UFOs! Aliens? HILFE?
Die Geschichte von Kirby’s Adventure ist so tiefgründig wie ein flacher Teller: Aus einer fremden Dimension strandet ein Raumschiff in der Welt von Kirby und seinen Freunden. Erwartet uns hier eine üble Alien-Invasionen mit 10000000000 zuckersüßen, aber toten Lebewesen? Fast. Stattdessen erfährt das rosafarbene Flauschi, dass der Pilot des UFOs ganz dolle traurig ist. Er möchte zurück in seine Welt. Und genau dafür braucht er eure Hilfe. Sucht in fünf Welten nach Einzelteilen des Schiffes, sammelt nebenbei Zahnräder und sorgt dafür, dass das Aliending wieder zurück in seine Heimat gelangt. Kirby ist also nicht ausländerfeindlich, sondern hilfsbereitet. Was für ein netter Kerl. Aber bevor ich vom Thema abkomme: Die Handlung ist konsequent infantil. Die Entwickler richten sich ganz klar an ein junges Publikum, das die Zusammenhänge schnell erkennt. Kirby und das magische Garn war deutlich komplexer - und das war schon kindisch.
Egal, ich finde das keineswegs tragisch. Zählt ihr euch zur Call of Duty-Fraktion und habt dank durchgezockter Nächte seit Wochen blutunterlaufene Augen und ein erhöhtes Aggressionspotential, Kirby’s Adventure dürfte euer Herz nicht erweichen können. Anders sieht es aus, mögt ihr wie ich kunterbunte, seichte und niedliche Jump&Runs alter Schule. Genau das bietet euch der Titel nämlich. In Reinkultur, versteht sich.
Soooo klassisch!
Eine von Kirbys Spezialeigenschaften. Fast großes Kino.
Einfach ausgedrückt lauft ihr bei Kirby’s Adventure von links nach rechts, um den Ausgang zu erreichen. Ein Zeitlimit existiert nicht, sodass ihr in aller Ruhe durch die Abschnitte pilgern könnt, um beispielsweise besagte Zahnräder zu finden. Gelegentlich warten die obligatorischen Zwischengegner auf euch, die mit Taktik und plumpem „Haudrauf“ zu bezwingen sind. Und am Ende einer Welt wartet ein dicker Endboss, der nicht ganz so leicht zu knacken ist. Die Macher präsentieren das Geschehen aus der genretypischen 2D-Perspektive, ihr betrachtet die putzigen Orte also von der Seite.
Tja, und? Klingt nach 08/15? Ach, was! Denn natürlich kommen Kirbys Fähigkeiten zum Einsatz. Er kann sich mit Luft aufpusten und so bequem durch den Himmel fliegen sowie mittels seiner Puste Gegner ausschalten. Indem er Feinde aufsaugt und sie wieder ausspuckt, zerlegt er weitere Schurken. Und mit dem Mega-Einsaugen sorgt er gerne für eine größere Aufräumaktion auf dem Bildschirm. Kennt ihr die alten Kirby-Teile (z.B. vom NES), dann ist das freilich nichts Neues. Anders sieht es beim so genannten Nachahmen aus. Kirby nimmt die Fähigkeiten etlicher Bösewichte an, indem er sie sich einverleibt. Auch findet ihr in der Spielewelt regelmäßig Spezial-Power-Spender, die neue Talente ermöglichen. Sie sind in der Tat facettenreich: Mal schwingt die Kuller eine Peitsche im besten Indiana Jones-Stil (inklusive Indy-Hut!), ein anderes Mal ballert er mit Feuer um sich. Genauso verwandelt er sich in einen Igel, teilt Elektrizität aus, sorgt für einen Blätterwirbel oder wirft mit Bomben um sich. Die erlernbaren Eigenschaften könnten witziger kaum sein. Seid ihr der Auffassung, bereits alles gesehen zu haben, überrascht euch Kirby’s Adventure mit neuen Spezial-Power-Attacken. Prima und enorm spaßig! Und amüsant sowieso!
Trotzdem: Kirby’s Adventure bleibt im Verlauf der fünf Welten immer recht einfach, der Schwierigkeitsgrad erreicht zum Schluss höchstens einen mittelmäßigen Herausforderungsgrad. Seid ihr im Bereich der Plattformer etwas erfahrener, habt ihr den Schluss nach spätestens fünf Stunden erreicht. Möchtet ihr allerdings alle Minispiele, Prüfungen und Übungsmissionen, die die Fähigkeiten näher erläutern, freischalten, erhöht sich die Spielzeit um weitere drei, vier Stunden. Hier müsst ihr nämlich alle Zahlräder in den Levels ergattern - und das ist nicht mehr so simpel. So oder so: Der Umfang ist überschaubar, dafür aber geht Kirby - hah, welch Wortspiel - zu keiner Zeit die Puste aus. Obwohl sich zur Hälfte hin die Jump&Run-Routine einstellt, bereitet das Spiel viel Spaß. Eben weil es so herrlich unkompliziert, freundlich und schön ist. Ja, die Landschaften sind wunderbar, attraktiv, vielfältig und putzig. Und so nostalgisch. Kirby ist Kirby - wie früher eben. Geblieben sind leider auch die statischen Hintergründe. Das ist nicht so hübsch.
Habt ihr langsam genug von den neumodischen 3D-Hüpfern der letzten Jahre - Kirby’s Adventure ist eine wahre Genugtuung für die Seele. Toll. Über die fehlende Sprachausgabe und die dahinplätschernden Melodien könnt ihr getrost hinwegsehen. Die Steuerung geht übrigens leicht von der Hand und nervt nicht mit einem unnötigen Bewegungszwang oder einem Nunchuck. Ihr haltet die Wiimote waagerecht - wie einen Controller. Schade, dass die Programmierer den Classic Controller ignorierten. Sei’s drum, geht auch so.
Nicht mehr allein, allein!
Ein Endboss. Hui!
Genug vom Alleinsein? Sucht euch maximal drei Freunde, die am besten noch ihre Wiimote mitbringen. Im Viererteam erwartet euch rasante Action, die von der Solokampagne abweicht. Hier kämpft ihr euch zwar ebenfalls durch die Szenarien, müsst aber auch auf eure Kumpels Rücksicht nehmen. Ihr nehmt sie Huckepack und führt sogar gemeinsame Spezial-Aktionen aus. Das ist launig und sogar etwas spaßiger als der Koop-Modus von Kirby und das magische Garn. Vor allem dann, wenn ihr viele Tage mit dem Mehrspielermodus von New Super Mario Bros. Wii verbracht habt. Hier sind etliche Parallelen unverkennbar. Schlimm? Quatsch!