Auf in den Kampf
Zur Auswahl stehen neben einem Mehrspieler-Match drei Missionen der Solo-Kampagne, von denen ich mir sogleich die erste herausgepickt habe. Das darauffolgende Intro-Filmchen präsentierte sich optisch ziemlich altbacken, was sich aber bis zum Release der fertigen Version noch ändern kann. Wie ich darin erfahre, ziehe ich als Herzog Slava in den Kampf gegen den fiesen Gerhart, der in meine Ländereien eingedrungen ist und die dort lebenden Orks angegriffen hat. Das geht gar nicht! Legen wir los!
Kenn ich das nicht?
Und zwar auf einer Übersichtskarte, die mir äußerst vertraut vorkommt. Die Einheiten, die Umgebung, die Gebäude, die Ressourcen, die eingeblendeten Laufwege unserer Helden und sogar das Interface gleichen dem letzten Teil fast wie ein Ei dem anderen. Okay, die Animationen sind etwas geschmeidiger, die Konturen ein wenig glatter und die Effekte minimal glänzender, ein technischer Fortschritt von fünf Jahren lässt sich aber nirgends erkennen. Genau dieser Eindruck bestätigt sich auch auf dem Schlachten-Bildschirm, auf dem sich die beiden Fraktionen wie eh und je relativ unspektakulär gegenüberstehen.
Und eher einen Schritt zurück ging es beim Städtebau. Ich darf in einem Bau-Menü nach wie vor Kasernen errichten, um somit unterschiedliche Einheiten zu rekrutieren, allerdings werden die Veränderungen am Stadtbild überhaupt nicht mehr angezeigt. Damit ist klar: Optisch ist der neue Entwickler Black Hole keinerlei Experimente eingegangen. Ich bin deswegen nicht nachtragend, da ich auch keinen Grafikblender erwartet habe, aber etwas frischer hätte Might & Magic Heroes 6 trotzdem daherkommen können.
Städte & Krieger
Gibt es wenigstens spielerische Neuerungen? Ja, durchaus. Soweit ich dies aufgrund der Beta beurteilen kann, halten sich diese aber auch in Grenzen. Folgende Punkte sind mir aufgefallen: Im Gegensatz zu früher sind nur noch vier Ressourcen (Stein, Holz, Edelsteine und Gold) im Spiel, die nach wie vor in Minen abgebaut werden. Diese Rohstoff-Quellen lassen sich zwar plündern, aber nicht mehr erobern. Damit deren Erträge regelmäßig auf mein Konto fließen, ist es in Teil sechs nötig, die Stadt einzunehmen, in deren Einflussbereich die Mine liegt. Die Kontrolle über eine Stadt gewinnt dadurch natürlich enorm an Bedeutung.
Dazu darf ich meinen tapferen Streiter sehr viel individueller ausbauen wie bisher. Nach einem Levelaufstieg wähle ich nicht mehr nur zwischen zwei neuen Fertigkeiten, sondern mir stehen rund 50 Skills zur Wahl, um aus meinem Charakter beispielsweise ein magisches Überwesen oder einen knallharten Krieger mit herausragenden Führungsqualitäten zu machen. Dazu gibt es nun ein Rufsystem, welches beispielsweise dadurch beeinflusst wird, ob ich gnadenlos unterlegene Gegner laufen lasse oder sie unbarmherzig massakriere. Je nach Entscheidung betrete ich entweder den Path of Blood (Bösewicht) oder den Path of Tears (Weichei), wodurch mir unterschiedliche Fähigkeiten und Klassen zugesprochen werden.
Alte Stärken
Ansonsten ist Teil 6 eben ein übliches Heroes-Game. Wie gewohnt ziehe und kämpfe ich mich Runde für Runde durch das Geschehen, baue täglich (eine Runde = ein Tag) ein neues Gebäude in meinen diversen Städten, rekrutiere ab und an einen weiteren Helden und freue mich zum Beginn jeder neuen Woche darüber, dass in meinen Kasernen neue Einheiten zur Verfügung stehen. Und noch etwas bleibt gleich: Mit dem ständigen Gedanken „Eine Runde noch“ bleibe ich wie gewohnt sehr viel länger vor meinem PC sitzen, als ich dies ursprünglich wollte. Und da sich jede Mission locker mehrere Stunden hinzieht, ist auch der neue Teil wieder ein echter Zeitfresser.
Abschließend sollte ich noch ein paar kurze Worte über Conflux verlieren: Dabei handelt es sich um ein Community-System zur Erstellung eines eigenen Online-Profils, über das man mit anderen Spielern kommunizieren oder Erfolge erzielen und exklusive (nur online erhältliche) Boni freischalten kann. Neben einer durchgehenden Internet-Verbindung benötigt man außerdem auch einen Ubisoft-Account. Wer dies nicht will, wird Might & Magic Heroes 6 laut Ubisoft aber auch komplett offline spielen können.
Ersteindruck
Ich kann sagen, dass Might & Magic Heroes 6 ziemlich exakt meinen Erwartungen entspricht. Als Fan der Reihe lag es mir fern, irgendwelche Revolutionen beim Spielsystem einzufordern, und diese sind glücklicherweise auch ausgeblieben. Stattdessen hat Black Hole nur ganz dezente Veränderungen eingebracht, mit denen ich persönlich größtenteils einverstanden bin. Da verschmerze ich es auch, dass ich mich sogar bei der Optik in frühere Jahre zurückversetzt fühle. Und da der Release der fertigen Version nur noch wenige Wochen entfernt liegt, gehe ich davon aus, dass sich dann an meinem Fazit kaum etwas ändern wird.