Das dynamische Duo ist zurück.
Chaos, Wahnsinn und Geniestreich in einem
Vergesst es: Ihr kriegt von mir keine Zusammenfassung der Geschichte. Ich müsste viel zu weit ausholen, um all die skurrilen Dinge vom größenwahnsinnigen Affen über das sprechende Gehirn und bis hin zur mannshohen Kakerlake, die im hiesigen Stinky-Restaurant als Koch beschäftigt ist, ausreichend zu würdigen. Stellt euch auf eine Tour de Force der Absurditäten ein, in denr die Handlung gerne mal wild zwischen verschiedenen Zeitpunkten springt sowie alternative Realitäten abhandelt. Kombiniert mit dem aberwitzigen Humor der Sam-&-Max-Reihe, die gewohnt nur so vor Zynismus und brillantem Schwachsinn trieft, ist Im Theater des Teufels Telltales erzählerisches Meisterwerk.
Nicht nur die Rahmenhandlung ist brillant, auch beim Konzept haben sich die Amerikaner sichtlich Mühe gegeben, etwas Neues zu finden. So besitzt Max erstmals ganz besondere Fähigkeiten, dank denen er sich z.B. zu einem Telefon teleportieren vermag (sofern er die Rufnummer kennt), sich in Gegenstände verwandeln kann (für die er ein Abbild benötigt) oder den perfekten Bauchredner mimt. Erneut würde es zu weit führen, die Gründe zu erklären, wie der kleine Hase an diese Kräfte heran kommt. Nur so viel: Er wird nicht gleich in der ersten Episode mit allen gegebenen Möglichkeiten konfrontiert, sondern lernt die meisten davon erst im späteren Spielverlauf kennen.
Kaum Blöße bei Umfang, Design und Präsentation
Skurril? Ach, nur ein wenig.....
Stichwort Episoden: Diesmal gibt es fünf Stück, die in Sachen Umfang keinen Grund zum Meckern geben sollten. Pro Episode benötigt ihr locker drei bis fünf Stunden, die Gesamtspieldauer ist für ein klassisches Adventure der heutigen Tage rekordverdächtig. Das Rätseldesign ist größtenteils herausragend und lebt ganz klar von dem Fähigkeiten-Schnickschnack. Trotz der überaus absurden Handlung ist die Nachvollziehbarkeit hoch. Der Begriff der “Logik“ wird freilich aufgrund der Thematik sehr weit gedehnt, jedoch gibt es ausreichend Tipps und Hinweise, wie ihr als Spieler zu denken habt.
Das Highlight ist die zweite Episode, in denen ihr die Vorahnen von Sam und Max steuert - mithilfe von vier zusammengehörenden Stummfilmrollen sowie einem magischen Filmprojektor (fragt nicht, fragt nicht…). Der Clou: Ihr könnt beliebig zwischen den Rollen und somit dem Zeitpunkt der Rückblende wechseln. An manchen Stellen kommt ihr erst dann weiter, wenn ihr wichtige Informationen aus einem anderen Zeitpunkt/einer anderen Filmrolle erfahren habt, weshalb das stetige Hin- und Her-“reisen“ notwendig ist.
Die letzten beiden Episoden bauen ein klein wenig in Sachen Erzählstruktur sowie Rätselqualität ab, sind aber immer noch besser als das meiste, was sich Telltale je zuvor ausgedacht hat. Insgesamt ist die Geschichte zwar höchst verwirrend und für Liebhaber des ernsten Dramas ein Graus, aber sie ist sowohl im Gesamten als auch Episode für Episode betrachtet erstaunlich stimmig. Im Vergleich zur Vorgänger-Saison blieb nur die Technik stehen: Erneut sind die Texturen eher schwach und die Animationen immerhin ganz fein. Die Musik ist kompetent und die Sprachausgabe speziell im englischen Original preiswürdig. Die deutsche Synchro kommt nicht ganz mit, egal ob bei Stimmwahl, Betonung oder Wortwitz, aber sie ist gut genug für all jene Spieler, die Probleme mit Fremdsprachen haben.