinter der nächsten Tür schon wieder ein Wasserschwall wartet, um sich über die Rastalockenpracht von Kate zu ergießen, ist bald so vorhersehbar wie ein neues Rettungspaket für Griechenland!
Allerlei Schießerei
Trotzdem hat Hydrophobia Prophecy durchaus spannende Momente, die aber weniger mit dem Wasser als mehr mit dem Angriff auf das Schiff an sich zu tun haben. Gerade zu Beginn kracht es an allen Ecken und Enden, Böden brechen plötzlich weg, Gasleitungen explodieren, und überall brechen Feuer aus. Derart getrieben hetzt man dann doch ein ums andere Mal regelrecht atemlos durch die Gänge, angeheizt durch das befreundete Besatzungsmitglied Scoot, der Kate per Funk durch die verwinkelten Gänge leitet. Auch die immer wieder eingestreuten Zwischensequenzen wissen durchaus den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten, was aber kein Verdienst der Technik liegt. Optisch kommt Hydrophobia Prophecy nämlich ziemlich unspektakulär daher. Da muss sich ein Bioshock nicht mal ansatzweise warm anziehen, selbst wenn es schon etwas in die Jahre gekommen sein mag.
Im Verlauf des Spiels werden die Schießereien, die sich Kate mit den Angreifern liefern, immer zahlreicher. Motivierend fallen sie aus mehreren Gründen nicht aus. Das fängt damit an, dass grundsätzlich alle Gegner mit der Standardwaffe – Pistole mit Schallmunition – ausgeschaltet werden können. Die eher beschränkte künstliche Intelligenz beherrscht nämlich weder Teamwork noch andere Kampftaktiken. Die Gegner sind schlicht so dumm, dass sie auf die einfachsten Deckungsmanöver reinfallen. Dieser Umstand ist den Entwicklern offensichtlich auch nicht entgangen, da sie sich im Gegenzug eine besonders unfaire Angriffsmethode einfallen haben lassen: Viele Gegner greifen Kate unter Wasser an – und zwar natürlich mit Schusswaffen! Das läuft nicht nur sämtlichen Naturgesetzen zuwider, sondern sorgt durch die wenig übersichtliche Kameraführung bei den Schwimm- und Taucheinlagen für gehörige Überlebensprobleme – und für einige bereits erwähnte Tollwutanfälle!
Moses lässt grüßen
Weitere Wutzuckungen hinterlassen Steuerung und fehlerhafte Kollisionsabfragen: Ob Kate einen Sprung von einer Stange zur nächsten schafft, scheint oftmals vom Zufall abzuhängen. Es kommt immer wieder vor, dass die agile Dame aus unerfindlichen Gründen ins Leere greift – und kurze Zeit später an der selben Stelle unter gleichen Vorzeichen das Manöver völlig problemlos meistert. Dafür rutscht sie dann von der nächsten Rampe runter, obwohl die grafische Darstellung vermuten lassen wuerde, dass sie festen Boden unter den Füßen hat. Ebenso irritiert so manch merkwürdige Begrenzung in der Spielwelt. Insbesondere unter Wasser gibt es für Kate an einigen Stellen kein Durchkommen, obwohl eigentlich genügend Platz zum Durchtauchen wäre.
Um hinter die Motive des Angriff auf die „Queen of the World“ zu kommen, muss sich Kate aber nicht nur tauchend, springend und schießend den Weg über die einzelnen Decks bahnen. Manchmal lässt sich ein Zugang nur per Code öffnen, der mit einer Art Röntgenschrift auf Wände gemalt ist. Und die lässt sich wiederum mit Kate’s Allzweck-Tool entziffern. Das schaut ein wenig wie ein zusammenfaltbares iPad aus und dient auch dazu, Computerterminals zu hacken oder Hinweise zu archivieren. Dass ein solch fortschrittliches Gerät dann aber eine derart hässliche und unpraktische Kartendarstellung bietet, ist allerdings durchaus paradox!
Mit einer Fähigkeit setzt sich Frau Wilson dann aber doch deutlich von der Konkurrentin Lara Croft ab, die ansonsten die Rasta-Konkurrenz nicht zu fürchten braucht: Kate lernt im Verlauf des Spiels das Wasser zu kontrollieren und für sich zu verwenden, was einige nette, wenn auch grafisch weiterhin unspektakuläre Spielereien und vor allem Rätsel erlaubt. Das Nachspielen der biblischen Geschichte vom geteilten Meer wird somit zu einer digitalen Realität!