Mehr als nur das Dynamische Duo

Superman? Hat der sich in's falsche Spiel verirrt?
Gut für mich, denn dadurch darf ich im zweiten Teil nicht nur mit Batman und Robin um die Häuser ziehen, sondern ich kann auch als Superman, Wonder Woman, Flash oder Green Lantern den Bösewichtern Saures geben. Doch keine Angst, liebe Fledermaus-Fangemeinde, der Großteil der sehr ausführlich angelegten Kampagne mit insgesamt 15 Abschnitten ist nach wie vor auf das Dynamische Duo ausgelegt, das an vielen Stellen im Spiel auf altgewohnte Weise zusammenarbeiten muss, um voranzukommen. Am meisten Spaß macht dies natürlich zu Zweit; Solo-Spieler müssen sich hingegen mit einem K.I.-gesteuerten Partner vergnügen, der die insgesamt recht gut pariert. Und stellt sich die CPU doch einmal zu doof an, wechselt man einfach die Spielfigur und erledigt den Job eben selbst.
Das Teamwork ist vor allem deshalb nötig, weil Robin und Batman wieder mehrere individuelle Anzüge spendiert bekommen haben und somit jeweils nur eine der beiden Figuren über spezielle Fähigkeiten verfügt. Fledermaus-Mann kann sich beispielweise mit dem „Sensor Suit“ unsichtbar machen und durch Wände schauen. Sein Sidekick darf dafür unter anderem in den „Magnet Suit“ schlüpfen und an metallenen Flächen nach ob laufen. Beiden Helden stehen im Laufe des Abenteuers mehrere Anzüge zur Auswahl, allerdings können sie diese nicht frei wechseln, sondern das Spiel gibt vor, wann und wo welcher Anzug zum Einsatz kommt.
Kommunikative Klötze

Lex Luthor und der Joker machen gemeinsame Sache
Auch sonst ist Lego Batman 2: DC Super Heroes mit vielen Features gespickt, die wir bereits aus dem Vorgänger oder den zahlreichen anderen Lego-Games kennen. Seien es die einfach gestalteten Kämpfe, das Einsammeln unendlich vieler Lego-Steine oder das Zusammenbasteln wichtiger Spielelemente. Wer nun aber denkt, dass Entwickler Telltale Games keine neue Ideen eingefallen sind, der irrt. Genau das Gegenteil ist der Fall!
Die erste Neuerung fällt gleich beim Einstieg auf: Die Klötze können sprechen! Erstmals in einem Lego-Titel werden richtige Dialoge geführt, was auch nötig ist, da Lego Batman 2: DC Super Heroes nicht nur auf einer bekannten Filmvorlage basiert, sondern eine komplett eigenständige Superhelden-Geschichte erzählt. Diese berichtet von einem Bündnis zwischen dem Joker und Superman-Erzfeind Lex Luthor, die gemeinsam in Gotham City für Chaos sorgen. Da im Verlauf haufenweise Superhelden und Bösewichte auftauchen und auch das zwischenmenschliche Zusammenspiel der einzelnen Charaktere nicht zu kurz kommt, reichten Mimik und Gestik allein nicht mehr aus, um die Handlung voranzutreiben. Der ironische Ton der Reihe bleibt während der Gespräche voll erhalten, allerdings zündet nicht immer der Sprachwitz. Dies liegt teilweise an den grob überzeichneten Charakteren (was natürlich auch einen großen Teil des Charms ausmacht), oftmals aber auch einfach an der deutschen Synchronisation, die bei weitem nicht an das ebenfalls auswählbare englische Original herankommt.
Eine offene Spielewelt
Beeindruckend: Das gotisch angehauchte Gotham City
Neu ist ebenfalls, dass wir nicht nur einen Level nach dem anderen absolvieren, sondern zwischen den einzelnen Missionen in der Spielewelt von Gotham City unterwegs sind. Frei nach dem Lustprinzip durchstreifen wir die riesige Stadt, helfen Bürgen in Not, nehmen an Checkpunktrennen teil oder suchen nach den teilweise sehr geschickt versteckten roten und goldenen Steinen. Hat man darauf keine Lust, geht es eben weiter zur nächsten Story-Mission.
Allerdings steht uns nicht im Vorfeld das gesamte Stadtgebiet zur Verfügung, sondern können wir erst mit fortschreitendem Erfolg einen Bezirk nach dem anderen besuchen. Aktivieren wir die in jedem Stadtteil vorhandene Bat-Station, wird der Bereich auf der Übersichtskarte freigeschaltet und dürfen wir zukünftig dank der Schnellreise-Funktion jederzeit dorthin zurückkehren. Wer das nicht will, nutzt eben eines der zahlreichen Fahrzeuge und macht sich zu Land, zu Wasser oder in der Luft auf den Weg.
Im freien Spiel dürfen wir dies auch mit den gut anderen 50 DC-Figuren, die wir im Verlauf des Abenteuers freigeschalten haben (u.a. Aquaman, Bane, Catwoman, The Riddler, Two- Supergirl, Poison Ivy, Hawkman). Nur mit deren Fähigkeiten lassen sich alle Geheimnisse von Gotham City lösen bzw. können wir sämtliche Steine finden.
Navigationsprobleme
Green Lantern & Wonder Woman sind auch mit von der Partie
Während wir uns also in Gotham City frei umsehen, sind die Story-Missionen streng linear aufgebaut. Dies macht sich auch bei der Kamera bemerkbar. In den Levels ist der Blickwinkel fest vorgegeben, in der Innenstadt lässt sich die Perspektive hingegen frei drehen. Beide Varianten funktionieren nicht optimal, da die Kamera oftmals ungünstig platziert ist bzw. ich vor allem beim Flug mit Superman über Gotham City teilweise völlig die Orientierung verloren habe.
Entschädigt wurde ich dafür aber mit dem tollen Soundtrack, der stark an die Arbeiten des Komponisten Danny Elfman in den Tim Burton-Filmen Batman (1990) bzw. Batmans Rückkehr (1993) erinnert, und durch die außerordentlich hübsche Optik. Traveller’s Tales hat eindeutig nochmals an seiner 3D-Engine gebastelt, denn Lego Batman 2: DC Super Heroes glänzt mit einer üppigen Detailverliebtheit, massenweise zerstörbaren Objekten und tollen Lichtreflexionen. Und selbst bei größeren Ansammlungen von Bauklotz-Kameraden kommt das Spiel fast nie in’s Stocken. Da macht das Held-Sein gleich nochmals mehr Spaß.