Der Junge der Dimensionen
Immerhin zieren ein paar schicke Bilder die sterile Villa des Professors.
Vor fünf Jahren war es ein 14-jähriges Mädchen, heute ist es ein 12-jähriger Junge. Der möchte eigentlich seinen Onkel besuchen, doch der berühmte Professor Fitz Quadwrangle hat sich versehentlich bei einem seiner Experimente in eine fremde Dimension gesperrt. Sein Neffe soll ihm helfen und mithilfe der Aktivierung dreier Generatoren befreien. Dafür muss er zahlreiche Räume durchqueren, was aufgrund der wirren Inneneinrichtung mit Maschinen, Plattformen und Abgründen keine einfache Aufgabe ist. Dazu kommt ein weiteres Problem: Die Dimension, worin der Professor gefangen ist, ist nicht die einzige, die durch das Experiment zum Vorschein kam. Ihr lernt im Laufe des Spiels vier weitere kennen, deren Eigenschaften ihr zum Weiterkommen zwingend ausnutzen müsst.
Eine solche fremde Dimension sieht auf den ersten Blick nicht viel anders als unsere stinknormale aus. Genau genommen verändert sie “nur“ ein paar physikalische Grundgesetze, sobald sie aktiv ist. In der Fluffy Dimension werden sämtliche Objekte zehnmal leichter, weshalb ihr plötzlich ganze Sofas aufnehmen und gar werfen dürft. In der Heavy Dimension hingegen wird alles zehnmal schwerer, was das Beschweren von diversen Bodenschaltern erleichtert. Die Slow Dimension verlangsamt eure Umgebung auf Zeitlupen-Niveau, während die Reverse Gravity Dimension dem Namen nach die Gravitation verkehrt und somit sämtliche Objekte zur Decke anstatt gen Boden “fallen“ lässt.
Kombinationsgabe
Fluffig: In dieser Dimension werden dicke Safes zu flauschigen Würfeln.
Zu Beginn stehen euch natürlich nicht gleich all diese Dimensionen zur Verfügung. Genau genommen müsst ihr erst einmal ein paar Räume überstehen, in denen automatisch alle paar Sekunden zwischen zwei Dimensionen gewechselt wird. Erst später erhaltet ihr die Möglichkeit, per Tastendruck hin und her zu springen. In manchen Fällen müsst ihr auch erst eine Art Batterie finden und diese in die entsprechende Maschine stopfen, bevor eine bestimmte Dimension in einem speziellen Raum für euch zugänglich ist.
Aus all diesen Ideen resultiert ein phasenweise brillantes Rätseldesign. Besonders lustig wird es, wenn ihr gut getimt zwischen verschiedenen Dimensionen schalten sollt. Hierzu ein einfaches Beispiel: Ihr steht vor einem langen Abgrund, hinter euch befindet sich ein schwerer Safe. Schaltet zur Fluffy Dimension, um den Safe zu nehmen und in Richtung Abgrund zu werfen. Danach begebt ihr euch sofort in die Slow Dimension, damit ihr in aller Ruhe auf den geworfenen Safe springen könnt. Prompt wechselt ihr in kurzen Abständen zwischen dieser und der Reverse Gravity Dimension, woraufhin euch der Safe rauf und runter wabbernd sicher zur anderen Seite des Abgrundes trägt.
Während ein Großteil der gestellten Aufgaben sehr gut durchdacht wirkt und das Lösen einen Heidenspaß macht, gibt es leider auch ein paar unschöne Lückenfüller. Speziell in der ersten Phase des Spieles müsst ihr auffallend häufig einfach ein Objekt mithilfe der Fluffy Dimension nehmen und auf einen Druckschalter platzieren, damit sich wiederum eine Tür öffnet. Auch danach kommt es immer mal wieder vor, dass ihr eine bestimmte Spielmechanik mehrmals hintereinander wiederholen müsst und dies dezent langweilt.
Spielspaß mit Pausen
Gewöhnt euch an diese Tische und Sofas. Der Professor besitzt hunderte davon...
Das Resultat: Im Gegensatz zu Portal oder Portal 2 wollt ihr Quantum Conundrum nicht am Stück durchspielen. Ich selbst habe allein deshalb vier Tage benötigt, weil mir jedes Mal nach ein bis zwei Spielstunden die Lust am Rätseln verloren ging. Darüber hinaus ist die Konzeptidee zwar clever, jedoch nicht ganz so über-brillant wie im Falle von Swifts legendärem Hit aus dem Jahre 2007. Das realisiert der Kenner allein anhand der Menge sowie der komplexen Natur der Dimensionen, während Portal eine schimmelige Kanone mit einer einzigartigen Eigenschaft zu Ruhm und Reichtum genügte.
Eine weitere Schwachstelle ist die Präsentation: Quantum Conundrum macht einen sehr sterilen Eindruck. Die Welt ist ein reiner Mittel zum Zweck, nämlich die verschiedenen Rätsel in Szene zu setzen. Solche Verspieltheiten wie die Aufräumanimationen in Portal 2 könnt ihr vergessen. Und auch die Geschichte ist langweilig beziehungsweise die Sprüche von Professor Quadwrangle, der euch aus seinem “Gefängnis“ stetig Instruktionen vermittelt, sind einfach nicht lustig.
Zu guter Letzt muss ich einen weiteren Makel erwähnen – zumindest theoretisch, denn in meinen Augen ist es eigentlich gar keiner. So mancher Quantum Conundrum-Spieler beschwert sich über die hohe Anzahl an Sprungpassagen, die es zu überstehen gilt. In der Tat gleichen einige “Rätsel“ eher höchst anspruchsvollen Geschicklichkeitsaufgaben, speziell wenn ihr in der Slow Gravity Dimension von einem fliegenden Sofa zum nächsten hüpfen sollt. Doch sind all die gegebenen Herausforderungen lös- und theoretisch beim ersten Versuch schaffbar. Wichtig ist, dass ihr ein Gespür für Entfernungen und Timing erlernt – was bei diesem Spiel definitiv möglich ist.