Der böse Zeitreisende
Mehrere Spideys in einem Game? Hatten wir das nicht erst? Stimmt, in Spider-Man: Dimensions! Darin durften wir gleich vier der Krabbler betreuen, die allerdings damals aus verschiedenen Universen stammten und somit untereinander keine temporären Anomalien auslösten. Dies ist in dem neuen Abenteuer anders: Zwar knüpfen wir darin nur in zwei unterschiedlichen Kostümen unsere Netze, dafür haben Aktionen in unserer Gegenwart aber Auswirkungen auf die Zukunft.
Schuld an der ganzen Misere ist der machtbesessene Wissenschaftler Walter Sloan, der aus dem Jahr 2099 in die Vergangenheit reist, um Veränderungen zu seinen Gunsten anzustoßen und in seiner Zeit zum Chef des Großkonzerns Alchemax aufzusteigen. Sein Plan sieht sogar die Tötung unserer rot-blau gekleideten Lieblingsspinne vor, doch zu dessen Glück mischt sich Miguel O'Hara, der Spider-Man aus der Zukunft, in das Geschehen ein. Nur gut, dass die beiden Helden dank des Zeitportals direkt miteinander kommunizieren und dadurch Hand in Hand gegen Sloan und seine Helfer vorgehen können.
Ursache und Wirkung
Die Handlung spielt zwar in zwei Zeiten, aber am selben Ort: Im riesigen Firmen-Gebäude von Alchemax. Dadurch passiert es im Verlauf des Action-Adventures immer wieder, dass sich eine Handlung in unserer Zeit direkt auf die Zukunft auswirkt: Peter lässt beispielsweise in der Gegenwart Gefahrengut-Tanks explodieren, wodurch Miguel von einem Moment auf den anderen plötzlich keiner tödlichen Strahlung mehr ausgesetzt ist. Mitverfolgen können wir diese Auswirkungen durch Bild-im-Bild-Einblendungen.
Dies klingt im ersten Moment aufregend und innovativ, ist es aber nicht wirklich. Denn Spider-Man: Edge of Time ist streng linear aufgebaut. Wir haben keinen Einfluss darauf, wann wir von einem Helden zum anderen wechseln und ebenso wenig liegt es in unserer Macht, das Ursache-Wirkungs-Prinzip irgendwie zu beeinflussen. Schade, gerade hier wäre mehr möglich gewesen und wurde von Entwickler Beenox viel kreatives Potential verspielt.
Unterwegs im Firmen-Komplex
So verkommt Spider-Man: Edge of Time zu einer geradlinigen Prügelorgie, bei der wir haufenweise Fuß-Soldaten vermöbeln und leuchtende Energie-Punkte einsammeln, für die wir Move-Upgrades für beide Spinnen bekommen. Immerhin: Die Kämpfe sind durchaus fordernd und blindes Button-Smashing führt bei der schieren Gegner-Übermacht oftmals nur dazu, dass wir an einem der zahlreichen Auto-Speicherpunkte von vorne beginnen müssen. Dazwischen laufen, klettern und schwingen wir durch Gänge, Räume, Schächte oder Fertigungshallen und vermeiden dabei den Kontakt mit Schussanlagen, Laserbarrieren und ähnlichen Krabbeltier-Killereinrichtungen.
Untermalt wird das Spielgeschehen zudem durch Schalterrätsel von der Stange, die ebenso eher unsere Daumen als unseren Verstand fordern. Sollten wir doch einmal nicht mehr weiter wissen, aktivieren wir per Knopfdruck unseren Spinnen-Sinn und bekommen den nächsten Ausgang angezeigt.
Straffe Inszenierung
So einseitig das Gameplay insgesamt ausfällt, so straff wurde es immerhin inszeniert. Uns bleiben nur wenig Atempausen, auch weil uns oftmals ein Countdown im Nacken hängt und wir unter Zeitdruck agieren. Die Geschichte geht flott voran und bietet einige dramatische Wendungen. Wir legen uns mit Anti-Venom, Doc Ock und Black Cat an und zwischenzeitlich tauschen die beiden Spinnen-Männer sogar ihre Plätze und kämpfen in der jeweils anderen Zeit. Nach acht bis zehn Stunden haben wir das Ende des Abenteuers erreicht und alle Beteiligten befinden sich wieder in der Zeit, in die sie gehören.
Optisch macht das Spiel einen guten Eindruck, allerdings sind wir fast immer in dunklen Räumen unterwegs und ist es mit der Fernsicht aufgrund des Szenarios nicht weit her. Die Kamera schaukelt einige Male mächtig hin und her und vor allem bei den Wandkrabbeleien geht gerne auch einmal ein wenig die Orientierung verloren.
Sehr gut gefallen haben mir die Frotzeleien, die sich der immer um einen flotten Spruch bemühte Peter Parker und sein ernsthafterer Zukunfts-Kollege im englischen Original um die Ohren hauen. Und auch Val Kilmer in seiner Sprechrolle als fieser Wissenschaftler liefert einen guten Job ab. Dies bekommen wir zwangsweise zu hören, da es keine deutsche Sprachausgabe gibt. Dafür steht zumindest ein optionaler deutscher Untertitel zur Verfügung, der aber oftmals in der Hektik des Geschehens ungelesen untergeht.