Ein Blick zurück
Wie mysteriös, nicht wahr?
Professor Hershel Layton gibt sich einmal mehr die Ehre und versucht, hinter das Geheimnis eines leibhaftigen Phantoms mit zerstörerischem Drang zu kommen. Das bedeutet wieder allerlei Knobelaufgaben und Tüfteleien, deren Lösung einige Gehirnzellen zum Rauchen bringen wird, was nach all der Adventsplackerei doch die wahre Wohltat sein sollte!
Wer mindestens eines der Vorgängerspiele kennt, weiß natürlich um die Partnerschaft des Professors mit dem kleinen Luke Triton. Der ist nicht nur Layton’s treuer Gefährte, sondern auch ein nahezu ebenso begeisterter Rätsellöser wie der Meister selbst. Wie es allerdings dazu kam, dass sich Luke dem Professor anschloss, ist eines der zentralen Themen, mit denen sich die Geschichte von Der Ruf des Phantoms beschäftigt. Das Rad der Zeit wird also zurückgedreht, so dass einige alte Bekannte – wie zum Beispiel der ständig grummelnde Inspektor Chelmey – noch nicht in den Rollen agieren, in denen man sie bislang gewohnt war. In der Assistentenrolle, die ja Luke noch nicht eingenommen hat, tritt die schlagkräftige Emmy Altava auf den Plan, die insbesondere anfangs mit ihrer Plapperei ein wenig die Nerven des Spieler strapaziert. Im Verlauf der Geschichte steigert sich ihr Sympathiewert allerdings merklich.
Überhaupt beginnt Layton’s neuestes Abenteuer etwas schleppend. Die Dialoglastigkeit wurde gegenüber dem direkten Vorgänger Die verlorene Zukunft nochmals erhöht, was dazu führt, dass anfangs weit mehr geredet als getüftelt wird. Freunde von nett erzählten Geschichten wird das nicht stören.Wer aber nur auf ein paar schnelle Rätsel aus ist, wird im ersten Spieldrittel den DS-Touchscreen einem wahren Dauerstakkato unterziehen, um die Gespräche abzukürzen. Spätestens wenn die Suche nach dem Phantom der Stadt Misthallery unsere Helden auf den geheimnisvollen Rabenmarkt führen, nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf – und die Rätseldichte merklich zu!
Reichlich Futter fürs Hirn
Layton-Freunde kennen diesen süßen Helden längst.
Mit mehr als 150 Rätseln sorgt Der Ruf des Phantoms wahrlich für viele Stunden Knobelkost – und bis auf ein paar Ausnahmen sind die verschiedenen Aufgaben auch von gewohnt hohem Niveau. Alles was das Denkerherz begehrt, ist wieder vorhanden – vom Verschiebepuzzle über Logikfragen bin hin zu Physik- oder Mathematikproblemen. Dabei helfen bis zu vier Tipps, die sich mittels Münzen erkaufen lassen, welche sich an den einzelnen Schauplätzen verstecken. Dabei ist auch der jeweils erste Tipp zu einem Rätsel nun meist so formuliert, dass er den entscheidenden Geistesblitz hervorrufen kann, was bei den direkten Vorgängern überwiegend nicht der Fall war.
Unverständlicherweise gibt es ein paar Aufgaben, die durch Bedienungsmängel zum Frusterlebnis werden: Da soll man beispielsweise auf vier Minibildern einen unterschiedlichen Schattenwurf erkennen, was durch eine fehlende Lupenfunktion selbst für Nichtbrillenträger zur Qual wird. An anderer Stelle sollen Tränenformen zu einem Herz zusammengeschoben werden, was zwar sofort offensichtlich ist, aufgrund der aber nicht durchschaubaren Steuerungsfunktionen zu einem fast unmöglichen Unternehmen wird. Glücklicherweise sind dies Einzelfälle, die nur deswegen im Gedächtnis bleiben, weil sie so gar nicht zur bisherigen Qualität der Layton-Spiele passen wollen.
Stilsicher
Eine Stärke des Spiels ist der hochwertige Comic-Stil.
Natürlich sind auch wieder die bekannten Zusatzaufgaben und Minispiele dabei, deren Originalität allerdings schwankt. Das Puppentheater erinnert zwar an die Lückengeschichten aus dem Vorgänger, macht aber dennoch durch die liebevolle Inszenierung viel Spaß. Auch das Aquarium stellt einen erfrischend anderen und fordernden Zeitvertreib dar, während die Modelleisenbahn lediglich eine bockschwere Neuauflage des Hamsterrennens aus dem zweiten Layton-Abenteuer (Die Schatulle der Pandora) ist. Darüber hinaus kann man sich noch als Sammler von allerlei Kuriositäten betätigen und natürlich so viele Punkte (im Layton-Jargon „Pikarat“ genannt) wie möglich für die Lösung von Rätseln sammeln, um Zusatzaufgaben und Bonusinhalte freizuschalten.
Der Ruf des Phantoms bleibt in Inszenierung und Optik den Vorgängern treu. Das Auge wird somit einmal mehr durch wunderschöne Zeichentrickoptik verwöhnt und das Ohr lauscht immer noch mit summbaren, allerdings überwiegend bekannten Melodien mit französischem Einschlag. Auch die im Verlauf der rund 15 bis 20 Stunden dauernden Handlung regelmäßig eingestreute Sprachausgabe weiß durch eine größtenteils gelungene Sprecherauswahl zu überzeugen. Gerade die Stimmen der Hauptakteure wollen Kenner der Serie ohnehin nicht mehr missen!