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Kung-Fu Live

Virtual Air Guitar Company
Virtual Air Guitar Company
Action
2010
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PS3

Bewertung
USK

Kung-Fu Live Vorschau

Kampfsport-Helden werden nicht einfach geboren, sie werden gemacht

Mit echtem Körpereinsatz zum Kung-Fu-Helden: Prügelt euch vor eurer EyeToy-Kamera!

  06.11.2010   0 Kommentare   1946 Klicks
 
 
Kung-Fu Live 0,0 0
Kung-Fu Live

Es ist Freitagabend – deine vier besten Freunde sitzen bereits ungeduldig auf dem Sofa hinter dir, jeder mit einem PS3-Controller ausgerüstet. Du stehst mit Stirnband und Fliegenklatsche vor dem Fernseher. Die Stimmung ist aufgeheizt und deine Freunde beschimpfen dich mit feinstem Trashtalk. Das EyeToy überträgt deine obszönen Gesten auf dein virtuelles Abbild. Die Arena wird geladen… 3, 2, 1 – Fight! Du stehst in einer Gasse, irgendwo in einem asiatischem Viertel. Von links und rechts rücken deine Freunde mit ihren Schläger-Charakteren auf dich zu. Du verneigst dich noch kurz und schwingst gefährlich deine Fliegenklatsche. Kommt nur her, wenn ihr euch traut.

Partyspaß mit Cardio-Effekt

Kung-Fu Live

Das finnische Entwicklerteam mit dem passendem Namen Virtual Air Guitar Company macht selbst aus dem lethargischsten Spieler einen Martial-Arts-Profi. In dem für PlayStation Network erscheinendem Download-Titel prügelt ihr euch durch Horden von Gegnern und setzt dabei euren Körper als Controller ein. Während ihr bei der Konkurrenz ab nächster Woche via Kinect mit einer ähnlichen Technik Fitness-Übungen macht oder das Tanzbein schwingt, dürft ihr hier die Fäuste wirbeln, euren Roundhouse-Kick optimieren und quasi jeden beliebigen Gegenstand als Waffe einsetzen. Ob eure Verrenkungen dabei beeindruckend oder lächerlich aussehen, macht spielerisch keinen Unterschied - solange ihr eure Gegner trefft. Zur allgemeinen Erheiterung in freundschaftlicher Runde sorgt es allemal.

Im Prinzip könnt ihr euch bewegen wie ihr wollt. Ob langer Punch, kurzer Haken, ein Tritt gegen das Knie oder ein Sprung-Kick gegen den Kopf eurer Gegner: Relevant ist nur die Distanz zwischen euch und den virtuellen Bösewichtern. Da ihr keinen Controller habt, fällt das Laufen schon mal flach – ihr könnt ja schlecht aus dem Winkel des EyeToy verschwinden, das jede eurer Bewegungen exakt auf den Bildschirm überträgt. Um euch fortzubewegen stehen euch daher diverse Spezial-Attacken zur Verfügung. Schlagt ihr mit beiden Armen in die Richtung eines Gegners, rast euer Abbild auf diesen zu und verpasst ihm einen harten Schlag. Macht ihr einen Sprung und reißt dabei eure Arme in die Luft, vollführt ihr im Spiel einen gewaltigen Rückwärtssalto. Dass dieser extrem komisch anmutet, ist ein gewollter Nebeneffekt.

Ein grüner Lebensbalken über den Köpfen zeigt an, wie lange ihr euch noch gegenseitig auf die Zwölf geben müsst, bevor die Runde entschieden ist. Der Balken des Kung-Fu-Helden ist dabei mit Abstand am größten, was nur fair ist. Immerhin versuchen gleich vier Mitspieler euch den Garaus zu machen. Anders als dem Helden stehen den Bösewichtern aber nur die Standardangriffe zur Verfügung, was auf Dauer den Spielspaß trüben kann. Wenigstens können sie sich teleportieren, um euch auf alle Ebenen des Levels zu folgen. Äußerst nützlich, wenn ihr mal wieder per Rückwärtssalto quer durch die Botanik geflogen seid und von einem Felsvorsprung aus Steine und Fässer auf sie herab tretet. Wurdet entweder ihr oder eure Gegner besiegt, ist die Runde vorbei – und verschnaufen ist angesagt. Denn mehrere Minuten lang mit den Armen und Beinen in der Luft zu rudern, geht ganz schön auf die Kondition.

Karriere als Comic-Held

Kung-Fu Live

Im Singleplayer bietet Kung-Fu Live zehn verschiedene Levels, die allesamt mehr oder weniger komplett in ein Bildschirmfenster passen. Großartig Abwechslung gibt es demnach nicht. Der Hersteller spricht von einer Spielzeit von rund drei Stunden, dies im leichten Schwierigkeitsgrad. Da jeder Level euch die Schweißperlen auf die Stirn treiben wird, dürft ihr in den Pausen bei einem netten Gimmick wieder zu Kräften kommen: In einem Fotoshooting werden verschiedene Aufnahmen von euch gemacht. Dazu müsst ihr euch in die vorgezeichneten Positionen begeben, bis die Kamera auslöst. Dass diese wilde Verrenkungen von euch verlangt, dürfte für reichlich Spaß im Wohnzimmer führen – egal ob allein oder mit Freunden. Danach wird die Geschichte in einzelnen Comic-Panels weitererzählt – in denen ihr der Held seid. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz, und ihr seht euch selbst aus Fenstern fliegen oder ungeschickt einen Berg hinab stolpern, direkt vor die Füße eurer nächsten Gegner.

Die so erstellten Comic-Strips dürft ihr jederzeit neu aufnehmen und abspielen. Ihr könnt sie sogar speichern, exportieren und bei Bedarf ausdrucken. Das ihr bei der bescheidenen Auflösung des EyeToy (640x480 Pixel) jedoch keine gestochen scharfen Bilder von euch erwarten dürft, sollte klar sein. Die Entwickler kaschieren dieses Manko recht gut, indem sie eine Art Comic-Filter über eure Fotos legen, wodurch sie sich gleichzeitig dem Stil der Zwischensequenzen anpassen.

Lustiges Spiel, bescheidene Technik

Kung-Fu Live

So beeindruckend das alles auch klingen mag, so ernüchternd ist die Umsetzung des Spiels. Die Gegner bewegen sich absurder, als die Figuren der Augsburger Puppenkiste. Während die Holzfiguren wenigstens noch filigran mit Armen und Beinen wackeln, erscheinen einem die Gegner in Kung-Fu Live wie starre Zinnfiguren, die gelegentlich aus dem Winterschlaf erwachen und mit einer Handvoll verschiedener Angriffe attackieren. Da das komplette Spiel in einem zweidimensionalen Raum stattfindet, ist der Bewegungsspielraum arg eingeschränkt. Ihr könnt ausweichen, indem ihr einen Ausfallschritt macht, oder einfach euren Körper entsprechend zurücklehnt. Viele eurer Angriffe gehen aber, auf Grund der eingeschränkten Fortbewegung, häufig ins Leere.

Im Direktvergleich mit Xbox Kinect muss sich das EyeToy geschlagen geben. Zwar werden eure Bewegungen sauber und schnell auf den Bildschirm gebracht, in den Winkeln zwischen Armen und Beinen verbleiben jedoch unschöne Fragmente. Mit dem gleichen Problem kämpft Kinect zwar auch, dies wird allerdings zum Beispiel bei Your Shape durch eine Art wabernden Blob um eure Kontur herum überspielt. Auch der Hintergrund wurde in der Vorführung nicht immer richtig heraus gerechnet, was einen hässlichen Fleck in Spielergröße erzeugt. Glücklicherweise lässt sich dieser resetten, wenn man kurz aus dem Bild heraus tritt. Insgesamt ist der Eindruck der Kamera dennoch recht ordentlich und überrascht positiv, bedenkt man, dass es sich hierbei um eine sieben Jahre alte Technik handelt.

Ausblick

Kung-Fu Live

Virtual Air Guitar Company zaubert ein innovatives Party-Spiel auf die PlayStation, das der angestaubten EyeToy-Kamera noch einmal alles abverlangt. Unbeabsichtigt bedienen die Finnen sogar den aktuellen Hype um Bewegungsspiele, ohne dabei auf die neue Generation von Move oder Kinect zu setzen. Die Idee entstammt ihrem ersten Spiel, einem Guitar Hero-Remake, bei dem auf einer Luftgitarre gespielt wird - daher auch der Firmenname. Passende Adjektive reichen von bescheiden, verpixelt, hakelig, steif bis hin zu cool, genial, kurzweilig und extrem witzig. Ob es die 15 Euro wert ist, die es im Playstation Network kosten soll, liegt ganz an euren Vorlieben: Legt ihr Wert auf eine gute Story, tolle Grafik und langfristige Unterhaltung, dann lasst besser die Finger von dem Spiel. Wenn ihr jedoch Comic-Fans seid, auf Prügelfilme steht oder mit mehreren Freunden gerne die Nächte durch zockt, könnte Kung-Fu Live der Geheimtipp schlechthin für euch sein. Aber Vorsicht: Nicht zu dicht am Fenster spielen!

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