Helden gegen Terroristen
Entstellte Mutationen - der ewige Leidensweg der Jill Valentine.
Il Veltro: So heißt eine Terrororganisation, die dank des Einsatzes von Biowaffen die paradiesische, vom Menschen geschaffene Mittelmeerstadt Terragrigia auf dem Gewissen hat. Und genau mit diesen Schurken bekommen es die Einsatzkräfte der BSAA (Abkürzung für Bioterrorims Security Assessment Alliance) Jill Valentine und Parker Luciani zu tun, als sie sich auf die Suche nach dem verschwunden Chris Redfield sowie dessen Partnerin Jessica Sherawat machen. Dabei tappen sie in eine Mutanten-verseuchte Falle von Il Veltro, weshalb der sich kurz darauf doch nicht verschollene Chris seinerseits zur Rettung von Jill plus Parker verpflichtet fühlt – was für ein Hick-Hack.
Die Geschichte besteht aus mehreren Wendungen und “überraschenden“ Ereignissen, wobei mir die dramatischsten viel zu konstruiert vorkommen. Auch einige Fast-Sterbeszenen verkommen zur Lächerlichkeit – was hier unsere Helden alles überleben, sprengt den Rahmen der Glaubwürdikgeit immens. Egal: Von einigen Übertreibungen abgesehen, ist der Plot ganz in Ordnung. Meine milde Begeisterung liegt mehr daran, dass ich allgemein die Handlungsgeschicke von Resident Evil nie als außergewöhnlich empfand (von Code Veronica abgesehen).
Zumindest gefällt mir Revelations in dieser Hinsicht klar besser als der fünfte Teil, denn wirklich aufgeregt hat mich nur eine Szene: Chris stürzt in die Tiefe und kann nicht mehr aufstehen. Jessica spurtet hinterher, um ihm zu helfen, während er von mehreren Zombie-Werwölfen angefallen wird. Ihr dürft Chris in der Szene nur langsam kauernd sowie mit einer mickrigen Pistole ausgestattet steuern. So verteidigt ihr euch mehr oder weniger notdürftig gegen die zahlreichen Gegner – und was passiert, wenn Jessica vor Ort ist? Sie reicht ihm die Hand und stemmt ihn auf die Beine, danach ist alles wieder gut. Ernsthaft? Ernsthaft!
Horror auf hoher See
Neuling Parker weiß, wie man eine Waffe hält.
Zwei wichtige Handlungselemente sollte ich noch erwähnen: Die Geschichte wird in Episodenform erzählt, genau genommen gibt es zwölf Stück davon. Diese sind in sich auch noch einmal in unterschiedliche Segmente eingeteilt, in denen es oft zum Charakterwechsel kommt. So steuert ihr Chris und Jill sowie einem weiteren Mitstreiter der BSAA namens Keith Lumney. Ihr seid dabei so gut wie nie alleine unterwegs und werdet fast die ganze Zeit über von einem K.I.-Kollegen begleitet. Leider konnte Capcom dieses Feature nicht in einen Coop-Modus á la Resident Evil 5 umsetzen. Diesen gibt es zwar auch in Revelations, jedoch beschränkt er sich auf den so genannten “Raid Mode“ (zu dem komme ich später).
Der andere relevante Aspekt, den ich euch bislang verschwiegen habe: Ein Großteil der Story spielt auf einem Schiff. Dieses ist wahrlich groß, verzweigt und erstaunlich vielschichtig. Von kahlen Maschinenräumen bis prunkvollen Sälen ist alles dabei, was sich der Titanic-Fan wünscht – zumindest hat mich die Ausstattung stellenweise sehr an den Unglückskreuzer erinnert.
Das Setting besitzt einen großen Vor- und einen großen Nachteil: Zum einen hat Capcom allein mit dieser Idee die Atmosphärekurve gepackt. Dadurch, dass die meisten Gänge und Räume des Schiffs eher klein wie eng sind, passen sie prächtig zum winzigen Bildschirm des Nintendo 3DS. Auf der anderen Seite bleibt das Schiff nicht heil, sondern wird Stück für Stück geflutet. In diesen Momenten müsst ihr euch von der Lauferei verabschieden und euch an euren Schwimmunterricht erinnern. Diese Passagen sind dezent frustrierend, weil sie sich schwammig anfühlen und ihr euch nur noch mit Granaten zur Wehr setzen könnt, obwohl auch Unterwasser einige richtig gefährliche Monster auf euch warten.
Beklemmend schön, schön wenig Abwechslung
Definition "Prunk"
Ansonsten durchstöbert ihr mitten in einem tief verschneiten Berggebiet eine Anlage von Il Vetro, spaziert mal kurz an einem grau-verregneten Strand herum und dürft in wenigen Rückblenden den Zerfall von Terragrigria beiwohnen (dessen Katastrophe natürlich eine wichtige Rolle für den Revelations-Plot verbirgt). Das hört sich nicht spektakulär abwechslungsreich an? Ist es ehrlich gesagt auch nicht. Genau genommen schlägt das Qualitätsbarometer sehr unterschiedlich aus: In den ersten sechs Kapiteln seid ihr völlig geplattet. Es ist schier unglaublich, welch grafische Leistung Capom aus dem Nintendo 3DS herausgekitzelt hat. Das Spiel sieht wirklich extrem gut aus und leistet sich dabei keinen ernsthaften Ruckler. Der 3D-Effekt ist ebenfalls schick, wenn auch nicht ganz so spektakulär wie das Setting, die Texturen und die Animationen der Gegner.
Doch in der zweiten Hälfte des Spiels stellt sich leichte Ernüchterung ein. Die Anzahl der Feindtypen kann man fast schon an einer Hand abzählen und das Szenariorecycling ist grenzwertig. Nicht nur, dass ihr aufgrund der unterschiedlich spielbaren Teams verschiedene Räumlichkeiten doppelt besucht: Sehr häufig müsst ihr mit dem gleichen Duo die gleichen Orte erneut bestreiten, meist zuerst in “Ruhe“ und später im Rahmen einer hektischen Flucht. Ein Storytwist, den ich nicht verraten möchte, sorgt ebenfalls für faule Wiederholungen.
Spielerisch beschränkt sich Resident Evil Revelations fast ausschließlich auf Kämpfe im Stile von Resident Evil 4 / 5. Ihr beobachtet das Geschehen primär aus der Schulterperspektive und bekommt richtig gut Geschütz zur Verfügung gestellt. Die Munitionsverteilung ist diesmal nicht ganz so ausgefeilt: Am Anfang habt ihr das Gefühl, zu wenig Patronen sowie Heilkräuter zu finden, und gegen Ende hin eher zu viel. Aber das Spiel wirkt diesbezüglich immer noch ausbalancierter als ein Großteil der Genre-Konkurrenten.
Fokus: Action
Hurra, ein Rätsel! Oder so ähnlich...
Bis zu drei Waffen dürft ihr gleichzeitig bei euch tragen und diese mit allerlei Schnickschnack ausstatten – z.B. eine höhere Feuerrate, eine bessere Streuweite oder effizienteren Schaden. Dazu gesellen sich ein paar Granaten, während alle anderen Arten von Gegenständen auf das Nötigste reduziert wurden. Es existiert nur eine Art Heilkraut, und nur wenige Schlüssel sind vorhanden. Andere Objekte fehlen völlig und Rätsel sind Mangelware. Ganz selten müsst ihr eine Art Schaltkreis überbrücken, indem ihr ein mickriges Denkspielpuzzle löst, oder mit einem Virus-Scanner Objekte untersuchen – Revelations ist rein spielerisch betrachtet definitiv kein Adventure mehr.
Somit ist es kaum verwunderlich, dass Capcom anscheinend recht viel Arbeit in den optionalen Raid-Modus gesteckt hat. Dort spaziert ihr entweder alleine oder mit einem zweiten Spieler (wahlweise über eine lokale oder eine Internet-Verbindung) durch Teilgebiete des Szenarios und müsst euch gegen eine bestimmte Anzahl von Monstern zur Wehr setzen. Einige von diesen sind besonders stark oder ausgesprochen schnell, was ihr anhand eines Symbol direkt neben der ebenfalls stets eingeblendeten Lebensenergieleiste erkennt. Ihr sammelt sowohl Münzen als auch eine Art Erfahrungspunkte, um neue Waffen sowie Upgrades für selbige zu erlangen.
Wo das Spiel in Sachen Abwechslung und Umfang Abstriche machen musste, da hat Capcom umso mehr Arbeit in die Synchronisationsarbeit einfließen lassen. Auf der Cartridge steckt nicht nur die englische Sprachausgabe, sondern auch eine tadellose deutsche – in Anbetracht der rauschfreien Wiedergabe eine beachtliche Leistung. Allgemein stimmt der Sound mit seinen dezenten Effekten sowie der professionell in Szene gesetzten Musik. Darüber hinaus gibt es massig vorgerenderte Zwischensequenzen – beim Drumherum hat sich Capcom wahrlich nicht lumpen lassen.
Der neue Stick
Abschließend noch ein Wort zur Steuerung: Resident Evil Revelations wird bekanntermaßen alleine sowie im Bundle mit dem Circle Pad Pro, einem zweiten Analog-Stick, verkauft. Dieses erledigt insofern gute Dienste, weil ihr prima vorwärts wie seitlich laufen und gleichzeitig um die eigene Achse drehen sowie rauf- und runterschauen könnt. Allerdings habe ich ein paar Minuten Gewöhnungszeit benötigt, weil ich mit dem zusätzlichen Pad ständig nach oben oder unten abrutschte und häufig auf die Decke anstatt geradeaus blickte. Ohne Circle Pad Pro steuert sich das Spiel auch nicht schlecht, nur müsst ihr für diverse Aktionen mehrere Knöpfe in Kombination drücken.