Interessanter Ansatz
Dank der fähigen Entwickler von Giants Software handelt es sich beim Skiregion-Simulator 2012 (SkiSi 2012) mal nicht um eine spielerische Katastrophe. Ganz im Gegenteil: Die Idee gefällt mir ausgesprochen gut! Ihr beginnt eure Karriere in einem Schweizer Skigebiet. Dort sollt ihr es zu etwas bringen, Geld scheffeln und die Touristen zufriedenstellen. Anfänglich verfügt ihr in einem ansehnlichen und sehr weitläufigen Tal über eine kleine Piste, auf der die Gäste der Region natürlich Skifahren können. Doch das muss für sie attraktiv genug sein. Und so schnappt ihr euch eure Pistenraupe, mit dieser räumt ihr den Schnee weg oder glättet ihn. Aber nicht genug: Mit eurem Startkapital seid ihr in der Lage, ganze Hotels zu kaufen, Imbissbuden zu errichten oder einen Skiverleih aus dem Boden zu stampfen. Ferner dürft ihr die Preise für den Skilift, die Piste oder eure touristischen Einrichtungen anpassen oder sie für eine bestimmte Zielgruppe (Familien, Paare, Senioren...) schmackhaft machen.
Der SkiSi 2012 besitzt noch weitere Elemente. Via Zufall erhaltet ihr Aufträge, die ihr erfüllen könnt, um weiteres Geld einzunehmen. Handtücher zu einem Hotel bringen? Salz auf die Straßen streuen? Einen verletzten Touri retten? Klar, die Herausforderungen wiederholen oder ähneln sich schnell, aber das ist akzeptabel. Suboptimal ist es allerdings, dass ihr auch Aufträge annehmt, obwohl ihr nicht die dafür nötigen Vehikel besitzt. Diese kauft ihr im Zentrum der fiktiven Alpenstadt, ganz in der Nähe eurer Gebäude. Habt ihr nicht ausreichend Mammon parat, nehmt ihr einen Kredit auf oder spult einfach die Zeit vor. Denn Kohle kassiert ihr automatisch, sobald die Skifahrer da sind. Spätestens nach einigen virtuell vergangenen Tagen, ganz ohne echte Arbeit, schnappt ihr euch Schneefräsen, einen Radlader, Schneekanonen oder Salzstreuer - samt praktischem Zubehör.
Nicht zu Ende gedacht
Obwohl ich den Ansatz neckisch finde, stellt mich der SkiSi 2012 nicht zufrieden. Ihr könnt beispielsweise keine Werbung betreiben, die Touristen kommen eher zufällig oder auf gut Glück in die Spielewelt. Zumindest könnt ihr dies weder direkt beeinflussen noch nachvollziehen. Dadurch verpufft der im Ansatz vorhandene Management-Aspekt des Spiels fast vollständig. Dazu gesellt sich besagte Zeitvorspul-Funktion, mit der ihr schnell mal nötiges Kleingeld sammelt, ohne irgendwas zu tun.
Das Problem, dass ihr nicht sofort erfüllbare Aufgaben annehmen könnt, zeigt auch, dass die Entwickler nicht weit gedacht haben. Vielleicht hätten sie dies auch in Form eines sinnvolleren Tutorials näherbringen können. Stattdessen gibt es im SkiSi 2012 Telefonzellen, in der ihr euch Informationen holt. Das ist zwar besser als bei manch anderem Simulator, aber noch lange kein guter Einstieg für Neulinge.
Und dann ist da die Technik. Sichtlich basiert der Titel auf der Engine vom Landwirtschafts-Simulator 2011. Folglich sehen die Schauplätze ordentlich, ja stellenweise sogar richtig schön aus. Der Ort des Geschehens wirkt authentisch, belebt und stimmungsvoll - wenn sich der Tag dem Ende neigt und überall die Lichter angehen. Angenehme Momente kann der SkiSi 2012 also erzeugen. Auch ist die Spielewelt recht groß und lädt zum Erkunden ein. Nur viel zu schnell fallen euch Ungereimtheiten auf: Ihr könnt durch die Skifahrer hindurch fahren, die Kollisionen zwischen Fahrzeugen sind unglaublich albern und hier und da stört die unpräzise Kollisionsabfrage. Wenn ihr mögt, düst ihr mit einem Schneemobil durch Bäume hindurch oder sorgt für sinnloses Chaos wie Staus in dem Dörfchen. Das hat nichts mehr mit Simulation oder gar Realismus zu tun. Ähnliche Phänomene könnt ihr beiläufig auch im aktuellen LaWi provozieren. Die eingangs erwähnten Dinge mögen witzig klingen - sind sie aber nicht!
Noch etwas...
Der Mehrspielermodus orientiert sich ebenfalls am LaWi. Ihr leitet gemeinsam und kooperativ die Skiregion, es existiert also kein Konkurrenzkampf. Schade eigentlich, schließlich hätte sich das hier angeboten. Wer besitzt zuerst das gesamte Skigebiet? Doch die Macher verzichteten auf das - genauso wie auf eine KI, die euch Paroli bietet.
Gibt es sonst noch etwas zu sagen? Nun, an vielen Ecken riecht es nach dem LaWi. Den PDA zur Orientierung übernahmen die Jungs von GIants genauso wie die eingängige Steuerung mittels Tastatur/Maus oder Xbox 360-Pad. Völlig anders ist natürlich das Szenario, das sogar verschiedene Witterungsverhältnisse bietet. Bei einem Spiel, in dem der Schnee elementar wichtig ist, macht das ja auch Sinn.