Musashis Papa Strikes Back
Ein Shinobi im Vormarsch.
Jiro Musashi hat sich den Abend ruhiger vorgestellt: Im Dojo mit seinem besten Freund sitzen, dabei ein kleines Kämpfchen abhalten – und schwupps, greifen Scharen feindlich gesinnter Ninjas sein Dorf an. Doch es bleibt nicht bei diesem Unglück: Ein paar Levels später reißt ihn eine Explosion aus dem 13. Jahrhundert in unsere Neuzeit. Plötzlich hat er es nicht mehr mit schwertschwingenden Schurken zu tun, sondern muss gegen das waffentechnisch hochmoderne Zeed-Imperium bestehen.
Anders ausgedrückt: Vergesst die Story gleich wieder. Jiro mag der Vater von Joe Musashi sein, der im legendären Shinobi sowie Super Shinobi den Helden spielte. Letztlich ist nur wichtig, dass ihr hier einen flinken Ninja durch acht Levels steuert, mit eurem Schwert selbst dicken Helikoptern Paroli bietet und im Doppelsprung ein halbes Dutzend Wurfklingen von euch werft. Rein konzeptionell ähnelt das neue Shinobi extrem seinen legendären Vorgängern. Selbst die Ninja-Magie ist wieder mit dabei, dank der ihr z.B. ein Schutzschild aufbauen oder eure Sprungkraft kurzfristig erhöhen könnt.
Kompetent und seelenlos
Blau ist die dominierende Farbe.
So viel Retrogunst gefällt mir alten Hasen natürlich sehr, nur wäre es mir lieber gewesen, man hätte diese konsequenterweise auch bei der Präsentation angewandt. Anstatt schicker Bitmaps sehe ich öde Polygone. Musashi und seine Widersacher sind somit zwar hübsch animiert, nur wirken sie mickrig und dürr. Auch die Hintergrundkulisse haut mich nicht vom Hocker: Dort dominiert entweder die Farbe rot (halbwegs fesch) oder blau (größtenteils langweilig). Die Levels hinterlassen einen austauschbaren und leeren Eindruck, der den Vorgängern nicht gerecht wird.
Ähnlich schaut es beim Spieldesign aus: Die Anordnungen der Plattformen und Gegner sind wohl überlegt, jedoch ohne große Besonderheiten garniert. Gleiches gilt für sämtliche Zwischen- sowie Endgegner: Das hat alles Hand und Fuß, aber kein Herz, wenn ich gegen dicke Samurais oder riesige Haifische (!) kämpfe. Der Gesamteindruck lässt sich am besten mit dem Wörtchen “nüchtern“ beschreiben. Einzig die 3D-Abschnitte sorgen für ein wenig Adrenalin, egal ob ich mit einem Pferd reite, auf der Schnellstraße von Autodach zu Autodach hüpfe oder mich in schwindelerregender Höhe auf dem Rücken eines Jets (!!) verteidige, inklusive passender Afterburner-Musik.
Harte Schule
Wo Shinobi klotzt anstatt kleckert, ist beim Schwierigkeitsgrad. Selbst in der einfachsten Stufe, in der euch unendlich viele Leben gegönnt werden, ist das Spiel knackig schwer. Das liegt zum einen an den sehr flott agierenden Gegnern, zum anderen an der arg pingeligen Kollisionsabfrage. Egal ob das feindliche Wurfmesser mein Herz trifft oder meinen linken Zeh streift: Der Energiepunkteabzug bleibt der gleiche. Zwar kann man solche Geschosse mit dem Säbel abwehren, jedoch müsst ihr die entsprechende Taste innerhalb eines mickrig kleinen Zeitfensters drücken, damit der Trick gelingt.