Drei Spiele auf einer Disk. Das ist doch ne prima Sache, oder?
Bei jeder Remake-Ankündigung von alten Klassikern stellt sich die gleiche Frage: Braucht man das wirklich? Sollte man es nicht lieber beim Original belassen? Im Falle der Metal Gear Solid, welches neben Mario und Zelda zu den Pflichttiteln unserer Videospielwelt gehört, kann die Antwort nur JA lauten! Wer nicht zumindest einen Teil gesehen oder gespielt hat, sollte diese Bildungslücke dringend schließen. Das spricht also ganz klar für eine Neuauflage, natürlich mit auf Hochglanz polierter Optik. Doch leider leistet sich die Metal Gear Solid HD Collection einen nahezu unverzeihlichen Fehltritt: Ausgerechnet der wegweisende 1. Teil der Serie fehlt! Auch vom gelungenen Remake The Twin Snakes (2004 für GameCube erschienen) keine Spur. Und selbst wenn mit Sons of Liberty , Snake Eater und Peace Walker unzählige Stunden Story- und Spielspaß auf euch warten, Snakes packender Einsatz auf Shadow Moses, auf dem zudem ein Großteil des Metal Gear-Kults beruht, fehlt einfach.
Es war einmal… die Steuerung
Keine Frage: Trotz des Alters sind die Geschichten unverändert filmreif.
Viele Serienveteranen werden das nicht gerne hören: Spielerisch hat sich die Reihe auf den Next-Gen-Konsolen nicht sonderlich verbessert. Zieht man einmal den Inszenierungsbonus ab, bleibt gerade bei Sons of Liberty ein in weiten Teilen holpriger Schleicheinsatz, bei dem viele Situationen durch die veraltete Tastenbelegung (Nahkampf! Zielen!) unnötig erschwert werden. Das Deckungssystem wirkt in Zeiten von Gears of War 3 leicht altbacken, vor allem, wenn man die Kamera frei justieren will, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, aber vom Spiel nicht gelassen wird.
Hinzu kommen nach heutigen Maßstäben eher dümmliche Feinde, die euch erst dann entdecken, wenn ihr direkt vor ihren Nasen steht. Snake Eater macht da schon viel besser. Das umstrittene Heilsystem, bei dem ihr Knochenbrüche selbst behandelt, wirkt im Jahre 2012 aber nur noch wie stupides Menüdurchklicken. Und auch hier ist der Nahkampf unnötig bockig und kompliziert. Fans der Serie soll das nicht abschrecken, Neulinge hingegen dürften über solche Makel allerdings stolpern.
Am frischesten wirkt spielerisch das überzeugende Peace Walker. Die Steuerung ist dank reduzierter Tastenbelegung eingängiger, alles spielt sich intuitiver und präzise. Hinzu kommt, dass ihr die virtuelle Kamera nun einfach mit dem rechten Stick dreht und neigt, anstelle wie auf der PSP mit doppelt belegten Tasten arbeiten zu müssen -- super! Dazu eine straffe Erzählstruktur sowie knackige und abwechslungsreiche Missionen -- fertig ist der moderne Schleich-Hit. Wer Peace Walker also noch nicht von der PSP kennt, sollte hier definitiv zuschlagen.
Filmspiel oder Spielfilm?
Facettenreiche Schauplätze erwarten euch.
Im Grunde hat Produzent Hideo Kojima schon immer getreu dem Motto »Hollywood meets Spielkonsole« Spiele designt. Der Kern von Metal Gear Solid ist zwar ein Schleichspiel, welches mit donnernden Action-Sequenzen gespickt wurde. Die eigentlichen Besonderheiten sind aber die ellenlangen, aufwändig inszenierten Zwischensequenzen, Funksprüche und Dialoge, die Metal Gear Solid eher zum Filmerlebnis werden lassen als zum reinen Spiel. Einsteiger freuen sich also auf ein riesiges Story-Neuland, Veteranen könnten die Codec-Unterbrechungen allerdings dezent auf die Nerven gehen, da sie gerade zu Beginn jeder Episode das Spielgeschehen eher aufhalten. Zum Glück lassen sich die Gespräche auf Knopfdruck vorspulen - die oft ausufernden Zwischensequenzen können ebenfalls übersprungen werden, was man aber NICHT machen sollte! Denn: Vor allem bei den Filmen zeigt sich, wie zeitlos gut die Inszenierung gelungen ist; egal, ob ein Zweikampf in Zeitlupe ausgetragen wird oder sich ein Obermotz auf dramatische Weise vorstellt -- hier wird klar, dass Kojima und sein Team der Konkurrenz schon immer weit voraus waren.
Sowieso: Sons of Liberty und Snake Eater sehen dank des typischen Metal-Gear-Grafikstils in HD immer noch respektabel aus, obwohl so manche Textur schwammig sowie grau und manche Landschaft vergleichsweise leblos wirkt. Peace Walker von 2011 für die PSP muss man dagegen separat betrachten, aber auch hier macht sich die HD-Auffrischung gut – schöne Grafikeffekte sind jedoch immer noch die Seltenheit. Remakes bleiben halt doch Remakes. Beim Sound das gewohnte Bild: Angefangen vom bombastischen Soundtrack über die fantastische englische Sprachausgabe bis hin zu den Soundeffekten gab es sowieso nichts großartig zu verbessern, im Vergleich zu heutigen Blockbustern wirkt aber gerade die Mehrkanal-Abmischung etwas fad.
Remake = Remake?
Das Alter merkt man vor allem Teil 2 und 3 an.
Lohnen sich HD-Collections überhaupt? Nun diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten – es kommt einfach drauf an. Manche Spiele sind es immer noch Wert, entdeckt zu werden (ICO / Shadow of the Colossus), manche zeigen auch Neuerscheinungen immer noch, wo es lang geht (God of War Collection I) und wieder welche leben einfach vom Charme der Vergangenheit, ihrem guten Ruf oder gar Kult. Dazu gehört dann auch die Metal Gear Solid-Reihe wie keine andere Serie. Umso unverständlicher ist es da, dass der Kult-begründende erste Teil nicht mitgeliefert wird. Zum Glück ist zumindest Peace Walker mit an Bord. Ohne den PSP-Ableger wäre selbst MGS-Veteranen ein Kauf abzuraten. Denn Kenner merken sofort: Es fehlen sogar etliche Elemente, darunter das Skateboard-Minispiel, den Szenario-Betrachter oder den Soundtrack-Player aus Teil 2 oder gar der Online-Modus sowie die Camouflage-Importfunktion aus Teil 3. Diese fielen sichtlich der Schere zum Opfer.