Geschichtssstunde
Ratchet & Clank-Spiele sind sowas wie "Per Anhalter durch die Galaxie" - absurd, abwechslungsreich und immer komisch.
Lange bevor das Studio Insomniac mit dem Ego-Shooter Resistance eine Mutantenapokalypse auf der PlayStation 3 entfesselte, war es für Spiele eines ganz anderen Genres weltbekannt: Jump 'n Runs. Eigentlich eine Domäne Nintendos, konnten sich die Helden Spyro und Ratchet & Clank einen Namen machen. Daneben punkteten noch Naughty Dogs Jak & Daxter, während Microsoft die hässliche Grinsekatze Blinx als Hüpfikone etablieren wollte. Kennt die noch jemand? Nein? Seht ihr, so erfolgreich waren die beiden Spiele. Anders dagegen die Sony-Pendants: Nicht nur bekamen Ratchet & Clank zig Ableger auf PSP und PlayStation 3 spendiert, nein, jetzt erschien auch die HD-Collection mit den ersten drei Teilen. Wo noch vor einigen Minuten ein abfälliges „Pfui“ gegeben wurde, sobald das Wort HD-Collection nur in den Mund genommen wurde, erfreuen sich die neuveröffentlichten Titel zumeist großer Beliebtheit. Was nicht zuletzt an gelungenen Ports liegt. So konnte uns Waschbär Sly Raccoon überzeugen, auch mit Jak & Daxter hatten wir Spaß. Wir schlichen uns mit Snake in Metal Gear Solid durch die Botanik, erkundeten mit Lara Croft unheimliche Grabstätten oder hielten den USA mit Sam Fisher ihre ärgsten Feinde vom Hals. Ausfälle? Eigentlich nicht. In den letzten Jahren waren vielleicht Silent Hill in HD und mit Abstrichen die Ico & Shadow of Colossus-Sammlung ein Grund, sein Bares in der Börse zu behalten, doch der Rest zeigte, wie gut die meisten Spiele in Würde altern konnten.
Gewöhnt euch dran: Einige, beileibe nicht alle, Zwischensequenzen sind im 4:3-Format.
Auf die hier vorliegende Ratchet & Clank-Collection trifft dies besonders zu: Die drei PlayStation 2-Titel – entstanden zwischen 2002 und 2005 – überraschen auch nach vielen Jahren noch mit einem angenehm hochwertigem Gesamteindruck. Sicherlich, einige der Texturen könnten höher aufgelöst sein, und HD-Puristen werden wieder fluchen angesichts der 720p-Bildausgabe in 60 Bildern/Sekunde. Doch abgesehen davon kommt hier einmal mehr das „Blizzard-Phänomen“ zum Tragen: Die Spiele sind in ihrem Artdesign derart fantastisch, dass der Gesamteindruck die technische Patina vergessen macht. Was hin und wieder stört, das ist der Sprung von der 16:9-Darstellung in den Spielszenen und den Zwischensequenzen in Spielegrafik zum 4:3-Format in den vorgerenderten Zwischensequenzen. Zu verschmerzen, auch andere HD-Collections kämpfen mit diesem Problem.
Trotz des Alters sind die Spiele noch immer hübsch anzuschauen.
Spielerisch erwartet euch eine bunte Mischung aus altbekannter Hüpfkost gepaart mit viel Keilerei. Gegner können mit Ratchets Schraubenschlüssel oder wahlweise mit einem der zahlreichen Ballermänner auseinandergenommen werden, die überall fallengelassenen und versteckten Schrauben (das Äquivalent zu den Münzen in Super Mario) investiert ihr in Upgrades und Munition. Der Fokus wird von Teil zu Teil mehr Richtung bewaffnete Auseinandersetzung verschoben, Probleme beim Überwinden von Abgründen habt ihr nicht. Auch die Rätsel und die Geschwindigkeit sind eher simpel sowie behäbig. Hier ein Wasserrätsel, da eine leicht zu knackende Schalteraufgabe. All das würde dafür sprechen, Ratchet & Clank nicht in den elitären Kreis eines Mario oder Sonic erheben. Dass die Spiele dennoch zeitlos sind und zum Weiterspielen motivieren, liegt an zwei Aspekten: Sammeltrieb und Charme. So banal das Aufspüren von Schrauben ist, so sehr werdet ihr jede Kiste zertrümmern, jeden Feind in seine Bestandteile zerlegen, die Umgebung demolieren – nur um noch mehr dieser Metallteile auf eurem Konto anzuhäufen. Daneben ist der facettenreiche Humor der Serie nicht nur ein Novum der Jump 'n Run-Szene gewesen, sondern spricht (fast) jeden Spieler an: Von mehr oder minder offensichtlichen Anspielungen auf Filme, Zitaten aus Spielen bis hin zu fein dosierten, sozialkritischen Aussagen wird ein bunter Strauß echter Brüller aufgefächert, der das Geschehen auflockert. Die Rahmenhandlungen sind unter den Schlagworten „unterhaltsam“ und „seicht“ einzuordnen, das typische „X will Universum unterjochen, Held bekämpft ihn“ wird als Blaupause aller drei Spiele genutzt.