Vom Film zum Spiel
Die Mond-Nazis wollen die Erde übernehmen
Aber worum geht es in der Filmvorlage Iron Sky eigentlich? Im Jahre 2018 entdeckt eine amerikanische Mondmission, dass die Nazis eine geheime Basis auf der erdabgewandten Seite errichtet haben und seit Jahren eine Invasion der Erde planen. Mit der neuen, erbeuteten Technologie in Form eines Smartphones, startet man den Feldzug gegen den blauen Planeten. Das ist Trash-Kino für wenige Gehirnzellen und einen noch kleineren Anspruch.
Auch das Spiel zum Film steht dem im Nichts nach. Dabei ist die Grundidee gar nicht mal so schlecht, wie sie vielleicht auf den ersten Blick scheint: Iron Sky Invasion verbindet die gute alte Weltraumballerei, die man schon vor vielen Jahren in Wing Commander und Freelancer erleben durfte. Dann mixt man noch einen Schuss-Videosequenzen á la Command & Conquer: Red Alert hinzu und schon hat man die Bescherung! Iron Sky Invasion gibt sich wie der Film bewusst trashig. Die Missionen bekommen wir im Laufe des Spiels von drittklassigen Schauspielern präsentiert und dürfen uns mit Nazi-Kommandanten oder sogar der Präsidentin höchstpersönlich rumschlagen. Die sieht nicht nur Sarah Palin verdammt ähnlich, sie gibt auch den gleichen Blödsinn von sich – Humor ist wenn man trotzdem lacht.
Im Weltall hört dich keiner schreien – leider.
Ein Weltraum-Zeppelin! Faszinierend!
Sagenhafte drei Raumschiffe dürfen wir im Schlachtzug gegen die Nazis nutzen. Da haben die Sparmaßnahmen wohl hart gegriffen, aber zumindest dürfen wir dem fliegenden Wellblech ab und zu ein paar Upgrades verpassen. Damit können wir uns wenigstens ein wenig unserer Haut - ich meine unseres Metalles - erwehren. Auf der Weltraumkarte springen wir immer wieder von einem Krisenherd zum nächsten und versuchen, die gegnerischen Raumschiffe daran zu hindern, in Richtung Erde vorzudringen. Aber auch das kennt man ja schon irgendwie alles. Die Gegnerpalette reicht von Standardgegnern wie kleinen, wendigen Jägern zu besser gepanzerten Schiffen, die man nur mit etwas Taktik knacken kann. Aber einen Weltraum-Zeppelin hat man selten gesehen! Dieses Monstrum lässt sich auch nur dann abschießen, wenn man im richtigen Zeitpunkt in die geöffneten Luken feuert.
Das gestaltet sich leider oftmals als schwieriges und nervenaufreibendes Unterfangen, denn man hat sich entschieden Iron Sky Invasion eine Maus-Steuerung zu geben, die so genau ist, wie eine Wüstenspringmaus auf Red Bull. Hallo lieber Entwickler? Freelancer hat doch schon 2003 vorgemacht, wie ein Weltraum-Shooter mit Maus zu funktionieren hat! Also zum Gamepad gegriffen, und siehe da - es ist halbwegs spielbar, auch wenn die Steuerung noch immer meilenweit von Begriffen wie „Präzision“ entfernt ist.
Viel zu tun
Totale Action oder Wimmelbild?
Aus Wing Commander kennen wir auch das Energie-Management, das dem stumpfen Geballere etwas Taktik verleihen soll: Unter heftigen Beschuss leite ich die Energie in die Triebwerke, die Waffen oder in meine Schilde um. Meistens in meine Schilde, denn der Gegner ist gnadenlos und dezimiert meinen einzigen Schutz mit wenigen Salven. So ist schon zu Beginn der Frustfaktor hoch und das bleibt auch so das restliche Spiel über. Andauernd leite ich meine Energie um, mache wahnwitzige Flugmanöver, um nicht getroffen zu werden, und versuche nebenher, einige Nazi-Schergen in die unendlichen Weiten des Alls zu blasen.
Gleich ein Tipp vorneweg, falls Ihr euch dieses Machwerk wirklich antuen wollt: Lasst die Zielhilfe in Iron Sky Invasion unbedingt an, ansonsten sehe ich Gefahr, dass Ihr vor Wut Euren Joypad in den Monitor schmettert. Das Spiel selbst läuft wie eine große Echtzeit-Mission ab: Während ihr eure Aufgaben an einer Stelle der Karte erledigt, fliegen in der Zwischenzeit weitere Raumschiffe Richtung Erde bzw. weitere Ziele können angeflogen werden – also Augen auf.
Gute Grafik? Das ist doch so 2002!
Nicht nur, dass die Nazis wieder da sind, auch grafisch hat man sich an einen Zeitsprung gewagt. Die DirectX-Effekte in Iron Sky Invasion sind langweilig, die Texturen eintönig und teilweise auch matschig und auch das Gameplay wiederholt sich immer wieder. Immerhin der Soundtrack entlockt den ein oder anderen Schmunzler: Da hört man die Lieder aus dem Soundtrack und pendelt zwischen russischem, deutschem und amerikanischen Volksgut hin und her. Einstellbare Schwierigkeitsstufen gibt es nicht, einen Multiplayermodus eben so wenig. Wer sich das Spiel vor dem Kauf anschauen möchte, sollte sich die Demo bei uns herunterladen.