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Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude

High Voltage Software
Vivendi Games
Erotik
29.10.2004
Zur offiziellen Seite
PC, PS2, Xbox
Gespielt von: alle ansehen
aRAVENc
Bewertung
USK
  04.12.2004   0 Kommentare   4653 Klicks
Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude 0,0 0

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude Spieletest

Larry hat es nicht leicht, er will doch nur Liebe

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
´Fi**en´(Anm. des Chefs: Nix da! Sauerei!): Wenn euch dieses Wort zu obszön ist, dann bitte nicht weiterlesen. Vivendi Universal Games hat eine der kultigsten Spielserien aller Zeiten neu aufleben lassen und wahrlich der heutigen Generation angepasst: ´Leisure Suit Larry´. Al Lowe erfand vor gut 17 Jahren den zu klein geratenen und ewigen Liebesleben-Looser Larry Laffer, der stets darauf aus war, Frauen rumzukriegen. Legendär der wippende Zensur-Balken im ersten Teil, nachdem der Spieler eine schöne Prostituierte rumgekriegt hatte, und noch legendärer der darauffolgende ´Tod´, falls Larry sich mangels Kondom eine eher mysteriöse Geschlechtskrankheit einfing. Doch das sind Kinderspiele im Vergleich zum neuen Larry, genauer gesagt Larry Lovage, dem Neffen des gealterten Helden. Dieser erlebt im achten Teil (der eigentlich der siebte ist...) mitten in der Uni steckend seine eigenen Liebesabenteuer, unter dem Titel ´Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude´ und erstmals auch auf einer Konsole (in diesem Falle ´Playstation 2´).

Mal davon abgesehen, dass praktisch jeder westliche Spieler aus den 80´er Jahren Larry genauso gut wie Pac-Man kennt, sorgte das Revival vor wenigen Wochen für besondere Aufregung. Die USK vergab dem Spiel den Sticker ´Keine Jugendfreigabe´, sprich: Es darf in Deutschland nur an Personen ab 18 Jahren verkauft werden. Dies dürfte das erste Spiel sein, welches diese Altersvorgabe ´erreicht´ hat und dies nicht aufgrund brutaler oder pornographischer Inhalte (nein, soweit geht der neue Larry dann doch nicht). Und um meine Meinung Vorweg zu nehmen: Diese Entscheidung ist nachvollziehbar.

Herzblatt ohne Hemmungen

Die Story ist gleichzeitig die größte Stärke und mit die größte Schwäche des Spieles. Die Reality-Verkupplungsshow ´Swingles´ sucht einen männlichen Studenten innerhalb der ´Wilhelm-Ständer-Universität´, der ganz nach dem ´Herzblatt´-Prinzip sich für eine von drei Frauen entscheiden soll. Larry will sich natürlich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, muss aber, um als Kandidat in Frage zu kommen, diverse ´Objekte der Zuneigung´ zahlreicher Frauen ergattern. Derer gibt es fünfzehn Stück, welche ihr nach und nach aufreißen könnt. Von diesem groben Story-Rahmen einmal abgesehen, wiederfahren Larry mehrere kleine Geschichten, welche meist voneinander unabhängig bleiben. Einige davon sind relativ harmlos, aber andere so bizarr, unlogisch, schwachsinnig und gleichzeitig rasend komisch, dass man die Designer nur noch als ´krank´ bezeichnen möchte. Von der korruptions- und waffengeilen Tilly, über Lack- und Lederschlampe Suzi, zum klassischen Bauern- und Cowgirl Sally, bis hin zur immer-geilen Luba wird kein Klischée ausgelassen, welche größtenteils so krass überzogen dargestellt werden, dass man als Spieler entweder sämtliche Frauen im Spiel kennen lernen möchte oder gleich nach der ersten angewidert das Handtuch wirft... Nicht jeder Gag ist lustig, aber größtenteils der Humor auf seine Art und Weise gelungen.

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Das Spiel selber dürfte noch stärker die Nation spalten: Anstatt wie sein Onkel klassischen Adventure-Rätseln nachzugehen, rackert sich der neue Larry von einem Minispiel zum nächsten. Das sieht z.B. so aus, dass während des alltäglichen Aufreißer-Gespräches ihr am unteren Bildschirm einen ´Samen mit Smiley-Gesicht´ (!) steuert und diverse Symbole einsammelt. Grüne sorgen für Zuneigung, rote für Ablehnung gegenüber dem Gesprächspartner, wobei sich dann auch die Phrasen, welche Larry von sich gibt, ein klein wenig ändern (was nicht heißt, dass die einen intelligenter sind, als die anderen). Im späteren Spielverlauf kommen weitere Symbole hinzu, wie z.B. Eiskristalle (der Samen lässt sich für ein paar Sekunde nicht mehr lenken), Bierglässer (Larry wird betrunkener, woraufhin sich der Samen schlechter steuern lässt) oder Kaffeetassen (Larry wird nüchterner). So simpel und im Prinzip vom eigentlichen Dialogverlauf vollkommen unabhängig dieses Minispiel auch ist, es ist nicht ganz ohne Reiz und passt von seiner Schlichtheit her perfekt zu den ´schwachsinnigen´ Dialogen, welche in des Spielers Ohr prassen.

Selten dämliche Mini-Spiele

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Weitere Mini-Spiele erinnern an Musikspiele wie ´Beatmania´, d.h. ihr sollt entweder auf Kommando oder in einem vorgegebenem Rhythmus eine von vier Richtungs- bzw. einen bestimmten Feuerknopf drücken. Auch hier ist der Sinn zwischen Minispiel und eigentlicher Spielhandlung kaum nachvollziehbar, einzig und allein beim Tanzen oder Trampolinspringen (!) macht der Bezug Sinn... aber auch da ist nur schwer ein Zusammenhang zwischen Musik, bildlich dargestelltem Tanz und der eigentlichen Richtungs-/Knopfkombination, welche ihr drücken sollt, zu erkennen. Dagegen völlig anders ist das ´Pflock-Hauen´-Spiel: Mit einer total überzogen schlecht aufgelösten Grafik (bei der selbst alte Atari VCS 2600-Besitzer lauthals Lachen dürften, siehe nächstes Bild) steuert ihr am Rand zwei Hände hoch bzw. runter, mit denen ihr einen dazwischen hin- und herspringenden Punkt im Zaum haltet, bis der in der Mitte ebenfalls extrem grob dargestellte Penis (!) die Größe des Bildschirmes erreicht hat. Simpel ausgedrückt spielt ihr ein billiges ´Pong´-Spiel gegen euch selbst, im wahrsten Sinne des Wortes...

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Freunde des alten ´Tapper´ werden auch bedient: Über vier Tresen hinweg kommen durstige Besucher stetig auf euch zu, die ihr mit Drinks versorgen müsst, bevor auch nur einer das Tresenende erreicht hat. Gleichzeitig sammelt ihr zurück geschleuderte Gläser ein und weicht Wurfdildos aus. Dieses Spiel gibt es noch in anderen Variationen, z.B. müsst ihr Flugblätter auf Passanten werfen oder Affen mit Futter versorgen, aber das Spielprinzip bleibt gleich (und bevor ihr fragt: Die Dildos werden durch Steine bzw. Kot ersetzt...). Ebenfalls recht häufig müsst ihr ´Quartern´: Durch behutsames auf und ab bewegen des Analog-Sticks, schnippst ihr eine Münze über die Tischplatte ins leere Glas. Sobald ihr trefft, muss euer (natürlich meist weiblicher) Gegner einen kräftigen Schluck Alkohol trinken. Andersherum müsst ihr euch einen hinter die Binde kippen. Wer zuerst volltrunken ist, hat verloren.

Viel drum herum

Damit ihr überhaupt von einem Spielchen zum nächsten gelangt, steuert ihr Larry direkt in schicker Comicgrafik durch sein Wohnheim, den Campus, diverse Stadtviertel, Bars, VIP-Clubs, usw. Sobald er an eine Person oder ein Objekt herankommt, erscheinen um unteren Bildschirm diverse Aktionsmöglichkeiten, welche sich streng genommen auf ´Anschauen´ und/oder ´Benutzen/Reden´ beschränken. Ist letzteres nicht möglich, sollte trotzdem ein Druck auf den entsprechenden Knopf gewagt werden, eventuell findet Larry versteckte Euro-Münzen oder Marken. Mit ersteren kann er nicht nur Alkohol oder Kaffee kaufen, sondern sich auch mit Klamotten eindecken oder das Geld als Wetteinsatz für ein Spielchen benutzen. Manches davon ist optional, aber meist kommt ihr um den Kauf bzw. Einsatz nicht drum herum, da z.B. manche Frauen nur mit euch reden, wenn ihr den ihrigen Wünschen nach eingekleidet seid, oder das Ausführen einer Dame ins nächste Lokal nicht umsonst ist.

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Die Marken hingegen dienen zwei gänzlich anderen Features: Zum einen schaltet ihr freizügigere Ladebildschirme frei oder könnt die weiblichen Polygonmodelle in ihrer Nacktheit begutachten. Zum anderen dürft ihr bei sämtlichen Spielen kneifen: Bezahlt einfach ein paar Marken und schon habt ihr automatisch gewonnen. Auch ansonsten ist ´Magna Cum Laude´ darauf aus, dem Spieler es so einfach wie möglich zu machen: Nach mehreren Fehlversuchen werdet ihr gefragt, ob die betreffende Herausforderung einfacher gemacht werden soll. Wer dagegen stets das gleiche Spiel ohne Mühe bewältigt, der kann alternativ den höheren Schwierigkeitsgrad aktivieren. Solch ein System wünsche ich mir bitte für sämtliche Adventures dieser Art, da ´Leisure Suit Larry´ so nur selten frustriert und gleichzeitig nicht in wenigen Stunden durchgespielt werden kann.

Sterben oder in eine Sackgasse geraten könnt ihr nicht, einzig und allein auf euer ´Selbstbewusstsein´ müsst ihr aufpassen. Dieses wächst bei so gut wie jeder geglückten Aktion und fällt entsprechend bei Fehlschlägen. Muss sich der Spieler von seinem Alkoholpegel befreien und ihr habt kein Geld für einen kräftigen Kaffee, so kann er frei nach Mutter Natur in der Gegend urinieren, was aber ebenfalls das Selbstbewusstsein rapide sinken lässt. Ist dieses zu niedrig, so lassen euch die Damen in eurer Gesellschaft nicht mal zu Wort kommen.

Eine völlig ´eigene´ Zielgruppe...

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Kommen wir zu einem großen Plus des Spieles: Umfang und Suchtfaktor. Selten habe ich mehrere Tage an einem Spiel und gleichzeitig so viele Stunden am Stück gesessen, wie bei ´Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude´. Natürlich wiederholen sich viele der Mini-Spiele, was auch ab einem gewissen Grad anstrengt. Aber die Motivation, die irrwitzigen Storys der noch zu verbleibenden Polygonschönheiten zu erfahren, ist enorm... falls man sich auf den derben Humor des Spieles einlässt. Und das ist dann auch mit der größte Nachteil: ´Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude´ ist primitiv bis ins Mark. Besonders weibliche Computerspieler sollten ein gehöriges Maß an Sarkasmus besitzen und dieses Spiel um Gottes Willen nicht ernst nehmen. Die Art, wie Larry einen Großteil der Frauen in diesem Spiel ´rumkriegt´, ist ganz fern jeglicher Realität, hoffe ich zumindest. Man muss über die Art der Handlung in diesem Spiel lachen können, ansonsten rasselt der Spielspaß streng gegen die 20% Marke.

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Ich selbst hatte nach anfänglich extrem großer Skepsis einen erstaunlich hohen Spaß mit diesem Spiel, was aber nicht zuletzt an mangelnden Tabus meines Humorverständnisses liegt. Trotzdem haben mich ein paar Dinge auch geärgert, allen voran einige der Mini-Spielchen, die einfach zu simpel gestrickt sind und fern des eigentlichen Spielgeschehens liegen. Auch nervt das Sammeln von Geld bzw. Selbstbewusstsein, wenn ihr ohne im eigentlichen Spiel nicht voran kommt: Da hilft nur verzweifeltes Absuchen der Gegend oder ein Mini-Spiel... welches wiederum mehrmals gespielt werden muss, damit man auch genug zusammen hat.

Ein Faktor, der schon in der PC-Version recht anstrengend war, nimmt auf der Playstation 2 leider Überhand: Die Ladezeiten. Dauerte es auf PC-Rechner knapp fünf bis zehn Sekunden, bis der nächste Abschnitt im Speicher stand, so könnt ihr hier diese Zeiten locker verdoppeln. Das kostet natürlich auch Spielspaß, außer ihr gehört zu den geduldigeren Zockern.

Die Präsentation hat mir fast durchweg gefallen, obwohl sämtliche Personen nicht gerade detailliert designt sind. Aber der Comic-Look hat durchaus Charme und die Animationen sind entsprechend gelungen. Auch hier muss man den Designern zu Gute halten, dass selbst ´schlecht´ aussehende Grafiken, speziell beim angesprochenen ´Pflock hauen´, ihren eigenen Stil besitzen, welcher konsequent durch das Spiel gezogen wird. Die Musik passt sich dem an, hier fehlt mir aber etwas Abwechslungsreichtum.

Der ´Pocher´-Faktor

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Ein sehr wichtiges Kriterium des Spieles ist die Sprachausgabe, denn schließlich befindet sich der größte Reiz in den bizarren Dialogen zwischen Larry und den Frauen. Der allseits bekannte und aufstrebende Comedy-Star Oliver Pocher wurde für die Synchronisierung des Helden gewonnen und die Wahl ist in meinen Augen nicht 100% perfekt. Pocher spricht größtenteils gut, aber an manchen Stellen merkt man doch, dass es seine erste, ´große´ Sprechrolle ist. Zudem finde ich die Stimme zu jugendlich bzw. zu ´normal´ für eine Figur wie Larry. Im englischen Original kommt dieser etwas quäkiger rüber, so dass man auch vom reinen zuhören merkt, dass er einen Kopf kleiner und dieser dafür umso dicker ist. Von diesem Manko mal abgesehen ist die deutsche Sprachausgabe aber gelungen und letztendlich konnte ich mich auch an die Stimme von Larry gewöhnen.

Ein Wort zur Steuerung: Diese ist dem Spielkonzept nach sehr einfach geraten und weites gehend auch sehr eingängig. Nur bei so manchem Mini-Spiel hatte ich das Gefühl, dass ein Knopfdruck eine tausendstel Sekunde zu spät registriert wird. Auch drückt die schon erwähnte Ladezeiten-Problematik die Steuerungswertung unter die 80 Punkte Marke, wenn auch ein zusätzlicher Wertungs-Malus gegenüber der PC-Version weites gehend dadurch ausgeglichen wird, weil die Steuerung schlichtweg besser für ein Joypad, als für die Tastatur geeignet ist.

Warum ab 18?

Nachdem ich euch das Spiel, sowie dessen Qualitäten wie Schwächen erläutert habe, bleibt nur eine Frage: Warum ist die USK-Freigabe nachvollziehbar? Nun, ich denke mal nicht, dass diese durch die vorhandenen Sex-Szenen Zustande gekommen sind, da zwar viel nackte Haut gezeigt wird, aber der Akt an sich nicht in allen Einzelheiten. Dafür sind die Dialoge gespickt mit zahlreichen ´F´-Wörtern, einige der Geschehnisse sind weit abseits des ´guten´ Geschmacks und die hier vorliegende Version ist wahrhaft unzensiert. Auch wenn es keine ´Close-Ups´ primärer Geschlechtsorgane zu sehen gibt, so werden auch Larrys Weichteile ungeniert gezeigt. Unseren Informationen nach ist die deutsche ´Playstation 2´-Version des Spieles übrigens identisch mit der in Amerika nur über wenige Online-Händler erhältlichen Version.

Fazit

 

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Ich bin seit je her ein Verfechter des ´100 Punkte´-Wertungssystems, aber Larry ist eine der Ausnahmen, bei der auch ich sagen muss: Eine einfach Zahl kann dieses Spiel nicht hinreichend beurteilen. Das liegt einfach an dem Stil, der entweder begeistert oder zum Kopf schütteln animiert. Weil nun das Designer-Team ´High Voltage Software´ genau diesen Stil perfekt durchzieht, kann ich keine schlechte Wertung vergeben, obwohl das eigentliche Spielprinzip mit seinen ganzen Mini-Spielchen ´zum in die Tonne treten´ ist. Eine ´gute´ Wertung wie im Falle der PC-Version ist leider auch nicht möglich, dazu sind die Wartezeiten zwischen den Abschnitten einfach zu lang. Trotzdem: Ihr sucht ein Adventure, ganz im Stile der Vorgänger, mit vielen Rätseln und klassischem Spieldesign? Finger weg. Sucht ihr hingegen ein äußerst freches, zynisches und vor allem bizarres Liebes-Abenteuer, in dem allein der Schwachsinn der Story den Spielspaß in hohe Regionen trägt, alles drum herum als gewillte Dreingabe genommen wird und ihr von geduldiger Natur seid, dann schaut euch den neuen Larry mal an... ich hab es jedenfalls nicht bereut, dass Testmuster für DemoNews ergattert zu haben.

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