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Memento Mori 2: Wächter der Unsterblichkeit

Centauri Production
DTP
Adventure
15.06.2012
k.A.
PC
Gespielt von: alle ansehen
123justin321
Bewertung
USK
  18.07.2012   6 Kommentare   1154 Klicks
Memento Mori 2: Wächter der Unsterblichkeit 8,7 3

Memento Mori 2: Wächter der Unsterblichkeit Spieletest

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Das wird Ärger geben: Memento Mori 2 ist ein aufwändig gestaltetes Adventure, das rein produktionstechnisch betrachtet sehr viel richtig macht. Die Entwickler haben sich auch bei der Geschichte und der Rätsellogik sichtlich ins Zeug gelegt. Und trotzdem hatte ich ein großes Problem mit dem Spiel, was mir sicherlich jeder zweite Leser um die Ohren hauen wird.

Irgendwo zwischen Criminal Minds und X-Files

Ein Anruf genügt und schon steckt Lara wieder mitten in irgendwelchen Ermittlungen.

Memento Mori 2Memento Mori 2… hm… habe ich davon überhaupt den ersten Teil gespielt? Ich schau mal nach, wartet kurz… ah, ja… äh, nein… habe ich nicht. Entschuldigt mein Gedächtnis, doch so langsam verliere ich die Übersicht bei Point’n’Click-Adventures dieser Art. Damit meine ich die Mischung aus weiblichem und männlichem Spielcharakter, ganz vielen blutigen Morden, groß angelegten Ermittlungen sowie dem Hang zum Übernatürlichen.

Der Reihe nach: Max ist Experte für Kunstgeschichte und Lara arbeitet als Ermittlerin in der extra für sie frisch gegründeten Abteilung für Kunstdiebstahl und –fälschung. Die beiden verbringen gerade ihre Hochzeitsreise irgendwo in Kapstadt, Südafrika, da bekommt Lara einen Anruf von ihrer ehemaligen Vorgesetzten Renier. Die Gute bittet darum, vor Ort den Vorfall eines Kunstraubes zu untersuchen – trotz des wohl verdienten Urlaubsvergnügens des frisch vermählten Pärchens. Kein Problem, denkt sich die rothaarige Protagonistin, und gestattet sogleich ihrem Ehemann, die Ermittlungen zu leiten. Na, ob das so eine gute Idee ist? Der Kerl hat schließlich seit eh und je bedrohliche Visionen sowie recht blutige Tagträume, die er mit seiner Malerei plus diversen Medikamenten zu behandeln versucht.

Egal: Fluchs fahrt ihr mit Max zum Tatort, genauer gesagt einer Galerie, sammelt dort Spuren, regt euch über die schlampige Polizeiarbeit auf und findet am Ende gar einen Verdächtigen. Cut, Szenenwechsel, etwas später: Lara fährt eine Straße entlang und sichtet eine Unfallstelle. Sie wird Zeuge, wie ein geschrottetes Fahrzeug aus dem Meer gefischt wird – und zwar nicht irgendeins, sondern genau das von Max. Der wiederum ist spurlos verschwunden…die Polizei geht davon aus, dass er ertrunken sei.

Lara will das natürlich nicht wahr haben: Sie kehrt zurück nach Frankreich und wird mit einem neuen Fall betraut, bei dem irgendein Größenwahnsinniger mehrere Menschen umgebracht und mit deren Blut einen auf Leonardo da Vinci gemacht haben soll – zumindest kleben nun im Kellergewölbe einer Kirche ein paar fette Engel in dunkelroten Farben an der Wand. Gleichzeitig findet Lara bei ihren Ermittlungen mehrere Hinweise, die auf eine Verbindung zwischen Max und dem vermeintlichen Täter schließen lassen…

Die nüchternen Fakten stimmen…

Max Unfall versaut nicht nur die Flitterwochen...

Das mag hart klingen, aber meine Zusammenfassung liest sich spannender als es das eigentliche Spiel ist. Memento Mori 2 erzählt eine Geschichte in sieben Akten, die teilweise richtig lang ausgefallen sind. Speziell das erste, worin ihr vornehmlich Max bis zu seinem fatalen Unfall steuert, zieht und zieht und zieht sich ewig in die Länge. Sobald ihr die Rolle von Lara übernehmt, baut sich immerhin ein gewisser Spannungsbogen auf. Denn tatsächlich wollte ich wissen, wie das Drama hier ausgeht – und musste mich trotzdem mehrfach zusammenreisen, überhaupt weiter zu spielen.

Nein, es lag nicht an irgendeiner verkorksten Steuerung oder an irgendwelchen überzogen langen Dialogen. Allenfalls die Ladezeiten können etwas auf die Nerven gehen, wenn man mal fest hängt und planlos zwischen den verfügbaren Orten reist. Auch darüber hinaus macht Memento Mori 2 eigentlich sehr viel richtig, speziell was das Äußere anbelangt. Die meisten Räume werden zwar klassisch von der Seite beziehungsweise leicht schräg dargestellt, bestehen jedoch aus hochwertig texturierten Polygonen. Das registriert ihr sogleich, wenn die Kamera mit dem Lauf von Max/Lara schwenkt. Spätestens bei den Zwischensequenzen merkt ihr, wie detailliert die Charaktere aussehen – zumindest für Adventure-Verhältnisse. Dazu kommt die hochprofessionelle sowie deutsche Sprachausgabe, wobei wir in der Hinsicht aber auch etwas verwöhnt sind.

Was ist es dann, was mich stört? Sind die Rätsel vielleicht unlogisch? Nur die wenigsten, würde ich sagen. Die Dinge, welche die Grenzen der Realität arg weit dehnen, sind zumindest nachvollziehbar. Sprich: Man kommt als Spieler darauf und vertraut selten auf ein schnödes Try-&-Error-Geklicke. Und das, obwohl die Benutzerführung recht komplexe Aktionen zulässt: So dürft ihr im Inventar sämtliche Gegenstände um die eigene Achse drehen und könnt an manchen Orten aus der Ego-Sicht um ein Objekt herum laufen.

…aber der Spaß am Rätseln stellt sich nicht ein

Hübsche Galerie, unattraktive Rätsel

Mein Problem mit Memento Mori 2 liegt woanders begraben: Es ist dröge. Ich habe irgendwann angefangen, mir Notizen zu machen. Genauer gesagt habe ich auffällige Rätsel in zwei Kategorien katalogisiert, nämlich in besonders spaßige und in besonders langweilige. Letztere haben unterm Strich mit einer bedrückenden Dominanz gewonnen.

Es gibt zwei Rätsel, die mir ganz gut gefallen haben – Stichwort “Fingerabdruck zusammensetzen“ und “Schatten korrekt ausrichten“. Als Gegengewicht haben mich dreimal so viele Puzzles aus verschiedenen Gründen aufgeregt. Sei es das langweilige, weil völlig abgedroschene Schieberätsel, die arg einfältige Rezeptionistin in der Galerie, die ihr aus völlig blöden Gründen sowie mit völlig banalen Mitteln bestechen müsst, oder ein bemerkenswert in die Lange gezogenes Rätsel rund um mehrere Tische, Zahlen und Regale. Bezüglich letzterem müsst ihr um zig Ecken denken sowie viel Aufwand betreiben, damit ihr unter gut einem Dutzend Regalen ein bestimmtes lokalisiert. Erst dann dürft ihr dieses verschieben und entdeckt eine zugesperrte Tür. Sorry, aber in der Realität hätte ich einfach mal an jedem Regal gerüttelt und so viel schneller das eigentliche Geheimnis ausfindig gemacht…

Zwei andere Rätsel hingegen sind arg fies geraten und bringen die ansonsten eigentlich sehr gute Schwierigkeitsgradbalance gehörig durcheinander (ich sage nur Folien und Beatrice). Gegen Ende werdet ihr noch einem kleinen Test unterzogen und müsst Fragen darüber beantworten, wie man Fresken korrekt restauriert. Die Antworten hierfür stehen allesamt in einem einzelnen Buch. Eure Aufgabe besteht einzig darin, dieses entweder auswendig zu lernen oder abzuschreiben. Das erinnert mich mehr an eine lästige Schulaufgabe als an ein spannendes Adventure.

Die Sache mit dem Papierstau

Vielleicht übertreib ich, schließlich ist es kein schweres Rätsel... aber es hat mich trotzdem aufgeregt!

Überhaupt fällt mir auf Anhieb kein anderes Spiel ein, bei dem ich so oft gedacht habe: “Och, nö, darauf hab ich keine Lust.“. Zur Erklärung für dieses Gefühl habe ich mir mein persönliches Lowlight zum Schluss aufgehoben: Wir alle mögen Drucker, weil man damit tolle Sachen ausdrucken kann, stimmt’s? Und was mögen wir nicht am Drucken? Richtig, wenn etwas nicht sofort so klappt, wie wir uns das wünschen. Weil doch ständig irgendetwas nicht richtig funktioniert oder Dinge kaputt gehen oder die Farbe vom Toner austrocknet oder es hakt oder es hängt oder… sich im Inneren des Gerätes das Papier staut! Und genau das passiert Lara (beziehungsweise euch) in Memento Mori 2: Ihr müsst einen Drucker aufgrund eines Papierstaus reparieren! Dafür kniet ihr euch regelrecht hin, entriegelt die Vorderseite, öffnen sie, entriegelt die Tonersicherung, entfernt den Toner, zieht das Papier heraus und steckt alles wieder zusammen, so wie es vorher war. Allein dieses Rätsel verdient den Preis “Doofste Realitätskopie in einem Computer- oder Videospiel 2012“.

Ansonsten fällt auf, dass es praktisch keine Dialogrätsel gibt, mit Ausnahme des bereits beschriebenen Tests (der nämlich mündlich ausfällt) und einer halbwegs clever in Szene gesetzten Besprechung mit Lara, Renier sowie weiteren Beamten. Darüber hinaus wird euch ab und an eine Entscheidung abverlangt, die zumindest ein ganz klein wenig die folgenden Gesprächsverläufe beeinflusst. Ebenfalls gut: Ihr könnt euch auf zwei sehr unterschiedliche Enden freuen, gleichwohl deren Wahl gerade mal von einer einzigen Frage abhängt und diese knapp eine Spielstunde vor Finale in Erscheinung tritt.

Fazit - Memento Mori 2: Wächter der Unsterblichkeit Spieletest

Andy1977

Liebe Designer von Centauri Production, so leid es mir tut: Das Genre hat sich weiter entwickelt - ihr nicht. Memento Mori 2 hat rein faktisch alles, was ein gutes Adventure braucht. Die Grafik ist toll, besonders in technischer Hinsicht. Die Sprachausgabe ist professionell. Der Umfang der sieben Akte ist stattlich. Die Geschichte ist ordentlich geschrieben. Die Rätsel sind überwiegend logisch. Und doch stehen da nur sechs Punkte, schlicht und ergreifend weil mich Memento Mori 2 gelangweilt hat.

Es zieht sich speziell im ersten Akt enorm in die Länge und wird auch später nur aufgrund der allumfassenden Frage, was jetzt mit Max eigentlich geschehen ist, ein klein wenig spannender. Trotz mehrerer Enden, deren Unterschiede mir sogar richtig gut gefallen, und trivialen Entscheidungsoptionen, die zumindest den Verlauf der Dialoge beeinflussen, will ich nicht solche Rätsel wie diese hier lösen. Ich möchte keine Buchseiten auswendig lernen oder abschreiben müssen. Ich mag nicht den Papierstau im Drucker beheben. Ich hab keine Lust auf übertrieben kompliziert gestalte Problemstellungen, die jeder normal denkende Mensch in unserer, hiesigen, realen Wirklichkeit viel simpler angehen würde (siehe die Sache mit den Tischen und den Regalen).

Die Konkurrenz von Daedlic über Telltale bis Wadjet Eye Games (dessen jüngstes wie brillant geschriebenes Resonance zwar ebenfalls mit sehr konstruierten, aber gleichermaßen cleveren sowie motivierenden Kopfnüssen aufwartet) ist einfach besser, spaßiger, lustiger. Memento Mori 2 bietet vielleicht ein grundsolides Spielerlebnis, aber in meinen Augen kein besonders unterhaltsames.

Bewertung

Vorteile Nachteile
Vorwiegend logisches, wie vertracktes Rätseldesign…
…das überdies leider sehr langweilig und dröge ist
Im Ansatz interessante Geschichte mit zwei sehr unterschiedlichen Enden…
…die jedoch durch zähe Passagen unnötig in die Länge gezogen wird
Technisch sehr starke Grafik
Ladezeiten zu lang
Sehr gute Sprachausgabe
Bewertung

Kommentare

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19meiky84
von 19meiky84 | 21.07.2012, 08:48 Uhr
Hiier geht es wieder mal ab^^ Also ich habe das Spiel beim Kumpel gesehen und finde es richtig gut! Kann die Wertung dieses Mal nicht verstehen. Ich gebe ne 8 von 10!
Andy1977
von Andy1977 | 18.07.2012, 14:26 Uhr
Ach ja, und zu deinem Kommentar: "Keine Lust zu Testen" - klar lag das am Testen des Spiels. Weil das Spiel beziehungsweise die Rätsel langweilig sind. Und "subjektiv" ist jede Kritik, die du liest. Jedenfalls hatte ich mich auf Memento Mori 2 gefreut. An Vorurteilen lag's jedenfalls nicht, das ich "keine Lust am Spielen" hatte.

1 Antwort:

tomtom73
von tomtom73 | 19.07.2012, 11:07 Uhr
natürlich ist jede Kritik subjektiv, das liegt daran, dass Menschen sie schreiben, und Menschen können nun Mal nicht objektiv sein. Was ich meinte, ist aber, dass man, als Kritiker, versuchen sollte die eigenen Erwartungen bzw. Vorlieben zu reflektieren und. bestimmte Punkte, wenn man merkt, dass an der Stelle sehr persönlich wurde, weniger stark zu werten, statt sie noch stärker hervorzuheben.
Beispiele:
1. "Jedenfalls hatte ich mich auf Memento Mori 2 gefreut" heißt für mich, dass Deine Erwartungen enttäuscht wurden. Mit anderen Worten, bist Du nicht offen auf das Spiel zugegangen.
2. "Was ist es dann, was mich stört? Sind die Rätsel vielleicht unlogisch? Nur die wenigsten, würde ich sagen. Die Dinge, welche die Grenzen der Realität arg weit dehnen, sind zumindest nachvollziehbar. Sprich: Man kommt als Spieler darauf und vertraut selten auf ein schnödes Try-&-Error-Geklicke." heißt für mich, dass die Rätsel lösbar sind. Sind sie deswegen langweilig? Wäre es nicht möglich ohne "Try-&-Error" auf die Lösung zu kommen hättest Du gesagt, sie sind unlogisch und abermals abgewertet. Du schreibst sogar, man habe sich ins Zeug gelegt, was die Rästel betrifft... Und es gibt ein paar Ausnahmen, Satz in der Suppe, oder Rosinen im Kuchen?
Andy1977
von Andy1977 | 18.07.2012, 14:17 Uhr
Es braucht weder Steam, noch Origin, noch eine Online-Verbindung beim Installieren. Die DVD muss während des Spiels im Laufwerk liegen, sonst nichts. Also so wie bei allen anderen Adventures.

1 Antwort:

tomtom73
von tomtom73 | 19.07.2012, 10:59 Uhr
Na also, geht doch!
tomtom73
von tomtom73 | 18.07.2012, 11:03 Uhr
“Och, nö, darauf hab ich keine Lust.“
Habe nach der Lektüre den Eindruck gewonnen, der o. g. Satz bezog sich auf das Testen des Spiels generell.
Ich habe mir die Plus und Minus-Punkte (einige sehr subjektiv bzw. launenbhängig, wie's schein) aufgeschrieben, und werde mir das Spiel holen... vielleicht, denn eine wesentliche Frage bleibt nach wie vor offen:
der Autor verliert kein einziges Wort über die DRM-Maßnahmen (heutzutage ein enorm wichtiges Thema). Also Mal nachhaken: braucht man steam, origin, wird womöglich der Onlinezwang eingeführt, oder "nur" Registrierung, oder...?
So etwas (Stichwort Benutzerfreundlichkeit bzw. Handhabung) gehört zu Test dazu!
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