
Rückblende auf das Jahr 1998: Die Computerspielszene wird von Echtzeit-Strategie-Spielen überhäuft. Monatlich erscheinen neue Vertreter und orientieren sich an Wegbereitern wie ”Command & Conquer”, ”Age of Empires“ sowie ”WarCraft“. Aus der Masse der Neuerscheinungen stechen nur wenige Programme heraus, und unter denen kristallisiert sich vor allem ”StarCraft“ aus dem Hause Blizzard als Besonderheit heraus. Das schnelle Gameplay, die drei perfekt ausbalancierten Rassen und eine spannend erzählte Kampagne machen das Spiel zu einem Klassiker, das mit seinem umfangreichen Mehrspielermodus nebenbei auch noch die Salonfähigkeit des E-Sports einleitet. Überall auf der Welt werden plötzlich ”StarCraft“-Turniere ausgetragen – und in Südkorea wird das Spiel gar populärer als so manch „echte“ Sportart!
Zurück in die Gegenwart: Im Jahre 2010 herrscht Katerstimmung im Echtzeit-Strategie-Genre. Das einst populäre Spielprinzip macht meist nur noch mit ideenlosen Neuauflagen auf sich aufmerksam, die niemanden mehr begeistern können. Vorzeigeserien wie ”Command & Conquer“ oder die ”Age of“-Spiele können nicht mehr überzeugen oder wurden bereits eingestellt. Unter diesen denkbar schlechten Vorzeichen veröffentlicht Blizzard ”StarCraft II – Wings of Liberty“ und beweist auf beeindruckende Art und Weise, das ein bewährtes, leicht zugängliches und perfekt ausbalanciertes Gameplay jegliche halbgare Innovation in die Schranken verweisen kann.
Die Br(a)ut ist zurück

”Wings of Liberty“ markiert den Anfang einer sich vermutlich über drei Teile ziehenden Geschichte, die den erneuten Konflikt zwischen den aus dem Vorgänger bekannten Rassen – den Terranern, den Protoss und den Zerg – erzählt. Vier Jahre nach der Abwehr der letzten großen Zerg-Invasion sitzt der Kriegsveteran Jim Raynor in einer Bar auf einem abgelegenen Planeten und überlegt, wie er dem korrupten Treiben seines einstigen Weggefährten und jetzigen Imperators der Terranischen Liga, Arturus Mengsk, ein Ende bereiten kann. In diese Gedanken platzt ein weiterer alter Bekannter, der Sträfling Tychus Findley, der im Auftrag der ominösen Möbius Foundation nach Artefakten einer alten Alien-Rasse namens Xel-Naga suchen soll. Für diese interessieren sich aber offensichtlich auch die Zerg, die unter ihrer Anführerin, der Königin der Klingen, zum Angriff auf die Terraner blasen. Da es sich bei dieser gemeingefährlichen Dame um die alte Flamme von Raynor, Sarah Kerrigan, handelt, die nach einem Verrat von Mengsk von den Zerg gefangen und mutiert wurde, wird der aufkommende Krieg für Raynor zur persönlichen Angelegenheit. Und weil die Protoss auch nicht lange auf sich warten lassen, da sie vom Kampf gegen ihre zergische Erzfeinde angetrieben werden, findet sich der Spieler in der Rolle von Raynor in kürzester Zeit im schönsten Mehrfrontenkrieg wieder.
”StarCraft“-Neulinge mögen angesichts der zahlreichen, aus dem Vorgänger bekannten Charaktere und Zusammenhänge verzagen und mutmaßen, sie würden in ”Wings of Liberty“ überhaupt nichts mehr verstehen. Doch die Entwickler fassen sowohl im ansonsten recht dürftig ausgefallenen Handbuch als auch während der Spielinstallation die wichtigsten Ereignisse aus der Vergangenheit für jedermann zusammen. Damit finden sich auch diejenigen in der umfangreichen Handlung von ”Wings of Liberty“ schnell zurecht, die keinen der beiden Vorgänger gespielt oder die Ereignisse im Verlauf der letzten Jahre schlichtweg vergessen haben.
Klasse Masse mit einer Rasse

Im Gegensatz zum ersten ”StarCraft“ erzählt ”Wings of Liberty“ die Geschichte ausschließlich aus der Sicht von einer Person, nämlich Jim Raynor. Das hat zur Folge, dass bis auf einige kleine Sonderaufträge nur die Geschicke der Terraner gelenkt werden können. Was sich wie ein herber Schlag für Fans des ehemaligen Dreigestirns – oder sogar wie Geldmacherei im Hinblick auf bereits angekündigte Folgeepisoden – anhört, wiegt angesichts des Umfangs der Kampagne weit weniger schwer. In fast dreißig Einzelmissionen trifft Raynor mit seiner ständig wachsenden Streitmacht wahlweise auf Anhänger seines Erzfeindes Mengsk, auf sich rasend schnell ausbreitende Zerghorden, auf technologisch hoch entwickelte Protoss – oder auch mal auf alle gleichzeitig! Der Abwechslungsreichtum der einzelnen Aufträge setzt dabei neue Standards im Genre: Einheitskost der Marke „Zerstöre die Basis des Gegners“ ist Mangelware! Vielmehr gilt es unter anderem eine Epidemie auf einem Planeten einzudämmen, Kolonisten vor einem alles zerstörenden Protoss-Schlachtschiff zu bewahren oder sich mittels eines riesigen Lasers durch meterdicken Mauern eines Tempels zu fräsen, um an das dahinter verborgene Artefakt zu gelangen. Hinzu kommen zahlreiche Bonusziele, deren Erfüllung wertvolle Forschungspunkte oder Credits einbringen, die ihr wiederum zwischen den Missionen in nützliche Dinge investiert - doch dazu später mehr.
Nicht nur die Tatsache, dass es vier Schwierigkeitsgrade gibt (die sich vor jedem Auftrag auch ändern lassen), trägt zur enormen Spielbarkeit und Motivation während der Kampagne bei. Blizzard nimmt den Spieler anfangs sachte an die Hand und schickt ihn mit nur wenigen Einheiten in kleine Scharmützel. Nach und nach werden die Anforderungen höher: Man übt sich im Basenbau und Ressourcenmanagement, plant eine möglichst lückenlose Verteidigung, lernt die verschiedenen Einheiten effektiv gegen die verschiedenen Gegnertypen einzusetzen und sieht sich schließlich mit der gleichzeitigen Bewältigung verschiedener Einsatzziele konfrontiert. Dabei fühlt man sich nie überfordert, sondern wächst förmlich mit seinen Aufgaben. Absolute Genre-Neulinge können sich zudem in kurzen, aber hilfreichen Tutoriallektionen die Grundzüge der Bedienung und des Spielablaufs erklären lassen.
Bewährtes schlägt Innovation
Es ist der grundlegende Spielablauf von ”Wings of Liberty“, der eigentlich die größte Kritik verdient hätte, denn der hat sich zum zwölf Jahre alten Vorgänger so gut wie nicht verändert. Es gilt die Rohstoffe Mineralien und Vespingas abzubauen, damit die eigene Basis mit Produktionsgebäuden sowie Verteidigungsanlagen auszubauen und nebenbei eine schlagkräftige Armee zusammenzustellen. Und wie schon in ”StarCraft“ werden gemütliche Naturen wenig Erfolg haben, denn auch ”Wings of Liberty“ setzt auf schnelle Gefechte. Nur wenn ihr offensiv vorgeht, dann werdet ihr später über den Gegnern Herr. Kurz gesagt: Wer den Vorgänger kennt, der fühlt sich sofort zu Hause, zumal auch noch die Bedienungselemente und Bildschirmanzeigen vom ersten ”StarCraft“ fast deckungsgleich übernommen wurden. Große Innovationen sind also Fehlanzeige...
...was allerdings überhaupt nichts ausmacht, denn das Bewährte überzeugt auf ganzer Linie und wurde von Blizzard zudem auf eine Art und Weise umgesetzt, die im Echtzeit-Strategie-Genre ihresgleichen sucht. ”Wings of Liberty“ erzählt seine Handlung nicht nur während den Einsätzen, sondern auch durch zahlreiche Zwischensequenzen und Gespräche. Ein Großteil davon findet auf Raynor’s Raumschiff, der „Hyperion“, statt, auf der man zwischen verschiedenen Stationen wechselt und dabei immer wieder auf unterschiedliche Charaktere sowie Ereignisse trifft. Das Ganze erinnert an gute, alte ”Wing Commander“-Zeiten, wobei Blizzard auf echte Filmsequenzen verzichtet und stattdessen weitgehend den gleichen Grafikstil wie in den Missionen verwendet. Das Resultat ist ein Spiel wie aus einem Guss, bei dem sich packende Einsätze mit spannenden Handlungssträngen abwechseln und das damit hochgradig motiviert.
So viel zu tun

Doch es sind nicht nur die abwechslungsreichen Missionen und die grandios erzählte Geschichte, die einen bei ”Wings of Liberty“ nicht mehr loslassen. Es sind die kreativen Kleinigkeiten, die den Spieler auch abseits der temporeichen Schlachten bei Laune halten. Da wären die bereits erwähnten Forschungspunkte und Credits, deren Verwendung den Spielablauf nachhaltig beeinflussen können. Forschungspunkte erhält man durch das Aufsammeln von Relikte oder sterblichen Überresten während der Missionen. Im Labor der „Hyperion“ investiert ihr sie dann auf zwei Technologiebäume – einer Protoss und einer Zerg – zur Freischaltung von Verbesserungen oder neuen Einheiten. Damit können zum Beispiel die terranischen Bunker mit einer Dachkanone bestückt werden, oder in der Kaserne lässt sich die starke, Raubkatzen-artige Predator-Infanterieeinheit rekrutieren. Bei jedem neu erreichten Rang muss sich der Spieler allerdings entscheiden, denn es kann immer nur eine Technologie erforscht werden.
Auch die Credits, die für jeden erfüllten Auftrag kassiert werden, können die eigenen Truppen oder Bauwerke verbessern. Mit der Barschaft lässt sich die Reichweite von Geschütztürmen erweitern, Abwehrschilder für sonst eher wehrlose Space Marines besorgen oder die ohnehin starken Gladiator-Walker mit der Fähigkeit ausstatten, Luft- und Bodeneinheiten gleichzeitig anzugreifen. Wer will, der kann sich mit dem Geld auch die Gefolgschaft von unterschiedlichen Söldnertrupps erkaufen, die wiederum im Kampfgeschehen zur Unterstützung gerufen werden können. Dahinter verbergen sich besonders starke Elite-Truppen, die unter bestimmten Umständen das Schlachtenglück entscheidend beeinflussen können.
Neben solch Spiel relevanten Elementen könnt ihr aber auch einfach auf der „Hyperion“ ein bisschen Zeit totschlagen: Der Fernsehsender in der Schiffsmesse bringt herrlich propagandistisch verzerrte Nachrichten über den Kriegsverlauf, Dr. Stettman forscht im Labor an einem Zerg-Embryo herum und ein voll funktionstüchtiger Arcade-Automat mit dem für Blizzard-Fans bezeichnenden Namen ”Lost Viking“ lädt zu einer Runde Retro-Vertikal-Shooting ein. Wer sich hingegen lieber eine der schier unzähligen Trophäen verdienen möchte, kann komfortabel auf das Missionsarchiv zugreifen und jeden schon bestandenen Einsatz nochmals – unter verschärften Bedingungen – angehen. Mit all dem Beiwerk sorgt Blizzard somit schon allein in der Kampagne für stundenlangen Spielspaß, doch da wäre ja noch der ebenso umfangreiche und für viele noch wichtigere Multiplayer-Modus zu nennen.
Alles beim Alten?
Die folgenden Absätze über den Multiplayer-Part stammen von Robin Schweiger.
Im Gegensatz zur Kampagne sind die Änderungen im Mehrspielermodus gegenüber dem Vorgänger eher subtil. Über allem steht das Balancing: Ist eine Einheit überflüssig, zu stark oder zu schwach wird sie entweder so lange verändert, bis sie perfekt in das Spiel hineinpasst oder entfernt. So bekommt man in der Kampagne alte Bekannte wie den Goliath oder den Feuerfresser zu Gesicht, während sie in normalen Multiplayerspielen nicht mehr aufzufinden sind. Ein weiteres Beispiel wäre bei den Terranern ein neuer Mech namens Thor. Zu Beginn als Artillerie vorgesehen, dann zur Lufteinheit verändert, kann er nun beides und stellt in etwa die Bodenvariante des Schweren Kreuzers dar.
Startet ihr das erste Mal den Mehrspielermodus, habt ihr zunächst die Wahl, ob ihr in einer Übungsliga spielen wollt. Dort werden eure Siege und Niederlagen nicht bewertet, so dass ihr in Ruhe Taktiken und Vorgehensweisen für die verschiedenen Rassen entwickeln könnt. Denn im Gegensatz zu den Terranern, mit denen ihr euch nach und nach in der Kampagne vertraut machen könnt, werdet ihr bei den Protoss und Zerg förmlich ins kalte Wasser geschmissen. Wer keine Lust auf Übungspartien gegen die KI hat, der kann sich so, ohne Angst haben zu müssen gegen andere Anfänger sein Rating zu versauen, die Feinheiten der verschiedenen Spielweisen aneignen. Habt ihr diese Liga dann erst einmal verlassen (das passiert entweder nach maximal 50 Spielen automatisch oder einfach per Mausklick), könnt ihr euch ins rege Ranglistentreiben stürzen. Dort werdet ihr für jedes einzelne eurer Spiele bewertet, steigt Bestenlisten auf und bekommt Gegner zugeordnet, die ungefähr in eurer „Gewichtsklasse“ liegen.
Als Alternative dazu gibt es natürlich auch die „eigenen Spiele“ in “Starcraft 2“. Dies sind ungewertete Partien, bei denen man Freunde einladen sowie selbst Regeln und Maps bestimmen darf. Bereits jetzt sehr ist das sogenannte „Tower Defense“. Dabei handelt es sich um Maps, die von Moddern mit dem mitgelieferten Karteneditor erstellt wurden. Dieser ist im Vergleich zu “Starcraft“ und “Warcraft 3“ noch einmal sehr viel umfangreicher geworden, so dass wenig Zweifel daran besteht, dass man auch in 2 Jahren neue Spielmodi, Karten und Einheiten finden dürfte.
Der Kampf gegen das Battle.net
Das neue Battle.net bietet außerdem etliche neue Optionen, um mit seinen Freunden in Kontakt zu treten. So verwendet ihr für jedes neue Spiel von Blizzard – völlig egal ob “Diablo 3“, “World Of Warcraft“ oder “Starcraft 2“ – den gleichen Account. Das heißt, dass eure Freundesliste immer auf dem aktuellsten Stand ist, weil sie jeweils in das Spiel importiert wird. Kürzlich implementiert wurde der Cross-Game Chat: Damit könnt ihr mit einem Freund, der gerade “World Of Warcraft“ spielt, chatten, während man selbst ein Match in “Starcraft 2“ austrägt. Auf etwas weniger Gegenliebe stößt das sogenannte Real-ID-System. Alle eure Freunde werden in eurer Freundesliste mit vollem Vor- und Nachnamen angezeigt. Für Leute, die solcherlei Dinge gerne privat halten möchten, gibt es hier keine Alternative.
Das ist jedoch leider nicht der einzige Kompromiss den man eingehen muss. Den LAN-Modus hat Blizzard komplett aus dem Spiel entfernt – jede Mehrspielerpartie muss nun über das Internet geführt werden. Während das kein allzu großes Problem darstellen sollte, weil man auch über das Battle.net eigene Spiele erstellen kann und es an Internetzugängen heutzutage nicht mehr mangeln sollte, ist der sogenannte Regionlock ein wirklich großes Ärgernis. Während ihr in “Starcraft 1“ bei jedem Start des Mehrspielermodus wählen konntet, ob ihr euch beim europäischen, asiatischen oder amerikanischen Server einwählen wollt, übernimmt dies nun das Spiel selbst. Somit können Käufer der EU-Version nicht mit Amerikanern oder Asiaten spielen. Um das zu tun müsstet ihr euch “Starcraft 2“ etwa aus den USA beziehungsweise Asien importieren. Das ist nicht nur in Anbetracht dessen dumm, dass gerade im heutigen digitalen Zeitalter viele Freundschaften weit über die eigenen Landesgrenzen hinausgehen. Top-Spieler aus den USA haben so keine Möglichkeit sich regulär etwa mit Südkoreanern zu messen – den unangefochtenen Meistern von “Starcraft“.
Das Spiel an sich dagegen ist ausbalanciert wie eh und je. Durch die Kampagne hat man mit den Terranern, die gleichzeitig auch die klassischste der drei Rassen ist, schon ein wenig Übung und ist mit den Einheiten vertraut, weshalb diese bisher online auch am meisten vertreten sind. Die Protoss stellen in etwa die gute Mitte dar, d.h. sie sind weder zu anspruchsvoll, noch so Einsteiger freundlich wie die Terraner. Sie konzentrieren sich auf die Produktion weniger, aber dafür umso effektivere Einheiten. Deshalb ist das Micromanagement (also das Verwalten der einzelnen Einheiten) nicht so schwer zu beherrschen wie bei der dritten Klasse, den Zerg. Bei diesen tummeln sich nämlich schon nach wenigen Spielminuten dutzende Einheiten auf dem Bildschirm. Weil die Arbeiter sich selbst in die Gebäude verwandeln und danach nicht mehr zur Verfügung stehen, muss man hier jeden einzelnen Klick und jede verbrauchte Ressource zwei Mal überdenken. Durch die vielen individuellen Fähigkeiten der Einheiten solltet ihr sie zu jeder Sekunde im Auge haben, damit ihr sie effektiv nutzt. Das macht die Zerg einerseits zu der am schwierigsten zu spielenden, andererseits aber unter fähigen Händen zu einer sehr starken Rasse.
Wie auch im Einzelspielermodus gibt es etliche Erfolge zu holen, die ihr in eurem Battle.net-Profil ausstellen und damit vor euren Freunden protzen könnt. Wem das stetige Aufsteigen in verschiedenen Ligen und Bestenlisten noch nicht reicht, bekommt hier also noch einen zusätzlichen Motivationsschub serviert.
Weltraum mit Stil
Noch ein paar Worte über die Präsentation, diesmal wider verfasst von Sebastian Schmucker
Vor dem Fazit bleibt noch der Blick auf die Technik, und auch da gibt sich Blizzard keine Blöße. Die Spielgrafik kann man zwar nicht als zeitgemäß bezeichnen, was aber durch die abwechslungsreichen Karten und das rundherum gelungene Gebäude- und Einheitendesign wettgemacht wird. Außerdem werden die schnellen Gefechte mittels durchaus sehenswerter Explosionen und herumfliegenden Teilen schick in Szene gesetzt. Die Zwischensequenzen fügen sich wie bereits erwähnt stilistisch perfekt in das Geschehen ein und werden noch durch zusätzliche Rendersequenzen in gewohnter Blizzard-Qualität unterstützt, was für verzückte Blicke sorgt.
Musikalisch setzen die Entwickler überwiegend auf orchestrale Untermalung, die meist gut zum Geschehen passt. Ab und zu werden diese mit Country-Klängen gemischt, an die man sich erst dann gewöhnt, wenn „Space Cowboy“ Jim Raynor zum vertrauten Begleiter geworden ist. Wer von diesem Musikstil aber nicht genug kriegt, möge mit der Jukebox in der Schiffsmesse herumspielen und dabei sogar auf ein waschechtes Elvis-Cover stoßen. Besondere Erwähnung verdient noch die hervorragende deutsche Vertonung und Übersetzung von ”Wings of Liberty“. Diese geht so weit, dass sogar jedes Schild und jeder Zettel ins Deutsche übertragen wurde.
Enttäuschend verlief bei unserem Test hingegen die Suche nach größeren Macken: Bis auf ein paar wenige Wegfindungsprobleme und einigen an Felsen hängen gebliebenen Einheiten hat Blizzard ein fehlerfreies Produkt abgeliefert, was in der heutigen Zeit leider nicht mehr selbstverständlich ist. Es sei hier aber die flapsige Bemerkung gestattet, dass den Damen und Herren Entwickler hierfür auch immerhin zwölf Jahre Optimierungszeit zur Verfügung gestanden haben…
Fazit Sebastian: Gestatten, neue Blizzard-Fanboy!
Ich habe so meine Probleme mit Blizzard: Die meisten ihrer Spiele sind zweifellos gut, für mich aber maßlos überbewertet. Mir war es unbegreiflich, welcher Hype sich um diese Firma in der Vergangenheit aufgebaut hat. Einzige Ausnahme war ”StarCraft“, das ich rundum gelungen fand und immer mal wieder gerne aus der Mottenkiste gezogen habe. Trotzdem war Blizzard für mich eine Firma, die keine Experimente wagt und Innovationen scheut, es aber trotzdem versteht, ihre Produkte geschickt zu vermarkten.
Mit ”StarCraft II – Wings of Liberty“ befürchte ich, dass ich den Nordamerikanern nun auch auf den Leim gegangen bin. So muss ich doch zugeben, dass mich in letzter Zeit selten ein Spiel so auf Anhieb gefesselt und begeistert hat. Dabei zeigt es all die typischen Blizzard-Eigenschaften: Innovationen sucht man mit der Lupe, die Technik reißt keine Bäume aus und Experimente im Spielablauf sind nicht vorhanden. Nur was macht das schon aus, wenn man dafür eine phänomenale Spielbarkeit, vor Abwechslung strotzende Aufträge und eine in diesem Genre konkurrenzlose Inszenierung bekommt – ganz zu schweigen vom Umfang des Spiels, der in der Kombination aus der Kampagne und dem Mehrspielermodus für monatelange Spielspaß sorgen dürfte.
Natürlich ist es schade, dass ich als Einzelspieler nur die Terraner spielen darf, doch kam bei mir nie das Gefühl auf, Blizzard hätte hier eine abgespeckte Version des ursprünglich geplanten Spiels abgeliefert. Im Gegenteil gewann ich den Eindruck, dass die Entwickler mit viel Liebe und Begeisterung an ihr Universum gegangen sind, um es noch dichter und detailreicher zu gestalten – und daher irgendwann im Laufe der Zeit auf die Idee kamen, jeder Rasse sein eigenes Spiel zu geben.
Ob Blizzard die generelle Flaute im Echtzeit-Strategie-Bereich nachhaltig beenden kann, bleibt abzuwarten. ”StarCraft II – Wings of Liberty“ ist ein Manifest dafür, wie viel Spaß in dem an sich schon abgeschriebenen Genre noch stecken vermag. Der dabei einhergehende Verzicht auf großartige Neuerungen deutet möglicherweise darauf hin, dass die Echtzeit-Strategie diese auch nicht braucht. Viel wichtiger scheint zu sein, dass mehr Spiele vom Schlag eines ”Wings of Liberty“ erscheinen, die Bewährtes in eine opulente, motivierende und für jedermann zugängliche Verpackung stecken und somit immer wieder begeistern können. Wenn der Erfolg von Blizzard in diesem Prinzip steckt, dann haben sie mich mit ”Wings of Liberty“ offensichtlich bekehrt.
Fazit Robin:
Dass sich “Starcraft 2: Wings Of Liberty“ ohne Probleme die RTS-Krone aufziehen konnte, davon war schon lange auszugehen. Mit was für einem meilenweiten Abstand das Spiel aber an seiner Konkurrenz vorbeizieht, ist ohne Frage beeindruckend. Die Unterschiede zwischen dem Einzel- und Mehrspielermodus machen das am deutlichsten. Während in jedem anderen Strategiespiel Einheiten, die zu stark oder zu schwach für professionelle Matches sind, rigoros aus dem kompletten Spiel entfernt werden, hat Blizzard schlicht und einfach beide Modi als komplett eigenständige Werke entwickelt. Passt eine Einheit nur in einige Einzelspielermissionen, dann wird sie eben nur dafür entwickelt – ein Arbeitsaufwand, den kaum ein anderer Entwickler bereit ist, auf sich zu nehmen (hier auch ein kleiner Gruß an EA und “Command & Conquer“).
Die Kampagne bietet dutzende Stunden Spielspaß, dank optionaler Missionsziele und Erfolge ist der Wiederspielwert hoch. Die Geschichte motiviert, die Charaktere werden herausragend porträtiert und die Zwischensequenzen sorgen, wie bei Blizzard üblich, für wahre Begeisterungsstürme. Hat man davon dann erst einmal genug gesehen, geht “Starcraft 2“ erst richtig los – im Mehrspielermodus. Dank der verschiedenen Rassen und einem Einheitenbalancing in Perfektion werden euch hier potenziell hunderte Stunden an Spielspaß geboten, die euch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit bis zum Release des ersten Add-Ons - “Heart Of The Swarm“ – beschäftigen werden. Völlig egal ob Strategiefan oder nicht – wer einen auch nur ansatzweise Spiele tauglichen PC sein Eigen nennt, der muss bei “Starcraft 2: Wings Of Liberty“ zuschlagen.