Snake in klein
Einmal von links...
Wie viele Neuauflagen braucht das Land? Zugegeben: Metal Gear Solid geht immer. Hideo Kojimas Vorzeigeserie ist selbst dann wundervoll, wenn sie schwächelt – siehe beispielsweise die überzogene Geschichte von Teil 2 oder der Camouflage-Steuerungsoverkill in Teil 3. Aber allein die Präsentation und die Detailverspieltheit machen vieles wett – kaum eine andere Videospielserie bietet dermaßen viele Gags, die gleichzeitig einen Teil der Spieltiefe ausmachen (Stichwörter: Hund, Urin und Wolf). Jede Episode hat für sich gesehen eine Besonderheit und ist damit in gewisser Hinsicht zeitlos. Die Metal Gear Solid HD Collection beweist dies einerseits, weil die einzelnen Titel so viel Spaß machen wie in ihrem jeweiligen Erscheinungsjahr. Und doch ist sie andererseits eine kleine Enttäuschung...
Die Sammlung erschien schon vor ein paar Monaten für PlayStation 3 sowie Xbox 360 und enthielt die Teile Metal Gear Solid 2, Metal Gear Solid 3 und Metal Gear Solid: Peace Walker. Dazu gesellten sich als Bonus die uralten MSX-Episoden Metal Gear sowie Metal Gear 2, die trotz ihres enormen Alters sowie der limitierten Computer-Technik ein Fest für Videospielhistoriker darstellten – eben weil bereits hier so viele der bewährten Schleichmechanismen funktionierten. Umso merkwürdiger mutet es an, dass ausgerechnet das erste Metal Gear Solid fehlte, obwohl es vom Plot her mitten drin steckte.
Woran das gelegen haben mag? Vielleicht, weil man diesen PlayStation-Klassiker zumindest im PSN Store für 10 Euro erstehen kann und sonst sich die Käufer der HD Collection diesen zusätzlichen Kauf hätten sparen können? Jedenfalls fehlt der Hit auch auf der PlayStation Vita – und Liebhaber von Sonys neuestem Handheld müssen eine weitere Lücke obendrein schlucken. Peace Walker fehlt – was wohl kein Zufall ist, wenn ihr eben genau diese Episode aufgrund ihrer PlayStation-Portable-Herkunft optional im Download-Shop erstehen könnt...
Prima Vita-Adapation
...und einmal von rechts: Solid Snake macht in beiden Fällen eine tolle Figur.
Wir müssen also nehmen, was wir kriegen – und immerhin: das Gegebene funktioniert nahezu tadellos. Zuerst wäre da die Grafik, welche auf dem Vita-Display prächtig zur Geltung kommt. Speziell Metal Gear Solid 3 sieht richtig, richtig gut für sein Alter aus, während die latente Texturarmut des direkten Vorgängers allenfalls den High-Tech-Pedanten stört. Dazu hört ihr die bewährt-fantastische Soundkulisse und betrachtet die nach wie vor fantastisch in Szene gesetzten Zwischensequenzen – da bleibt kein Wunsch übrig.
Nun, Puristen könnte die neue Steuerung nerven. Denn dank einem fehlenden Schultertastenpaar müsst ihr auf der Vita eure Waffen sowie Ausrüstungsobjekte via Touchscreen auswählen. Gleich die Entwarnung hinterher: Das funktioniert problemlos, allein weil das Spiel wie gewohnt beim Durchscrollen aller möglichen Optionen in den Pause-Modus schaltet.
Ansonsten könnt ihr an der Wand gelehnt mit einem Fingerstreich von einem Mauerende zum anderen robben sowie um die Ecke lugen. Dieser Steuerungsmechanismus macht ebenso eine gute Figur, auch wenn er in diesem Falle etwas zwanghaft wirkt. Gleiches gilt für eine Schnellattacke via Messer, wofür ihr einfach nur den hinteren Touchscreen berühren müsst. Das “einfach nur“ ist gleichzeitig das Problem: Die Funktion geht zu leicht von der Hand, weshalb ihr gerne mal versehentlich in der Luft herum stochert. Zum Glück kann das nur dann passieren, wenn ihr das Messer direkt in der Hand haltet.