Flucht in die Traumwelt
Quico (mit Lula auf dem Rücken) und Monster: Ein leider trügerischer Frieden...
Auf der anderen Seite des Portals entdeckt der Junge namens Quico eine Fantasiewelt, die stark an eine südamerikanische Stadt erinnert. Der Ort scheint fast vollkommen verlassen zu sein, nur ein kleines Mädchen ist weiter vorne auf der Straße zu sehen. Als sich Quico sich nähert, rennt sie davon, drückt einen Schalter an einer Wand und eine weiße Tür leuchtet auf. Das Mädchen geht hindurch, der Durchgang verschwindet wieder. Wie hat sie das gemacht?
Dies findet ihr recht schnell heraus: In allen Arealen von Papo & Yo entdeckt ihr haufenweise Schalter, Schlüssel und Hebel, die ebenso Türen öffnen oder noch viel ungewöhnlichere Aktionen auslösen: Wände verschwinden im Boden, Blöcke schweben in der Luft, Häuser laufen oder fliegen durch die Gegend und Wassertanks stapeln sich bis in den Himmel. Mit ein wenig Überlegung und der Hilfe der in Pappkartons versteckten Hinweise erklärt sich die Lösung zumeist recht leicht und ebnet euch dadurch den Weg in das nächste Areal.
Freund und Feind
... der sehr schnell zerbrechen kann.
Bereits nach kurzer Zeit findet Quico seinen Spielroboter mit dem Namen Lula wieder, der in dieser Traumwelt tatsächlich lebt und dem Jungen hilft. Mit ihm als eine Art Raketen-Rucksack kann Quico kurzfristig in der Luft schweben und größere Sprünge vollführen. Außerdem darf Lula zu hoch gelegenen Schaltern fliegen und diese aktivieren.
Und noch ein alter Bekannter von Quico lebt in dieser Welt. Das Monster, dessen Schatten wir zu Beginn gesehen haben. Eigentlich ist Monster (so auch dessen Name im Spiel) ein recht friedliches und naives Wesen, das am liebsten Kokosnüsse frisst. Sehr praktisch, denn mit denen kann der junge Held den Vielfraß an verschiedene Orte locken. Neben dem Fressen hat die Kreatur noch ein weiteres Hobby: Schlafen! Es sucht sich gerne eine gemütliche Ecke und schläft ein, wodurch Quico auf dessen dicken Bauch klettern und diesen als Trampolin nutzen kann.
An sich wäre Monster also ein nützlicher Begleiter, wenn er nicht von einer fatalen Sucht verfallen wäre: In Quicos Traumwelt tauchen immer wieder Frösche auf, die Monster jagt und frisst. Dies bekommt ihm gar nicht gut, denn daraufhin wird seine unkontrollierbare Wut entfacht. Monster läuft rot an, seine Haut steht in Flammen und er kennt nur noch ein Ziel: Quico! Beruhigen lässt sich diese Wut nur durch eine faulige, blaue Kokosnuss. Sie knockt Monster kurzfristig aus und seine Wut verraucht.
Ein hoffnungsloser Kampf?
Ein beweglicher Turm aus Häusern? In Quicos Traumwelt ist Unmögliches möglich.
Durch die abwechslungsreichen Schalterrätsel, die individuellen Fähigkeiten von Lula und Monster sowie die eigenwillige Spielwelt, die uns allerlei ungewöhnliche Perspektiven beschert, präsentiert sich Papo & Yo bereits als ein recht kurzweiliges, aber nicht allzu schweres Abenteuer, das sowohl euren Grips als auch eure Geschicklichkeit fordert. Untermalt wird die bittersüße Stimmung des Spiels durch südamerikanisch angehauchte Weltmusik, die mit ihrer zumeist leicht melancholischen Grundstimmung sehr gut in das Szenario passt. Richtig ungewöhnlich wird Papo & Yo aber durch seine sehr emotionale Storyline, die nach der Einstiegsphase davon handelt, Monster seine Sucht auszutreiben. Dazu muss es von euch mit Hilfe von Lula und dem namenlosen Mädchen zum Schamanen bringen, der Monster angeblich heilen kann.
Durch Andeutungen und kurze Zwischensequenzen, wird recht schnell klar, dass Monster den Vater von Quico symbolisiert, der unter einer Alkoholsucht leidet. Das gesamte Abenteuer steht stellvertretend für die Leiden, die der an sich liebende Vater über seine Familie bringt. So viel sei noch dazu verraten: Quicos Versuche, das Monster/seinen Vater zu heilen, enden nach rund fünf Stunden Spielzeit in einer sehr traurigen Erkenntnis, die nachvollziehbar und konsequent ausfällt, mich aber trotzdem richtig betroffen machte. Vor allem, da ich dabei an die zu Beginn eingeblendete Widmung von Creativ Director Vander Cabellero dachte, mit der die autobiografische Komponente des Spiels so richtig verdeutlicht wird: „Für meine Mutter, Brüder und Schwestern, mit denen ich das Monster in meinem Vater überlebt habe.“
Cinematic Launch Trailer