Einzelspielerfreuden?
Diese Gesellen sollte man sicher nicht zu einem Kaffeekränzchen einladen.
Da sich das Geschehen diesmal nicht nur on-, sondern auch offline abspielt, haben die Entwickler der Santa Monica Studios an einer kleinen Geschichte gearbeitet: Wie so häufig in traurigen Zukunftsvisionen, gehen der Menschheit die Ressourcen aus. Um den Rohstoffhunger zu stillen, reisen unsere Nachfahren zu den Sternen und bauen dort „Rift“ ab, eine Art Universalmineral, das man zur Herstellung aller möglichen Güter verwenden kann. Doof nur, dass jene, die mit der leuchtenden Substanz direkt in Kontakt kommen, zu hässlichen Kreaturen mutieren. Unzählige Jahre später machen diese „Rifter“ einen nicht unerheblichen Teil der humanen Gesamtbevölkerung aus, sodass sie ihre eigene Kaste bilden. Das passt den „normalen“ Terranern [sic!] so rein gar nicht in den Kram, weshalb der Krieg der Sterne ausgerufen wird.
Ihr ahnt es: Auf Seiten einer der beiden Fraktionen zieht ihr ins Gefecht und müsst den Gegner dezimieren. Der Solospieler-Teil soll hierbei der doch recht flachen Storyline etwas Tiefe verleihen. Wie? Das wissen wir nicht, mit Details hält man sich zurück. Entgegen dem spielerischen Trend von Resistance 3 oder Killzone 3 bietet Starhawk weitläufige, frei begehbare Areale, auf denen ihr euch austoben könnt. Die Besonderheit dabei: Statt die gesamte Umgebung in Schutt und Asche zu legen, sammelt ihr in entsprechend markierten Gebieten durch eure schiere Anwesenheit Rift-Energie, die ihr dann in Gebäudestrukturen investiert. So wird aus dem kargen Schlachtfeld mitten in der Pampa nach wenigen Spielminuten eine vor Festungsanlagen strotzende Todeszone.
Fordert ihr ein Gebäude an, fällt das nur Sekunden später vom Himmel – die Ausrichtung und Position bestimmt ihr mit simplen Stickbefehlen. Einschränkungen beim Bauen gibt es nur, wenn das Zielareal zu klein oder das Gefälle zu steil sein sollte. Anstatt euch mit einer unnötig ausufernden Auswahl an Gebäuden zu erschlagen, integrierten die Entwickler für jeden Zweck nur genau eine Konstruktion. Mauern, eine Garage für Bodenvehikel, ein Gebäude für die automatische Abwehr, einen vom Spieler zu besetzenden Plasmaturm, eine Startplattform für Flugzeuge und ein Munitionsdepot sind genug, um sich strategische Vorteile zu verschaffen.
Neben der Geschichte ist auch nichts Konkretes über den Umfang der Einzelspielerkampagne oder eine möglicherweise dritte Fraktion bekannt.
Mehrspielergaudi
Schlecht sieht der Titel bisher nicht aus.
Auch wenn die Santa Monica Studios Solospielern ihre Kampagne spendieren, liegt der Fokus von Starhawk ganz klar auf dem Mehrspielermodus. Die „Private Beta“, an der wir teilnahmen, beinhaltet zwei altbekannte Spielmodi: In Capture the Flag gilt es, die feindliche Basis zu stürmen, die Flagge der gegnerischen Fraktion zu stibitzen und in die eigene Festung zu bringen. Umgekehrt muss das Spielerteam dafür sorgen, dass das eigene Fähnchen nicht entwendet wird. Die zweite Spielart ist das klassische Team Deathmatch – durch die Kante rennen und alles ummähen, was über den Schirm kriecht und als Feind zu identifizieren ist. Gewonnen hat jenes Team, welches eine bestimmte Zahl von Punkten innerhalb eines festgelegten Zeitlimit erreicht, oder die meisten Abschüsse nach Ablauf dieser Zeit verzeichnet.
Taktischen Tiefgang erhalten die Mehrspielergefechte ebenfalls durch das Bauen der Gebäude – wobei deren Limit auf 32 Strukturen pro Team beschränkt ist. Wie oben beschrieben, sammelt ihr auch hier Rift-Energie und investiert diese in Befestigungen. Kommunikationstürme erlauben es, nach dem virtuellen Ableben an einem beliebigen Punkt auf der Karte neu einzusteigen. Mauern verhindern, dass die Gegner in Scharen die eigene Basis stürmen; MG-Türme sichern das Gelände automatisch, Garagen beherbergen Vehikel wie Jeeps oder die titelgebenden Starhawks. Diese sind gigantische Roboter, die sich auf Knopfdruck in Flugzeuge verwandeln können und alles vernichten, was sich ihnen in den Weg stellt.
Eine spaßige Angelegenheit? Nein, denn bislang machen die Spielmodi als auch die zwei integrierten Karten nur einen halbgaren Eindruck. Generell empfinden wir, dass das Spieltempo ruhig höher sein könnte – insbesondere das Sammeln der Rift-Energie dauert viel zu lange. Bis die ersten strategisch entscheidenden Strukturen auf der Karte platziert sind, hat der Gegner frech grinsend schon ein paar Mal das eigene Fähnchen nach Hause getragen oder unserem Team mit seinen Bleigeschossen eingeheizt. Bei den zu knappen Zeitlimits gewinnt deshalb zumeist das Team, das stupides Hit & Run [sic!] in die Tat umsetzt.
Woran die Entwickler noch feilen sollten, ist das Waffenbalancing. Normale Knarren sind viel zu durchschlagkräftig, Scharfschützengewehre ziehen zu wenig Lebensenergie ab. Und wer einen der unkaputtbaren Starhawks vor sich auf dem Schirm sieht, darf schon mal leise „Servus“ sagen und sich Gedanken darüber machen, wo er gerne als nächstes spawnen würde. Die Karten Acid Sea und Space sind nett gestaltet, bieten aber nicht jene Überraschungen wie die Maps aus Kassenschlagern wie Battlefield 3 – die Designer begnügten sich damit, eine recht einfache Struktur zu spiegeln. So spielt es kaum eine Rolle, auf welcher Seite ihr dem Match übersteht, zumal sich die Fraktionen hinsichtlich ihres Arsenals und der Gebäude nicht voneinander unterscheiden. Mehr Mut hätte dem Konzept sicher kaum geschadet.
Wen die Technik interessiert: Starhawk ist attraktiv und farbenfroh. Ein außergewöhnliches Design sucht ihr hingegen vergeblich. Alles was ihr im Spiel findet, könnte so auch aus einer Semesterarbeit der Hochschule für Design stammen, bei der das Thema „08/15-Science-Fiction“ wäre. Mit gerade einmal 720p und 30 Bildern pro Sekunde sowie teils arg matschigen Texturen ist da auch noch eine ganze Menge Luft nach oben, um technisch zu Call of Duty und Konsorten aufzuschließen. Während der Sound unspektakulär aus den Boxen schallt und eine präzise Abmischung wie in Battlefield 3 vermissen lässt, gehen die Steuerungsmechaniken vollkommen in Ordnung. Angetan zeigten wir uns vom flotten Ringmenü zum Auswählen der Gebäudestrukturen und der problemlosen Platzierung selbiger.
Ausblick
Fast unkpauttbar. Es fehlt noch an der Balance.
Starhawk sieht interessant aus, ist aber noch kein garantierter Hit. Das Spielprinzip selbst, so revolutionär es auch von Sony verkauft wird, kennen PC-Spieler bereits zur Genüge. Uprising (1998) und Battlezone 2 (2000) boten eine ähnliche Mechanik aus Bauen und Morden, scheiterten aber an der unausgegorenen Balance und dem behäbigem Tempo. Die Mehrspielerpartien in Starhawk mit maximal 32 Spielern leiden noch unter vielen kleinen Problemen, die den Titel schnell wieder in der Versenkung verschwinden lassen könnten. Wozu soll ich beispielsweise ausharren, Rift sammeln und versuchen, meine Basis mit Mauern und anderen Konstruktionen befestigen, wenn ich in der gleichen Zeit (mehrmals) schnurstracks in die feindliche Basis latschen und dort alles niederschießen oder die Flagge stehlen könnte? Hier wird nicht derjenige belohnt, der das eigentliche Spielkonzept konsequent verfolgt, sondern dem einen Vorteil verschafft, der darauf pfeift. Hinzukommen einzelne Verbindungsprobleme, zu hohe Latenzzeiten sowie Waffen, die entweder zu mächtig oder zu schwach sind. Von den Starhawks wollen wir noch gar nicht sprechen – die metallenen Superadler sind so gut wie unzerstörbar und garantieren den schnellen Bildschirmtod des Alter Egos. Zusammengenommen mit dem noch schwachen Kartendesign ist Starhawk im jetzigen Stadium ein unscheinbarer, unspektakulärer Shooter mit einer guten Idee, bei der es aber an Feintuning mangelt. Santa Monica Studios müssen das Ruder in den verbliebenen Monaten mächtig rumreißen, um der PS3-Gemeinde Argumente an die Hand zu geben, weshalb man diesem Titel Platzhirschen wie Battlefield 3 oder Call of Duty – Modern Warfare 3 vorziehen sollte.