Iron Man, Captain America, Wolverine und Hawkeye sind nur vier der insgesamt 20 spielbaren Helden im Spiel.
Okay. Fassen wir noch einmal zusammen: Lizenz-Versoftung. Ubisoft. Kinect-Exklusivität. Herrjemine - das kann doch gar nicht gut gehen! Wieso habe ich mir nach dem schrecklichen Debakel namens Steel Battalion: Heavy Armor nur ein weiteres Kinect-Spiel zuschicken lassen? Hätte ich das Ding doch bloß Matthias oder Katja überlassen ... was soll's. Lässt sich auch nicht mehr ändern. Legen wir die Avengers eben ins Laufwerk ein. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht. Und tatsächlich: So übel schlagen sich Hulk, Captain America, Black Widow & Co. gar nicht. Apropos Schlagen: Sogar die Steuerung funktioniert! Damit ist Marvel Avengers: Battle for Earth eines der besten Spiele, die ich bisher mit Kinect gezockt habe. Und nicht nur das. Es ersetzt auch das alltägliche Fitness-Training.
Energie getankt & Platz geschaffen? Dann kann der Kampf beginnen!
Captain America und Hulk - wer wird den Kinect-Kampf wohl für sich entscheiden?
Das Spielprinzip ist in Nullkommanix erklärt. Im Wesentlichen muss man nicht mehr und nicht weniger tun als das Gegenüber deftig zu verprügeln. Die Keilerei findet dabei Kinect-typisch nicht via Tastendrücken statt, sondern mittels Gestenerkennung der Kamera. Stellt euch also schon einmal darauf ein, wie wild im Zimmer herumzuhüpfen, den Körper zu drehen und zu neigen und die Arme durch die Luft zu schwingen! Energie solltet ihr auf jeden Fall mitbringen, denn nach ein oder zwei Prügeleien ist der Hobby-Avenger schnell ausgepowert. Doch im Gegensatz zu so mancher Kinect-Konkurrenz kommt es in Battle for Earth, hierzulande Avengers: Kampf um die Erde, sogar auf ein wenig Taktik und Feingefühl an. Die Bewegungen des Spielers werden größtenteils nämlich erstaunlich präzise erkannt - ich hätte nicht gedacht, dass außer Just Dance und Dance Central noch ein anderes Spiel so gut mit Kinect funktioniert. Egal, ob man nun mit Iron Man, Spider-Man oder Hawkeye spielt: Mit ein wenig Übung und Eingewöhnungszeit hat man die verschiedenen Angriffe und Deckungsmöglichkeiten sowie die Vielzahl der Combos verinnerlicht. 20 unterschiedliche Helden und Schurken sind übrigens spielbar - neben den Kino-Helden Hulk, Black Widow & Co. warten auch noch die Fackel, Magneto oder Doctor Doom darauf, kämpfen zu dürfen.
Im Ring stehen sich zwar immer nur zwei Kämpfer gegenüber, allerdings handelt es sich bei Battle for Earth um ein Tag Team Beat'em Up - sprich, man kann zwischen seinen beiden Charakteren hin- und herschalten. Das ermöglicht natürlich auch einen lokalen Coop-Modus. So lässt sich die gesamte Kampagne (die leider nur aus einer wahllos zusammengewürfelten Variation aus unterschiedlichen Duellen besteht) zu zweit bestreiten. Macht durchaus Spaß, wenn man einen Partner findet, der dazu gewillt ist, sich freiwillig zum Affen zu machen und im Raum herumzutanzen und zu -schlagen. Alternativ darf man auch online loslegen und mit bis zu drei anderen Spielern ins Gefecht ziehen. Die Anzahl der Spielmodi lässt allerdings etwas zu wünschen übrig. Neben der Kampagne warten nur noch der obligatorische Versus-Modus, Schnellkämpfe, ein Turniermodus und ein paar anspruchsvollere Herausforderungen - kreativ gedacht haben die Entwickler dabei nicht. Für ein klassisches Prügelspiel ist das immer noch in Ordnung, aber hier und da hätte ich mir ein wenig Eigenständigkeit in den Spielmodi und -mechaniken erhofft. Es muss ja schließlich nicht jedes Beat'em Up gleich sein, oder?
Kinect klappt! Hätte sich Tony Stark nun noch um die Grafik gekümmert!
Auch die Technik abseits der gelungenen Kinect-Bewegungserkennung ist mehr denn solide. Grafisch war sicherlich unter dem Strich noch mehr drin, aber dafür läuft das Geschehen stets flüssig über den Bildschirm. Sogar eine Sprachsteuerung hat man in das Spiel integriert, mit der man in den Menüs und auch im kampf interagieren kann. Die Menüs lassen sich indes auch mittels des Standard-Controllers bedienen. Eine alternative Controller-Steuerung für das Schlachtfeld gibt es jedoch nicht - damit lässt sich einfach vertuschen, dass die eigentliche Spielmechanik sehr simpel und die Aktionsmöglichkeiten streng limitiert sind. Als ein Beat'em Up im traditionellen Sinn, das sich mit Ultimate Marvel vs. Capcom 3 und Konsorten messen muss, ziehen die Ubisoft-Avengers klar den Kürzeren. Für Kinect-Freunde gibt es allerdings kaum eine bessere Alternative - zumal die meisten anderen Kinect-Prügelspiele nur bedingt funktionieren. Wenn überhaupt. Ein kleiner Wermutstropfen sind übrigens auch die Musik und Sprachausgabe. Die Melodien düdeln mir nichts, dir nichts vor sich hin, ohne sich im Gedächtnis festzuankern - und für die deutsche Version konnte man nicht die originalen Synchronsprecher verpflichten. Für ein Lizenzspiel etwas traurig, aber auch kein Weltuntergang.