Back To Basics
Könnt ihr gemeinsam dem Pilzkönigreich zeigen, wer der nächste Tennis-Star ist?
Vor sieben Jahre wagte Mario das letzte Mal einen Ausflug auf den Tenniscourt. Damals vollgestopft mit Power-Items, zig Charakteren und vor allem einen unausschöpflichen Vorrat an Tennisbällen, konnte er gegen seine eigentlichen Feinde (Bowser&Co) und Freunde bestehen. Seit Mario Power Tennis gab es Gameplay-Revolutionen, viele Dinge haben sich geändert und Mario ist älter geworden. Doch mit Krückstock und Bart geht auf dem Nintendo 3DS niemand auf den Platz - wäre ja eine Schande, wenn man dank des 3D-Effektes jedes Fältchen sieht - und umso mehr kann unser Klempner nun beweisen, was er von Boris Becker gelernt hat.
Die Mario Tennis-Spiele konnten bisher selbst die faulsten Sportmuffel unter uns begeistern und dazu motivieren, wenigsten virtuell einen Jogginganzug anzuziehen. Das lag nicht zwingend an dem typischen Nintendo/Mario-Charme, sondern daran, dass es Items und Charakter-spezifische Angriffe gab, die Tennis vom trögen und langweiligen Sport zu etwas Lustigem und Fesselnden machten. Man sollte nun annehmen, dass Nintendo bzw. Camelot an diesem Prinzip angeknüpft und ein ähnliches Partyspiel entwickelt haben - nur eben in 3D, mit besserer Grafik und vielen neuen Elementen. Doch da wurde ich sehr enttäuscht, denn Mario greift anscheinend nur noch sehr ungern zu seinem Schläger und möchte partout keine besonderen Angriffe mehr ausführen. Vielleicht hätte er zur Stärkung einen Pilz zu sich nehmen sollen? Aber gut, gehen wir zum Anfang zurück, damit ihr nachvollziehen könnt, wieso ein Klempner eben nicht Profi-Tennis-Spieler werden sollte... zumindest nicht in den heutigen Zeiten.
Etwas anders
Und ab durch die Mitte!
Nach der Auswahl eures Miis habt ihr die Qual der Wahl: Spielt ihr nur für euch und das Pilzkönigreich oder wollt ihr gegen Freunde antreten? Werfen wir einmal einen Blick auf den ersteren Fall - den Singleplayer-Modus. Hier könnt ihr entweder alle acht Cups durchspielen oder euch in einem Einzel/Doppel-Match verschiedenen Herausforderungen stellen. Nach der Entscheidung für einen von insgesamt 12 Spielfiguren (unterteilt in Geschwindigkeit, Technik, Kraft) zuzüglich eures Miis (durchschnittliche Fähigkeiten) kann die Partie dank der einfachen und schnell verinnerlichten Steuerung direkt beginnen. Sofort fallen einem die überdimensionierten Buttons auf dem Touchschreen auf. Diese geben euch die Möglichkeit, entweder die Farbcodierung der Angriffe selbst zu lernen oder einfach auf die Farbfläche zu drücken. Falls ihr beides nicht hinbekommt, solltet ihr euch den X-Button merken, dann durch diesen wird automatisch die passende Technik für euch ausgeführt. Achja, ihr wisst ja noch gar nicht, was es mit den farbigen Kreisen auf dem Spielplatz auf sich hat! Gelangt ihr auf diese und führt dort den entsprechenden Angriff aus, vollführt ihr einen sogenannten Glücksschlag, welcher in Anbetracht der „dummen“ KI meistens mit einem Punkt für euch belohnt wird. So schafft es Bowser zum Beispiel nur in außergewöhnlichen Situationen, einem langsamen Ball zu erreichen - er ist einfach zu dick - und meinem glitzernden, goldgelben Angriff kann sowie niemand widerstehen. Da macht es dann schon mehr Spaß, wenn man in den Matches die Schwierigkeit, den Platz und den Ablauf (Einzel, Doppel) eigenständig festlegen kann. Aber Achtung, im Doppel spielen sich die KIs gern mal stundenlang die Bälle zu - wer also eine Stärkung zwischendrin braucht, kann hier gern eine Pause einlegen.
Seid der Regisseur eures eigenen Matches!
Was ist denn nun gut, und was nicht?
Neben der beschriebenen Steuerungsmethode mit Touchscreen und Buttons gibt es auch noch eine weitere, die das Spielerlebnis von Mario Tennis Open deutlich erleichtert. So habt ihr die Möglichkeit, mit dem Gyrosensor das Spiel zu steuern, wobei ihr eure Figur dann von hinten seht. Na gut, ihr steuert nicht wirklich das Spiel, denn Mario läuft automatisch, während ihr nur die Blickrichtung festlegt. Drückt ihr zusätzlich brav auf den X-Button, müsst ihr fast gar nichts mehr erledigen. Ganz nett für Anfänger, erfahrenen Spielern nimmt es die gesamte Kontrolle über das Geschehen und bringt statt Abwechslung pure Langeweile. Generell muss man jedoch sagen, dass die grundsätzliche Steuerung gut sowie direkt funktioniert und wenigstens dadurch keine Probleme aufkommen.
Gleiches Prinzip kommt ebenfalls im Multiplayer-Part von Mario Tennis Open zum Einsatz, nur könnt ihr hier gemeinsam mit einem Freund lokal spielen oder aber mit Menschen aus eurem näheren Umfeld. Schön ist bei ersterer Option, dass man nur ein Modul benötigt und so jederzeit einen Spielpartner findet. Online hat man die Auswahl zwischen Single- und Double-Spielen sowie Ringschießen und Super Mario Tennis. Eine nette Auswahl, die viele Gebiete des Spiels abgreift, obwohl ich gern mal einen Cup gegen richtige Menschen gespielt hätte. Nach jedem Online-Match bekommt ihr eine Wertung und steigt bzw. sinkt in der allgemeinen Highscore-Liste - ein nettes Features, um sich mit anderen zu vergleichen. Aber das kennt man ja schon aus Mario Kart 7. Schade, dass direkte Rück-Matches nicht möglich sind, was im lokalen Modus natürlich zum Standard gehört. Während viele berichten, dass sie Mario Tennis Open komplett lagfrei erleben konnten, hatte ich persönlich nur wenig Spaß, da es stellenweise einfach unspielbar war - und das mit verschiedenen Internetleitungen. Abgesehen davon ist es bedauerlich, dass die Spieler nicht nach Gyrosensor unterteilt werden, so wundert man sich doch, wieso ein Gegner so gut ist, bis man erkennt, dass jeder mit Gyrosensorsteuerung gut ist.
Neben den Cups und Multiplayer-Elementen kommt Mario Tennis Open auch noch mit verschiedenen Minispielen daher. Wenn ihr schon immer mal Bälle durch Ringe schießen oder Goombas mit Tennisbällen treffen wolltet, dann seid ihr hier genau richtig. Für mich persönlich war letztere Herausforderung das Highlight des Spiels, gerade da man diese online spielen kann. Beendet ihr übrigens die Minispiele oder Multiplayer-Partien, so verdient ihr euch je nach eurem Highscore Münzen, die ihr gegen nützliche Items für euren Mii eintauscht. Denn neu in diesem Tennis-Teil ist, dass ihr euren Mii verschiedene T-Shirts, Hosen, Schuhe, Schweißbänder, Tennisschläger und, und, und verpassen könnt, um seine Statuswerte zu verbessern. Eine wirklich feinde Idee, da man durch die verschiedenen Spiele diese vielfältigen Klamotten erst freischalten muss. Doch leider gibt es einen gravierenden Hacken: Selten merkt man einen Unterschied und dank der mehr als unübersichtlichen Kuchendiagramme weiß ich bis heute nicht, was mir die einzelnen Werte sagen sollen. Mit eurem vollausgestatteten Mii könnt ihr dann die verschiedenen Matches bestreiten bzw. im SteetPass-Modus gegen getroffene Spieler antreten, um zusätzliche Münzen abzustauben.
Schweißgebadet?
Nicht wegrutschen!
Gut, es gibt viele positive Faktoren von Mario Tennis Open, die jedoch leider nicht bis zum Ende gedacht wurden und nur mittelmäßig überzeugen. Anders sieht es da schon bei der Präsentation des Spiels aus: Mario und Konsorten sind gestochen scharf, die Tennisplätze liebevoll und typisch für diese Reihe designt. Niedlich ist vor allem der Mii mit den unterschiedlichen und charakterspezifischen Items, welche man nicht verpassen sollte! Der 3D-Effekt des Spiels ist ganz nett, kann man aber nur erleben, wenn man die Gyrosensor-Steuerung ausschaltet. Ob dieser dann einen Mehrwert bietet, muss jeder für sich selber herausfinden. Ich persönlich fand ihn schnell störend und hab lieber „normal“ gespielt. Weniger störend, sondern viel mehr begeisternd war der Soundtrack, der zu jeder Zeit das Mario-Flair wiederaufleben ließ und Spaß in die sonst so uninteressanten Cups gebracht hat.