Lustiger Ballerspaß?
Doofe Angelegenheit: Auf dem Weg durchs All werden die Little Deviants von den Botz abgeschossen und müssen auf der Whoman-Welt notlanden. Dort stiften die anarchischen Kullern Chaos und wollen in zig Minispielen gut unterhalten werden. Erwerbt ihr genügend Punkte, erhaltet ihr Teile für das havarierte Raumschiff – am Ende dürfen die Little Deviants dann wieder durchs All düsen, um woanders für Unfrieden zu sorgen. Die Story ist keineswegs Award-reif, zimmert aber einen Rahmen, um die durchwachsene Minispielsammlung irgendwie zusammenzuhalten.
Durchwachsen? Ja, richtig gelesen. Von der spaßigen Rückseitentouchfeld-Kugelei der letztjährigen E3 ist herzlich wenig übrig geblieben. Zwar findet ihr diese Spielart gleich zu Beginn des Storymodus, doch im Verlauf der folgenden Spielstunden werdet ihr mit allerlei anderem Nippes zugeschüttet. Das Rollen der Deviants durch Hindernisparcours ist und bleibt dabei die raffinierteste und spaßigste Disziplin. Gesteuert wird das Geschehen nur indirekt, und zwar so: Euer Deviant ruht auf einer planen Fläche und bewegt sich erstmal nicht. Bis ihr Hand am Rückseitentouchfeld anlegt und somit die Umgebung wölbt. Durch die Schräglage kugelt der knuffige Außerirdische dann durch die Botanik. Jede Stage umfasst einen Schlüssel, der zum Öffnen des Warpportals/Levelausgangs benötigt wird, einige Sterne, die Bonuspunkte auf euer Konto gutschreiben, wie auch Feinde, welche sich euch in den Weg stellen, und Fallen wie Elektroschranken. Anfangs gewöhnungsbedürftig, wird die Steuerung zu einem vorzeigbaren Grund, die Innovationen der Vita zu begrüßen. Präzise, schnell und komfortabel sind die passenden Wörter, um die Steuerung knapp zu beschreiben.
Masse statt Klasse
Hübsch ist die Grafik ja.
Auch die anderen knapp 30 Minigames machen Gebrauch vom Schnickschnack im Gehäuse der Vita. Beispielsweise fliegt euer Deviant als Fallschirmspringer durch Ringe, die ihr durch Neigen der Konsole ansteuert. Oder ihr schnipst per Fingerzeig Roboter aus einem Haus, dessen Türen sich schnell öffnen und schließen. Das dann wahlweise per Touchscreen vorn oder hinten am Gerät. Niedlich ist auch das Wrestlingmatch der kleinen Außerirdischen gegen Untote. Per Zusammendrücken der beiden berührungsempfindlichen Flächen zieht ihr euer Deviant in die Ringseile, spannt diese und lasst los. Prompt kugelt der Extraterristische durch die Arena und plättet Zombies. Albern hingegen ist die AR-Ballerei – hier wird die Rückseitenkamera der Vita benutzt, um die feindlich gesinnten Botz auf die Umgebung zu projizieren, die ihr dann abknallen dürft. Wer hottet und hechtet schon gerne durch die Welt, nur um Aliens abzuballern? Daran scheiterten schon andere Titel auf dem DSI/3DS (FaceRaiders beispielsweise) oder den iOS-Devices.
Nicht nur sind einige der Spiele unnötig aufgezwungen hinsichtlich der Steuerung, sie sind vor allem eines: zu lang. Die berühmt-berüchtigten Raving Rabbids aus dem Hause Ubisoft werden da ganz gerne als Messlatte für Minispiel-Spaß genommen. Zwar sind die anarchischen Nager in die Jahre gekommen und schon seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr sonderlich kreativ, doch der Humor und die kompakte Spielzeit pro Game sind so abgepasst, dass keine Langeweile aufkommt. Anders die Little Deviants: Ein Minispiel kann da durchaus zehn Minuten in Anspruch nehmen, bevor es vorbei ist. Wer das abkürzen mag, sammelt die komfortable Mindestpunktzahl zum Erreichen der nächsten Spielstufe und scheitert dann absichtlich. Der Funfaktor fällt in solchen Momenten quasi ins Bodenlose, zumal auch eine zweite Katergorie fehlt: „echter“ Mehrspielerspaß. Die PlayStation Vita ist eine portable Konsole – einen Splitscreen-Modus zu spendieren ist Blödsinn. Aber dass man nur auf Online-Scoreboards zugreifen kann und weder einen Adhoc- noch Online-Modus spendiert hat, in welchem sich Spieler direkt miteinander messen können, ist kaum nachzuvollziehen.
Little Deviants hat aber durchaus seine guten Seiten. Die Präsentation beispielsweise. Nicht nur das Intro im Scherenschnitt-Stil fetzt. Die Levelumgebungen, -texturen und Animationen der Protagonisten sind liebevoll gestaltet und zeigen, dass die Vita tatsächlich hier und da in Richtung der PlayStation 3 gehen kann, was die optische Gestaltung anbelangt. Der Sound hingegen ist ein K.O.-Kriterium und lädt dazu ein, den Lautstärkepegel auf Null zu reduzieren. Auf die Steuerungen sind wir ja schon eingegangen, betont sei trotzdem, dass die Kontrollen vollends überzeugen und demonstrieren, dass die in der Vita verbaute Hardware mehr als solide ist.