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Spec Ops: The Line

Yager Development
2K Games
Action
29.06.2012
k.A.
PC, Xbox 360, PS3
Gespielt von: alle ansehen
Tim agony
Bewertung
USK
  09.07.2012   0 Kommentare   763 Klicks
Spec Ops: The Line 8,3 3

Spec Ops: The Line Spieletest

Sand im Mündungslauf?

Ein Wüstensturm tobt durch das Emirat Dubai und begräbt nicht nur die Stadt unter einer dicken Sandschicht, sondern fegt auch noch Anstand, Moral und „good governance“ hinfort. Um zu retten, was zu retten ist, haben die USA vor einem halben Jahr die 33ste Division in das Krisengebiet geschickt. Leider ist der Kontakt abgebrochen, das Geschehene unklar. Was ist passiert? Als Captain Walker ist es eure Aufgabe, genau das herauszufinden.

Sand und Krieg

Auf nach Dubai.

Eine Rettungsmission. Die Sonne brennt, die Luft ist trocken, alle paar Momente zieht der Sandsturm auf, der Dubai begrub, und hüllt das Krisengebiet in gespenstisches Licht. Unser Trio setzt die Brillen auf, bindet sich einen Atemschutz um und versucht, dieser Hölle mit der Unterstützung treuer Ballermänner zu entkommen. Denn mit Ausnahme eurer Ballistika wisst ihr nie, wem ihr vertrauen könnt und wem nicht. Und so begebt ihr euch in den nachfolgenden zehn bis zwölf Stunden auf Spuren- und Ursachensuche des Konflikts in Dubai. Und da sind noch die Drahtzieher des neuen Terrorregimes, das im Wüsten-Eldorado errichtet wurde. „Moralische Abgründe“? „Spielentscheidende Entscheidungen“? Vieles, womit Spec Ops: The Line im Vorfeld von Publisher und Presse beworben und betitelt wurde, entpuppt sich binnen weniger Minuten als als Arsenal aus Worthülsen. „Anti-Kriegsspiel“? Träumt weiter.

Moral und Konsequenz

Bedrückendes Dubai.

99% der Zeit über ist Spec Ops: The Line nichts weiter als ein weiterer Vertreter der Ballerspiele. Schlimm? Schlecht? Nein, keineswegs. Moralische Entscheidungen sind mau. Beispiele lassen sich dennoch finden: Im letzten Spieldrittel erreicht ihr eine Brücke, an der zwei Menschen hängen. Lebendig. Jeder von ihnen wird von Scharfschützen ins Visier genommen. Der rechte der beiden Männer hat Wasser gestohlen. Im an H2O eh schon unterversorgten Dubai ein Kapitalverbrechen. Der linke ist Soldat und hat den rechten Mann aufspüren sollen. Dass er ihn zur Basis brachte, sehen wir. Daneben erschoss er aber auch die Familie des Wasserdiebes. Wen wollen wir retten? Nur einer der beiden wird überleben, so die Regel. Wie würdet ihr entscheiden? Wir versuchten mehrere Durchgänge, aber keine der Lösungen war wirklich „gut“ im Sinne einer moralisch einwandfreien Entscheidungen. So oder so hatten wir einen Menschen auf dem Gewissen. Selbst wenn diese Optionen das gewisse „Etwas“ ins Spiel einfließen lassen, sind sie doch mehr schmückendes Beiwerk. Auswirkungen auf den Verlauf der etwas knapp bemessenen Kampagne haben sie nicht. Und auch deshalb wird euch Spec Ops: The Line nicht vor vollkommen neue Situationen stellen, die euch über eure Handlungen reflektieren lassen. Nach wie vor gilt der Grundsatz: Alles was tot ist, macht keinen Ärger mehr und erleichtert so den Weg zum Ziel, einem Radiosender, von dem aus die Propaganda des Terrorregimes gesendet wird. Dahin verlaufen die meisten Missionen immer nach dem gleichen Muster: Umherlaufen, sich am Sand und den bunten Farben erfreuen, den Gegner erspähen, Deckung suchen, den Feind ins Jenseits befördern und weiter laufen. Die Intensität der Gefechte kann nicht über die Monotonie der Spielmechanik hinweg täuschen. Die wenigen Ausnahmen, in denen ihr allein unterwegs seid oder an der Bordkanone eines Helikopters mit Blei die Luft in Dubai schwängert, sind derart rar gesät, dass sie zumeist deplatziert wirken.

Die Story selbst vollzieht die selbe Kurve wie das Leveldesign. Zunächst wird euch nicht klar, welches Ziel ihr verfolgt, gegen wen ihr kämpft – und die drei Szenarien (Wüste; bunte Häuser; bunte Häuser, gefüllt mit Sand) erschöpfen sich recht schnell. Das Trio Infernale böllert und schimpft sich den Weg frei, wie man es auch zig anderen Produktionen kennt. Mit dem feinen Unterschied, dass der Hurra-Patriotismus auf ein gesundes Maß zurückgefahren wird. Wer dem ewigen Hin und Her, den ständigen Explosionen, Klonarmeen und generischen Zielen Ausdauer entgegensetzt, wird mit einem hervorragend inszenierten und spielerisch fordernden Finale beglückt, das die letzten eineinhalb bis zwei Stunden in Anspruch nimmt. Befriedigend wirkt das Ganze dennoch nicht. Zu austauschbar sind die meisten Inhalte, zu doll wird hier und da mit der Moralkeule geschwungen, ohne dass es euch auch nur im Entferntesten juckt, was das nun Abartiges auf dem Schirm passiert. Verbrannte Leichen? Ein von weißem Phosphor verätztes Kind, das sich an seine Mutter krallt? Um Gnade winselnde Zivilisten, die ganz ohne euer Zutun einfach nur niedergestreckt werden? Das passiert, das ist Konsolenkrieg. Und ohne hinreichende Hintergründe zum Konflikt bleibt das eine Momentaufnahme ohne Bedeutung. Für die Erfahrenden stellt sich eh die Frage: Weshalb soll ein mordendes Terrorregime schlimmer sein als die Despoten, die schon heute mit drakonischen Strafen ihr Gewaltmonopol gegenüber der Bevölkerung durchsetzen? Eben. Der König ist tot, lang lebe der König.

Ein paar Jahre zu spät

Und die Moral von der Geschicht'?

So ansprechend das Szenario hätte sein können (auch angesichts der Wucht der Grünen Revolution, die gerade über den Nahen Osten hinwegfegt), so sehr spiegelt sich das Thema in der Grafik wider: Auf den ersten Blick schön anzusehen und durchaus „anders“ als das Shooter-Einerlei großer Firmen, ist es bei genauerer Betrachtung doch altbekannt. Die Stärken der Unreal Engine 3 spielen die Entwickler von Yager nur während der Sandstürme aus, wo die Umgebung in grellsten Farben erstrahlt und die Kinnlade gen Boden fallen lässt. Ansonsten sind die Vorteile (atemberaubende Lichteffekte, stabile Framerate, hohe Sichtweite) und Nachteile (Texturenarmut, lange Ladezeiten, auf größere Distanzen sehr wenige Details) die gleichen wie bei fast allen anderen Titeln dieser Generation mit der Unreal Engine 3. Akustisch kann Spec Ops nie mit dem Primus Battlefield 3 mithalten, auch was die musikalische Untermalung anbelangt. Ja, in Dubai funkt ein Sender ständig Propaganda, unterbrochen von älterer Pop- und Rockmusik, aber muss ich als Spieler davon während intensiver Gefechte belästigt werden? Eher nicht, denn diese Einspieler wirken reichlich deplatziert. Die gefährlichsten Feinde auf dem Schlachtfeld sind derweil KI und Steuerung.

Die künstliche Intelligenz der Gegner ist zwar nicht sonderlich hoch, dafür die eurer Kombattanten verdammt niedrig. Während ihr also Deckung sucht und aus dieser heraus feuert, hier und da euren Kameraden Feuer- oder Blendbefehle gebt, feuern die ganz gerne mal ein ganzes Magazin in die Botanik oder ignorieren die Anweisungen. Tun sie dies nicht, stellen sie sich aufs offene Feld, wo sie dem Freitod durch Fremdeinwirkung herbeisehnen. Alternativ pirscht sich die gegnerische Armee an euch heran. Wo sie in der Ferne aber auf den Millimeter genau trifft und euch so zur Herabsetzung des Schwierigkeitsgrades drängt, trifft sie auf einen Meter keinen Ochsen mehr. Zusammen genommen führt dies zu kuriosen Szenen. Während euer Kamerad mit mehr als Nasenbluten fröhlich dem weißen Licht am Ende des dunklen Ganges entgegen sprintet, sitzen auf der anderen Seite eurer Deckung (nehmen wir zur Anschauung einfach mal eine Sitzbank) zwölf furchtbar gut gelaunte Soldaten, die Salutschüsse in der Horizontalen abgeben, aber nicht auf die Idee kommen würden, dass sie euch doch einfach einkreisen können. Zumeist ist alles stark geskriptet. Solltet ihr aufgrund der erdrückenden Dominanz des Feindes doch allzu oft ins Gras beißen, hilft ein Trick aus guten 2D-Shooter-Zeiten: Auswendig lernen. Alles läuft linear, vorhersehbar und immer gleich ab.

Habt ihr in eurem Gehirn alle fünfunddrölfzig Abläufe abgespeichert, macht die Steuerung gut und gerne einen Strich durch die Rechnung. Zwar klappen das Zielen und Bewegen in Grundzügen gut (positiv sei hier das Abbrechen eines Granatenwurfs erwähnt), doch in der Hitze des Gefechts ist sie einer der Hauptgründe, weshalb es euch dahinrafft. Extrembeispiel: Einer eurer Kameraden wird schwer verwundet und benötigt Hilfe. Auf dem Sprint zur Deckung, an der er kauert, haut ihr euch in selbige, um dem Beschuss durch den Gegner auszuweichen. Doch wenn ihr nun forsch dem Kameraden eine Vitameinspritze in den Bizeps rammen wollt, verlässt Captain Walker die Deckung und wird prompt von allen nur verfügbaren Feinden durchlöchert. Überlebt er die Blitz-OP, so braucht es wertvolle Sekundenbruchteile, um sich wieder in die Deckung hineinzudrehen und zu verschanzen. Überlebenschancen? Gehen gegen Null. Und so wird euch Spec Ops immer wieder zu animalischen Schreikrämpfen bringen.

Fazit - Spec Ops: The Line Spieletest

Daniel

Ein gelungener Shooter? Das weiß ich nicht. Die ersten Stunden frustete und langweilte mich Spec Ops: The Line gleichermaßen. Klar, in Dubai die Masse anonymer Feinde zu bekämpfen ist sicherlich etwas Neues - aber auch Aufregendes? Im Gegensatz zu den Hoffnungen im Vorfeld offenbart sich der Titel als ein durchkalkuliertes und unaufregendes Produkt, das die Moral nur als Verkaufsargument nutzt. Mitleid? Empathie? Reue? Fremd, auch in dieser Kriegswelt. Und so degradiert sich Spec Ops zu einem weiteren Vertreter der Ballerspiele, der nur im letzten Drittel überzeugt und kaum das Interesse für einen weiteren Spieldurchgang weckt.

Bewertung

Vorteile Nachteile
Frisch anmutende Schauplätze
Geradliniger Standard-Shooter
Zum Ende hin spannendere Geschichte
Szenarien nutzen sich schnell ab
Moralische Entscheidungen nur von geringer Bedeutung
Defizite bei der Steuerung
Bewertung

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