Aufbau einer Abtei
Auch ich habe mich als Kenner des zehn Jahre alten ersten Teils zunächst durchaus über die Ankündigung und Veröffentlichung von Stronghold 3 gefreut. Wieder mal ein paar Burgen bauen, mich um das Wohlergehen meiner Bevölkerung kümmern und feindliche Einheiten abwehren machte schließlich schon damals Spaß. Und zumindest das Hauptmenü macht durchaus Hoffnung, dass es auch im neuen Teil wieder so sein wird.
Wir haben die Wahl zwischen einer Wirtschafts- und einer Militär-Kampagne: Im erstgenannten Modus geht es darum, eine Abtei neu aufzubauen, wozu wir vor allem eines brauchen: Ressourcen. In mehreren Missionen bauen wir in klassischer Manier eine Siedlung auf, wofür vor allem Steine, Holz und Lebensmittel benötigt werden. Da aber beispielsweise Brot nicht auf den Bäumen wächst, benötigen wir eine Herstellungskette vom Kornfeld über den Bauernhof und Mühle bis hin zur Bäckerei, um den Hunger unserer Bevölkerung zu stillen. Und da wir je nach Aufgabe von Missernten, Seuchen, wilden Tieren oder einer im Hintergrund tickenden Uhr in unserer Tätigkeit behindert werden, werden zudem Soldaten, Apotheker und ein logischer Aufbau der Siedlung benötigt, um die Mission mit Erfolg abzuschließen und der Fertigstellung der Abtei einen Schritt näherzukommen. Dies alles ist nicht nur äußerst fordernd, sondern grundsätzlich auch sehr spannend und unterhaltsam.
Kämpfe & Belagerungen
Blicken wir rüber zur Militär-Kampagne: Darin herrscht Krieg: Wir wurden in unserer eigenen Festung angegriffen und es ist unser Job, die schweren Verluste auszugleichen und zum Gegenschlag auszuholen. Im Grunde spielt sich dies ähnlich wie die Wirtschafts-Mission, da wir auch hier Soldaten ausbilden und versorgen müssen. Allerdings kommt es zu häufigeren und größeren Schlachten inklusive der finalen Belagerung der feindlichen Burg.
Wer sich dafür nicht erst durch die gesamte Militär-Kampagne kämpfen will, ist beim Burgbelagerungs-Modus gut aufgehoben. Entweder schlüpfen wir in die Rüstung des Angreifers, der mit einer großen Armee eine bekannte europäische Festung (u.a. die Wartburg) einnehmen möchte oder wir platzieren als Verteidiger der Burgen unsere wenigen Einheiten so auf den Mauern, das ein Eindringen nicht möglich wird. Und schließlich bietet Stronghold 3 allen Einzelspielern auch noch einen freien Modus, in dem wir auf leider lediglich zwei Karten ohne Zielvorgaben Siedlungen bzw. Burgen bauen dürfen.
Mäßige Optik & fehlende Online-Modi
Wer sich hingegen für Mehrspieler-Schlachten interessiert, darf sich auf drei unterschiedliche Spiel-Modi freuen, in denen er sich mit drei anderen Spielern im Clinch befindet. Zumindest theoretisch, da selbst nach mehreren Patches noch immer zwei der drei Modi fehlen. Lediglich das Deathmatch ist möglich, bei dem es darauf ankommt, als erster eine Siedlung samt Burg aufzubauen. Ob Kingmaker und Capture-the-Flag noch folgen? Ich bin mir nicht sicher, da auf den Stronghold 3-Servern schon jetzt gähnende Leere herrscht.
Trotz des Multiplayer-Mankos hat Stronghold 3 also durchaus einen annehmbaren Umfang zu bieten. Gerade so annehmbar möchte ich auch die Präsentation bezeichnen, denn die versprochene „erstklassige Grafik“ konnte ich seltsamerweise nicht entdecken. Wo uns andere Titel mit aufwendigen Renderfilmchen in das Szenario einführen, begnügen sich die Stronghold 3-Macher mit der Einblendung eher mäßig gut gezeichneter Schwarz-Weiß-Malereien. Anschließend wird es zwar bunter, dafür sind die Texturen aber fast so matschig und verschwommen wie die zuvor gesehenen Bleistift-Kritzeleien. Auch sonst herrscht ziemliche Detailarmut im Stronghold-Land, was mit Wettereffekten sowie Tag- und Nacht-Wechseln nur notdürftig kaschiert wird.
Wo laufen sie denn?
Was soll’s, Grafik ist schließlich nicht alles. Als Strategiefan kommt es einem ja eh mehr auf die geistige Herausforderung an. Und die ist auch da, allerdings anders als erhofft: Denn die K.I. eurer und auch der feindlichen Truppen kann einem mächtig auf den Geist gehen! Bauern und Arbeiter, die den Dienst verweigern, Soldaten, die im Schneckentempo agieren oder gänzlich tatenlos zusehen, wie ein Wolfsrudel die halbe Dorfbevölkerung niedermetzelt und Speerwerfer, die zuerst zu blöd sind, die Treppe zur Burgmauer hochzulaufen und anschließend mit gezogenem Dolch wieder hinunterrennen, anstatt ihrer eigentlichen Berufung nachzugehen. Was an dem Begriff „Speerwerfer“ haben die nicht verstanden?
Sind es nicht die K.I.-Aussetzer, dann ist es die Steuerung, die für Missverständnisse sorgt. Sie ist lahm und ungenau ausgefallen, so dass sich die Truppen allein deswegen oftmals völlig falsch verhalten.
Wackliges Mauerwerk
Okay, wenn sich hier schon alle aufführen wie bei einem Generalstreik im Staate Griechenland, dann muss einfach eine uneinnehmbare Festung her. Gut gedacht, aber von den Firefly Studios erneut nicht gut gemacht. Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, eine lückenlose Mauer hochzuziehen. Und wenn dann noch ein Turm oder eine Treppe (die von euren Truppen auch als eine solche erkannt wird) eingefügt werden soll, brauchen wir schon seeehr viel Geduld und Versuche, um zu einem annehmbaren Ergebnis zu gelangen.
Auch sonst leidet Stronghold 3 unter akutem Bug-Befall. Und dies trotz der bereits erwähnten Patches. Hier ein paar Eindrücke, die ich in einer einzigen, mehrstündigen Spiele-Session gesammelt habe: Kühe grasen in Gebäuden anstatt auf der Wiese, Wölfe kraxeln Leitern hoch, Truppen laufen das eine Mal durch mühsam hochgezogene Wände, finden aber das nächste Mal nicht den Weg durch ein Tor. Dies alles lässt sich noch mit belustigend bzw. leicht ärgerlich beschreiben, doch spätestens, wenn einem das gesamte Spiel zum wiederholten Male abstürzt und anschließend der letzte Speicherstand mal wieder nicht geladen werden kann, dann ist selbst der geduldigste Spieletester am Ende seiner Geduld angelangt.