Vier Teile in einem Spiel
Wie schon bei Lego Harry Potter: Die Jahre 1-4 vereint der Nachfolger vier Harry Potter-Kinofilme auf einer Disk. Genau genommen dürft ihr die Geschichten von Der Orden des Phönix, Halbblutprinz und Heiligtümer des Todes 1 sowie 2 nachempfinden. Die Entwickler von TT Games orientierten sich vollständig an den Kinovorlagen, was ihr gleich in den ersten Spielminuten feststellt. Harry sehnt sich danach, wieder nach Hogwarts zurückzukehren - und prompt wird ihm die Chance geboten. Ich muss ehrlich zugeben, bei vielen anderen Lego-Vorgängern mehr geschmunzelt zu haben. Ein wenig scheint den Machern der fantastische Humor in den Zwischensequenzen abhanden gekommen zu sein. Vielleicht, weil sie sich so strikt an den cineastischen Werken anlehnen mussten? Sei’s drum. Alles in allem präsentiert euch der Titel zuckersüß inszenierte Handlungsstränge, die wirklich alle bekannten und wichtigen Szenen enthalten. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack: Kennt ihr den Vorläufer, stört es schon etwas, dass ihr einige Schauplätze wieder besucht - Hogwarts oder King’s Cross Station zum Beispiel. Das ist zwar einerseits logisch, andererseits hätten die Macher diese Orte auch gänzlich anders präsentieren können.
Aber wollen wir nicht unfair sein: Das Meiste ist neu und hält Überraschungen bereit. Gleich zu Beginn fliegt ihr über London und bestaunt alle Sehenswürdigkeiten. Das ist schon irgendwie total knuffig und herzallerliebst. Auch vergaßen die Verantwortlichen Gebiete wie Hogsmeade, Godric's Hollow, Grimmauldplatzoder das Ministerium nicht. Toll.Selbstverständlich behielten die Designer den Stil vollständig bei: So trefft ihr auf quasi alle relevanten Charaktere aus dem von J.K. Rowling erschaffenen Fantasy-Universum - natürlich in Lego-Form. Über 200 Figuren aus den Filmen verwandelten die Grafiker in Klötze. Voldemort ist der Hammer! Ebenfalls sind viele Objekte, Gebäude, Hindernisse und dergleichen aus den Bausteinen des dänischen Herstellers. Könnt ihr euch für diese Machart erwärmen oder hattet schon Spaß mit den zig anderen Lego-Werken - Lego Harry Potter: Die Jahre 5-7 enttäuscht euch nicht. Unverändert beeindruckt TT Games durch eine enorme Liebe zum Detail, und das ist die gewaltige Stärke der vermutlich niemals endenden Serie.
Bewährtes!
Es ist nicht verwunderlich, dass TT Games auf die bewährten Elemente setzt: Ihr macht euch auf, um euch durch die knuffigen Schauplätze zu schlagen. Ihr seid nie alleine unterwegs, stets begleitet euch ein Kollege mit anderen Fähigkeiten. Eure Talente kommen im Trupp sinnvoll zum Einsatz: Der eine kann eine Tür öffnen, der andere bestimmte Rätsel meistern. Möchtet ihr nur stur Gegner mit Zauberstab und anderen Kampfmanövern erlegen, kommt ihr nicht weit. Denn Teamwork steht auf der Tagesordnung - sowohl beim Folgen der Handlung als auch beim Lösen der recht einfach gehaltenen Rätsel. Diese könnten soweit aus dem Vorgänger stammen, denn wie gewohnt erschafft ihr Brücken, ordnet mittels Magie Lego-Steine richtig an und so weiter. Das ist wahrlich nicht aufregend, funktioniert aber tadellos und erzeugt ein positives Spielgefühl. Viel Frust bietet Lego Harry Potter: Die Jahre 5-7 nicht. Ganz im Gegenteil: Das Werk ist voll und ganz auf gute Laune ausgelegt. Schnappt ihr euch einen Freund, steigt der Spaß deutlich an. Ihr sprecht euch ab, geht taktisch zur Sache und teilt euch die Kämpfe - oder meistert sie gemeinsam. Gut, dass jederzeit euer menschlicher Mitstreiter ein- und aussteigen kann. Was aber wieder einmal fehlt, das ist ein Onlinemodus. Lernt das TT Games irgendwann einmal?
Gibt’s auch was Neues? Ein wenig. Unter anderem erhielten ein paar Harry Potter-Helden neue Talente wie Weasleys Feuerkraft. Diese kommen nach und nach zum Einsatz, sind also durchaus spielerisch relevant. Wirklich neu ist die Notwendigkeit, sich hin und wieder zu duellieren. Es ist eure Aufgabe, die richtige Magie zum korrekten Zeitpunkt anzuwenden. Spektakulär ist das allerdings nicht. Auf echte Überraschungen, die ihr in dieser Form noch nie in einem Lego-Spiel gesehen habt, braucht ihr nicht zu hoffen. Vielleicht fällt das bei der wilden Sammelei nach Punkten, Boni und Verstecken auch nicht weiter auf. Das Suchen nach Geschenken ist launig und ein weiteres Herzstück des Spiels. Mögt ihr so etwas grundsätzlich nicht, dann...tja...wieso lest ihr den Text eigentlich?
Schnieke
An Lego Harry Potter: Die Jahre 5-7 muss ich die gelegentliche Redundanz besonders bemängeln. Schauplätze und vor allem Puzzles wiederholen sich, manchmal sogar häufig. Das hätte nicht sein müssen. Andererseits sind alle Schauplätze irgendwie eine echte Augenweide - auch beim zweiten Besuch. Die schönen Landschaften, Gebäude und Grafikeffekte verdeutlichen, dass die Programmierer auf jeden Fall ihr Handwerk verstehen. Ich spüre das Herzblut der Grafiker, sehe das kunterbunte Legostein-Chaos und dazu noch die wunderbaren Harry-Potter-Elemente. Wie beim direkten Vorgänger ist die optische Seite gelungen und stimmig - ja, wie aus einem Guss. Und dazu gesellen sich die fantastischen Melodien aus den Filmen. Das erzeugt Atmosphäre, vielleicht auf einem infantil anmutenden Niveau? Dies ist egal, sobald ihr euch mit dem Look und dem Konzept erwärmt habt.