Vater, Tochter und Lynch
Nachdem sich Kane an The 7 gerächt hat, blieb außer ihm keiner mehr davon übrig. Eigentlich hatte er jetzt alles was er wollte: Er bekam seine Rache, konnte seine Tochter retten und muss sich auch um Geld keine Sorgen mehr machen. Leider ist aber die Beziehung zu seiner Tochter Jenny alles andere als gut und so versucht er auf den ersten paar Seiten im Comic-Heft seine Vater-Tochterbeziehung zu verbessern. Das Gespräch zwischen den beiden läuft zunächst nicht sonderlich gut und als es gerade anfängt eine positive Wendung zu machen, betritt Lynch die Bühne - nur um sich bei Kane über das Hotel zu beschweren, in dem sie gerade eingecheckt haben. Diese Ablenkung kommt Jenny mehr als gelegen und sie macht sich durch ein Fenster aus dem Staub. Als Kane dies bemerkt, heftet er sich sofort an ihre Fersen, aber seine Tochter ist bereits mit einem Taxi weggefahren. So “leiht“ sich Kane kurzerhand sowie mit Hilfe seiner Pistole einen Wagen und nimmt die Verfolgung auf. Weit kommt er nicht, denn kaum fährt er vom Hotelgelände, wird er von einem Unbekannten gerammt und bleibt verletzt im Wagen liegen. Der Unbekannte fackelt nicht lange herum, hält Kane eine Waffe vor das Gesicht und erzählt noch was von einem Kopfgeld in Höhe von 10 Millionen Dollar. Natürlich ist Lynch mit seiner Schrottflinte zur Stelle um seinen Kumpel zu retten.
Kurz darauf entdecken die beiden, dass ein weltweites Kopfgeld auf sie ausgesetzt ist. Die Jagd nach Kane und Lynch wurde durch den Tot der Mitglieder von The 7 ausgelöst, was darauf schließen lässt, dass es jemanden geben muss, der über dieser Organisation stand. Im Verlauf der Story erfährt man nicht nur wer das ist, sondern auch welche anderen Gruppierungen versuchen das Matchvakuum, welches The 7 hinterlassen hat, für sich zu nutzen. Dabei begleiten wir als Leser die beiden auf einen Trip nach Europa, wo sie unter anderem einen Abstecher nach Berlin machen.
Individueller Stil
Autor Ian Edginton kann auf eine lange und erfolgreiche Vergangenheit in der Comic-Branche zurückblicken. So hat er bereits für Aliens vs. Predator, Warhammer, Batman, Judge Dredd und viele weiter Serien sein Können als Autor bewiesen. In Kane & Lynch tut er dies erneut und präsentiert eine stimmige wie spannende Story, welche die Ereignisse aus Dead Man fortsetzt. Abseits der Action und der Sache mit dem Kopfgeld stellt Edginton immer wieder die Beziehung, die die beiden zueinander haben, in den Mittelpunkt. Somit bleibt es nicht bei einer oberflächlichen Story, sondern man bekommt als Leser eine gute Mischung aus Spannung, Aktion und Tiefgang – aber ich habe von Ian Edginton auch nichts anderes erwartet.
Zeichner Christopher Mitten dürfte hierzulande kaum jemandem bekannt sein. Er ist erst seit ein paar Jahren im Geschäft und besitzt noch nicht viele Referenzen, vor allem nichts was man hierzulande kennt. Dennoch macht er seine Arbeit gut und legt einen sehr individuellen Stil an den Tag, dem man einen gewissen Wiedererkennungswert nicht absprechen kann. Auch ohne viele Details trifft er immer die richtige Stimmung und man erkennt in der Mimik der beiden Hauptprotagonisten ganz klar die virtuellen Vorbilder.Was die Verwendung von Perspektiven und die Augteilung der Panel und Sequenzen angeht, so zeigt Mitten's Arbeit eine klare, strukturierte und konsequente Form – wenn auch keine besonders innovativ.
Fazit:
Die sechs Ausgaben von Kane & Lynch sind wirklich unterhaltsam und wer den Humor der Spiele mochte, wird auch hier auf seine Kosten komme. Die Umsetzung der Charaktere ist sehr gelungen und die Fans dürften zufrieden sein. Die Story ist spannend und logisch aufgebaut, auch wenn sie an manchen Stellen, zumindest für mich, vorhersehbar war. Das Einzige, was mir fehlt, ist ein Übergang zum zweiten Teil, wobei das Ende der Comic Serie keine Unstimmigkeiten im Bezug auf "Dog Days“ zurück lässt. Aktuell sind mir keine Pläne für ein Erscheinen in Deutschland bekannt, womit ihr euch wieder mal an euren Comic-Händler oder eBay wenden müsst.