Wer braucht schon Gliedmaßen, wenn er Rayman heißt?
Rayman und seine Freunde kämpfen mit ein großen Problemen...
Oh je, welch ein Graus: Die Darktoons überfallen die Lichtung der Träume! Nur Rayman und seine Freunde können der Invasion Paroli bieten, in denen sie die Electoons aus den Klauen der Bösewichte befreien. Na, wenn solch eine Geschichte kein Zündstoff für ausufernde Epik ist…
Scherz beiseite: Wer den Vorspann wegklickt und nicht in die Anleitung linst, der wird kaum kapieren, um was es hier geht. Dafür rennt und hüpft ihr durch über 60 Levels und befreit sexy Feen plus knuddelige Electoons. Die Fieslinge werden tot gehopst, und ab und an nimmt man auf einem Moskito Platz, um via Shooter-Abschnitt abgelenkt zu werden. Ganz selten kommt auch ein Endboss zum Einsatz, der jedoch auch nicht allzu widerstandsfähig ausfällt.
Die Grundlagen eines Jump’n‘Run
Ein visuelles Fest. Wirklich!
Nein, Rayman Origins ist kein Spiel für den Hardcore-Mario-Profi. Selbst spätere Abschnitte sind mit etwas Geduld und Spucke zu bewältigen, die Nerven werden aufgrund der sehr großzügig verteilten Rücksetzpunkte bestmöglich geschont. An Feature-Overkill stirbt ebenso niemand: Rayman & Co. können boxen, schwimmen oder die Wände hoch laufen, allesamt Fähigkeiten, die ihr als Spieler nach und nach freispielen müsst. Wirklich herausgefordert wird nur der Punktejäger, der sämtliche Lums (gleichbedeutend mit Münzen bei der ach so beliebten Jump’n’Run-Konkurrenz) abstauben möchte. Deren Menge entscheidet zudem, ob ihr am Ende ein, zwei oder drei Electoons zur Belohnung erhaltet. Und mit diesen ermöglicht ihr nach und nach den Zugang zu einigen Bonuslevels.
Die Laufgeschwindigkeit liegt irgendwo zwischen Super Mario und Sonic. Der neue Rayman ist ergo flott unterwegs, aber das Spiel bleibt stets schön übersichtlich. Das Leveldesign ist kompetent, wenn auch wenig originell – kein Wunder, wenn die Spielelemente so alt wie ein Großteil unserer Leserschaft sind. Damit tangiert Rayman Origins nahe an der Grenze zur Belanglosigkeit, wenn – ja, wenn da nicht zwei außergewöhnlich starke Aspekte wären, die den Spielspaßkarren bis zum Ziel tragen.
Da gäbe es zum einen den Multiplayer-Modus, der bereits zu zweit höchst amüsant ist und das Chaos mit bis zu vier Spielern perfekt macht. Nicht nur, dass ihr euch hier um die Anzahl der gesammelten Lums prügelt: Ihr könnt euch LittleBigPlanet-like gegenseitig verhauen und gen Abgrund boxen. Das ist nicht nett, aber definitiv lustig. Zudem ein verstorbener Spieler problemlos zurück ins Leben gerufen werden kann, sofern der oder die anderen nicht selbst zuvor den Löffel abgeben.
Hochauflösender geht nicht
Zuckersüß, nicht wahr?
Das andere Highlight ist die eigentliche Sensation: die Grafik ist gottgleich. Obwohl sich Ubisoft auf einen klassischen 2D-Stil beschränkt, gibt es kaum ein Spiel, welches moderner wirkt. Hier stimmt wirklich alles - seien es die hochauflösenden Pixel, die perfekte Farbwahl oder die grandiosen Animationen. Gut, die Hintergründe könnten etwas weniger statisch sein und die meisten Figuren sind recht klein geraten. Aber das liegt nicht an der Faulheit der Art Director, sondern am grundlegenden Format. Denn die riesigen Endgegner zeigen sehr wohl, dass die Franzosen auch Größeres in dieser Qualität zustande kriegen.
Unterstützt wird die optische Pracht von einem wahnwitzigen Soundtrack, der ganz auf den Spuren Skullmonkeys oder Locoroco wandelt. Die Soundeffekte beeindrucken noch mehr und sind an infantiler Niedlichkeit nicht zu überbieten – speziell wenn sich die befreiten Electoons freuen, möchte man am liebsten mit ihnen vor Freude jauchzen.
Neben der konzeptionellen Ideenlosigkeit gibt es eigentlich nur eine Sache, die mich stört: Die Abrechnungsprozedur nach jedem Level, die alle gesammelten Lums zählt, lässt sich nicht abkürzen. Das hört sich jetzt nach einem völlig banalen Makel an, der aber auf Dauer nervt, weil die Levels zahlreich, klein und kompakt geraten sind.