Lila, Tagebuch und so
Nicht so traurig, bald geht es dir wieder gut!
Die Videospielreihe rund um Project Zero (Fatal Frame) kennt der geneigte Survival Horror-Spieler sicherlich. Ist aber kein Wunder, denn seit 2002 kann uns das Prinzip der Geisterjagd mit einer mysteriösen Kamera begeistern bzw. erschrecken. Dass mit einer neuen Konsole auf keinen Fall ein neuer Ableger fehlen darf, ist klar. Und so hat uns Koei Tecmo mit Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch einen solchen hingeklatscht, denn anders kann man es schon kaum beschreiben. Statt sich nämlich auf das bewährte Konzept zu beschränken, wollte man die Möglichkeiten der Gyrosensorfunktion und der AR-Karten bis auf den letzten Tropfen ausschöpfen. Dabei hat man das Ganze aber nicht nur an sinnvollen Stellen verwendet, sondern generell und überhaupt, ständig und überall. Eigentlich besteht das Spiel nur aus den AR-Karten. Auch ein Tagebuch, was eigentlich aus Schrift bestehen sollte, verfügt nur über Bilder und verrät uns wenig. Aber gut, eine großartig umfassende und verzwickte Geschichte, wie wir sie aus der Hauptreihe kennen, passt eben nicht in das rund zehn Seiten starke Heftchen, welches uns übrigens zum Spiel mitgeliefert wird.
Zum Glück steht immer da, was ich machen muss
Per Eilsendung wurde uns als Spieler übrigens das ominöse Tagebuch zugesendet - ohne Absender, ohne Erklärungsschreiben oder irgendwelche sonstigen Hinweise auf seine Herkunft. Da statt schriftlichen Erklärungen nur merkwürdige Bilder auf den Seiten enthalten sind, schauen wir uns das Ganze natürlich genauer an. Zum Schaden unserer Person, denn prompt werden wir in das Tagebuch gesogen und streifen durch ein unheimliches Anwesen, wo wir nicht allein sind und geisterhafte Erscheinungen uns begegnen. Eine Klärung des Vorfalles gibt es leider nicht, denn schnell wird man wieder in die reale Welt geworfen. Aber nicht allein, denn ein hilfsbereites Geister-Mädchen namens Maya ist uns gefolgt. Obwohl sie sich nicht mehr an ihre Identität erinnern kann, weiß sie doch, dass die Frau in Schwarz sie eingesperrt hat und allen anderen „Bewohnern“ schreckliche Dinge antut... und plötzlich hören wir ein mehr als schreckliches Geräusch neben uns. Zum Glück haben wir da unsere Camera Obscura, die eigentlich unsichtbare Dinge darstellen kann....
Drehrumbum

Buch eingescannt und schon kommt das Elend - Toll.
Bewaffnet mit Fotoapparat samt magischer Linse geht unser Abenteuer also los, denn immerhin müssen wir doch das Geheimnis lüften. Und nein, es ist nicht das gleiche, welches Harry Potter..ähm... Daniel Radcliffe in „The Woman in Black“ herausfand. Nachdem uns Maya einige Sachen über das mysteriöse Anwesen erzählt hat, ein paar gruselige Geräusche aus den Nintendo 3DS-Lautsprechern getönt sind, müssen wir uns der primären Aufgabe widmen: Es gilt nämlich, das beiliegende Büchlein mit der Nintendo 3DS-Kamera einzuscannen. Reagieren dabei zwei Ringe, muss man diese per Gyrosensor zusammenführen und schon geht die Story weiter. Meistens erscheint ein Geist, der uns nicht wirklich wohlgesonnen ist. In seltenen Augenblicken jedoch darf man auch solche Rätsel lösen, die innerhalb weniger Sekunden vollkommen klar sind und keine Knobelstimmung aufkommen lassen. Einziges „Highlight“ sind da die wenigen Momente, in denen die Linse der Kamera geändert werden muss. Manchmal kann man nämlich die Zeit zurückdrehen, einen lilafarbenen Nebel vertreiben oder die Dunkelheit bezwingen.
Diese Elemente sind jedoch für die Kampfpassagen kaum von Belang, da es hier einfach nur darauf ankommt, den Gegner ins Visier zu nehmen, die Energiebar sich auffüllen zu lassen und sobald der Ring rot leuchtet, den R- oder L-Trigger zu betätigen. Achja, vor unserer schieren Waffengewalt rennen die Frechdachse natürlich weg und wir müssen den netten Hilfspfeilen folgen. Allerdings benötigt ihr hier gar keine Buttons, sondern könnt euch einfach im Kreis drehen und schon sitzt er auf der Mikrowelle, auf der Couch oder kommt euch vom TV entgegen. Denn dank der AR-Karten in unserem reellen Tagebuch, finden die Kämpfe nicht wirklich im Handheld statt, sondern werden vielmehr in unser Leben transportiert. Und das ist neben dem ständigen Rumgeblättere, dem ewigen im Kreisgedrehe und den immer gleichen Aufgaben auch ein großer Kritikpunkt. Wie soll Horrorspannung entstehen, wenn ich mich in meiner mir bekannten Umgebung befinde und die winzigen Figuren alles andere als realistisch aussehen? Hinzu kommt, dass sich Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch kaum im Dunkeln spielen lässt, da sonst die eingebaute Kamera die AR-Karten nicht mehr lesen kann...
Falls ihr nach der dürftigen Story dennoch nicht genug vom Spiel habt, dürft ihr nach dem ersten Durchspielen ein erweitertes Spiel starten. Bis auf einen etwas härteren Schwierigkeitsgrad und ein paar Hintergrunddetails zu Maya gibt es nichts Neues zu entdecken. Die freischaltbaren Kostüme wurden übrigens aus der europäischen Version entfernt. Ebenfalls gibt es auch noch ergänzendene Minispiele, bei welchen ihr gegen euch oder eine fotografierte Person kämpfen könnt, mysteriöse Begebenheiten in eurer Umgebung aufdeckt oder einfach ein paar Puzzles löst. Spannend ist das nicht wirklich. Das trifft übrigens zusätzlich auf die Grafik zu, die eher zweckmäßig ist. Die Synchronisation ist manchmal etwas holprig bzw. setzt bei zu schnellem Durchklicken der Story komplett aus. Und der 3D-Effekt ist naja... wieso man ihn aktiviert haben sollte, weiß ich nicht. Mal etwas am Rande: Der vor dem Launch des Spiels veröffentlichte Kurzfilm zu Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch ist übrigens grusliger als das Spiel und erzählt sogar ein bisschen was zur Vorgeschichte.