Vorurteil?

Hereinspaziert! Hereinspaziert! Willkommen in Nintendos virtuellem Vergnügungspark!
Zugegeben: Als ich auf der E3 dieses Jahres zum ersten Mal von Nintendo Land hörte, hielt ich dies für das erste Zeichen des Niedergangs Nintendos. Minispiele! Gott, verschont mich! Und wieso brauchte Nintendo eine geschlagene Viertelstunde, um eines der zwölf enthaltenen Spiele in den Regeln zu beschreiben? Alles unverständlich, deshalb vorab doof und basta!
Doch heute muss ich sagen: So konnte man sich irren! Nintendo Land wird das Rad nicht neu erfinden, keine Spitzenwertungen einheimsen und dem kommerziellen Erfolg von Wii Sports hinterher hecheln. Macht nichts. Die Hauptaufgaben meistert dieses Spiel nämlich mit Bravour: Die Fähigkeiten des tabletartigen GamePads näherbringen und für einige launige Runden herhalten.
Spaß für Solisten
Donkey Kongs Crashkurs
Zwölf Disziplinen also, die im titelgebenden Freizeitpark angesiedelt sind, die ihr euch als Ansammlung bekannter Nintendo-Welten vorstellen könnt.Unerteilt sind die Disziplinen in Spiele für Solisten und Mehrspielergaudi, bei der ein Spieler das GamePad nutzt und die bis zu vier weiteren Mitspieler mit der Wiimote vorlieb nehmen müssen.
Einzelspieler vergnügen sich beispielsweise in Yoshi's Fruit Cart. Spielziel ist das Abfahren einer Route, die ihr auf dem Tablet-Controller zeichnet und zum Ausgang führt. Fies: Die einzusammelnden Früchte seht ihr nur auf dem großen Fernseher, die Route auf dem Touchscreen. Verglichen mit den anderen Kategorien die reinste Zen-Übung.
In Tanz den Kraken "tanzt" ihr über Stickbewegungen in bester SpaceChannel 5-Manier verrückte Choreografien zu psychedelischen Beats. Anschließend könnt ihr in Donkey Kongs Crashkurs ein Vehikel durch Hindernisparcours durch Kippen des GamePads steuert und Bananen einsammelt. Das Werfen von Ninjasternen in Takamarus Ninja-Festung und die kurzweilige Gleiter-Flitzerei Captain Falcons rasantes Rennen runden das gute Angebot für Einzelsieler ab.
Ballonausflug mit steifer Brise ist hingegen der einzige Totalausfall im Solistenaufgebot - euren Mii an drei Ballons hängend an Hindernissen vorbeizulotsen ist ein spaßbefreiter Zeitvertreib, der euch vielleicht zwei Durchgänge abnötigt, dann nervt.
Mehrspieler-Freuden
Luigis Geistervilla
In den Mehrspielerpartien übernimmt - wie bereits skizziert - nur ein Spieler die Rolle des Game Masters, indem dieser mit dem GamePad hantiert.
In Jagd auf Mario überimmt der Spielführer die Rolle des schnauzbärtigen Klempners und muss vor den Toads flüchten, die von anderen Spielern gesteuert werden. Neckisch: Die Toad-Spieler sehen auf ihrem Bildschirmausschnitt auf dem großen Screen nur ihre Ansicht. Der Mario-Spieler erhält dagegen neben der 3D-Ansicht auf dem GamePad auch noch die Komplettübersicht über das Spielfeld und kann seine Fluchtrouten mit mehr Weitsicht planen.
Das Gleiche gilt für Luigis Geistervilla, das genremäßig bei Pac-Man zu verorten ist. Vier Spieler laufen mit einer Taschenlampe "bewaffnet" durch ein schauriges Gemäuer und müssen vor dem Gespenst/fünften Spieler fliehen. Dieser hat eine gewisse Anzahl von Schreckversuchen, um die anderen Schachmatt zu setzen. Gewonnen haben die Geisterjäger, wenn nach dem letzten Versuch, einer der Ghostbusters über bleit. Anders herum gewinnt der fünfte Mann, wenn er sämtliche Opponenten ausschaltet.
Zelda: Herausforderung zum Kampf
The Legend of Zelda: Herausforderung zum Kampf schickt euch auf Schienen auf die Suche nach dem sagenumwobenen TriForce. Unterwegs stellen sich euch Gannondorfs Schergen in den Weg, die ihr mit Pfeil und Bogen (GamePad-Spieler) oder dem Schwert (alle anderen Mitspieler) unschädlich macht.
Pikmin Abenteuer setzt ebenfalls vollständig auf Kooperation zwischen den Spielern Wer Nintendos Vorzeige-Strategiespiel schon einmal gezockt hat, wird sich heimisch fühlen. Der GamePad-Spieler übernimmt die Rolle des Captain Olimar und navigiert via Touchscreen die Meute der pflanzenartigen Pikmin, um sie in ihrer Zwergengröße gegen riesig scheinende Käfer und anderes Getier einzusetzen. Die Wiimote-Mitspieler schlüpfen in ihre eigene kleine Rolle und setzen den Feinden selbständig zu.
In Metroid-Schießerei versucht der Game Master in Samus' Raumschiff, die Spieler am Boden zu treffen, während diese das gleiche andersherum versuchen. Und in Animal Crossing: Ein süßer Tag schließlich sammeln zwei Spieler Früchte, während die anderen beiden diese daran hindern sollen.
Spaß?
Soviel zu den Beschreibungen der Minispiele, die hier nur kurz umrissen werden können. So vielfältig und bunt Nintendo Land klingt, so sehr ist es ein Spaß für viele Stunden im trauten Freundeskreis. In Worte zu fassen, was da nun an den Schirm fesselt, ist schwer: Die Spiele sind grafisch keineswegs ausgefeilt, sondern bestechen Nintendo-typisch mit ihrem ganz eigenen Look und Charme. Die Steuerung wurde, einer Tech-Demo nicht unähnlich, auf den Einsatz von GamePad und alter Wiimote getrimmt und daraus der bunte Straus an Spielen mit kompetitiven wie auch kooperativen Elementen gleichermaßen gespickt.
Daraus ergibt sich der Reiz, die Sammlung wieder und wieder neu zu entdecken. Erfahrene Spieler wähnen sich gerne im Vorteil, während unerfahrene Gamer oder Neueinsteiger gerne miteinander paktieren, um sich den Sieg zu sichern. Für Kurzweil ist gesorgt, auch weil alle Spiele in mehreren Spielstufen freigeschaltet werden können, die dann neue Level enthalten.