
Was einst eine kleine Nische im Markt der Computerspiele war, ist heute eine beliebte Gelddruckmaschine geworden. Der MMO-Markt boomt und auf der Gamescom 2010 schien jeder zweite Titel etwas vom World-of-Warcraft-Kuchen abschneiden zu wollen. Die meisten Spiele versuchen nicht einmal besonders anders als der restliche Einheitsbrei zu wirken. Die Konsequenz waren Elfenohren so weit das Auge reichte. Man möge mir also meine voreingenommene Haltung verzeihen, als ich den Stand des Berliner Publishers Frogster betrat und um von PR Manager und Ex- Giga-Moderator Philipp Senkbeil ihren neuesten Abo-Titel präsentiert zu bekommen. Umso erstaunter war ich schließlich, als ich ein verblüffend innovatives Spielkonzept zu Gesicht bekam.
Außen hui und innen…auch?
Fangen wir mit dem ersten Eindruck an: Die Optik von T.E.R.A. ist beeindruckend! Basierend auf der Unreal-3-Engine schafft das Entwickler-Team der Bluehole Studios eine fantastische Spielwelt, die sofort zu überzeugen weiß. Zugegeben mutet es ein wenig wie Aion an: überdimensionale Waffen, wohlproportionierte, leichtbekleidete weibliche Charaktere, knuffig-drollige Rassen sowie atemberaubende Städte und Landschaften. Allerdings sieht alles einen Tick besser aus als bei der Konkurrenz von NCSoft. Besonders angetan bin ich von den Nadelbäumen, die erstaunlich realistisch anmuten. Trotz der Grafikpracht verspricht Frogster, dass T.E.R.A. auch auf vier Jahre alten Rechnern laufen soll.
Das Optik allein noch lange kein gutes MMO ausmacht, wissen auch die Berliner und gehen deshalb mit der Steuerung neue Wege: Anstelle des genretypischen Anklickens der Gegner und routiniertem Abfeuern der Fähigkeiten, verzichtet T.E.R.A. komplett auf den Mauszeiger. Stattdessen steuert ihr euren Helden wie in einem Actiontitel direkt und könnt so bei Bedarf auch problemlos auf ein Gamepad wechseln. Entscheidend ist dabei die Position eurer Gegner: Weicht das Ziel euren Attacken und Zaubern aus, verpuffen diese ins Leere. Dadurch ermöglichen sich völlig neue strategische Elemente, die geschickten Spielern einen Vorteil verschaffen. Hoffen wir, dass diese Art der Steuerung auch intuitiv umgesetzt wird.
Zum Anführer geboren
Die meisten MMOs verzichten auf Kollisionsabfrage zu Gunsten der Spielbarkeit. In T.E.R.A. wird es außerhalb von Städten möglich sein, Gegner und andere Spieler zu blockieren. Es ist damit auch nicht mehr möglich, einfach durch die Gegner hindurch zu rennen, um sich so geschickt hinter ihnen zu platzieren. Besonders interessant könnte dieses Feature im PvP werden, wenn rüstungsstarke Krieger Stoffträger vor den Klingen der Gegner abschirmen. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass so auch kein gezielter Angriff durch die verbündeten Reihen mehr möglich ist. Dass die Kollisionsabfrage in Städten deaktiviert ist, soll schlicht und einfach verhindern, dass Eingänge und ganze Wege blockiert werden.
Besonders interessant scheint das politische System von T.E.R.A. zu werden: Jeder Hauptstadt sind diverse Dörfer untergeordnet, die Vanarchen als Anführer haben. Diese dürft ihr alle paar Monate aus euren eigenen Reihen wählen. Die frisch ernannten Vanarchen wählen schließlich den Exarchen, den Anführer ihrer Hauptstadt. Wie genau sich das als Spieler anfühlen wird und ob ihr dadurch besondere Fähigkeit erhaltet, hat Frogster bisher noch nicht verraten.
Der Rest des Spiels deckt ab, was MMO-Spieler heutzutage mehr oder weniger erwarten: sechs verschiedene Rassen und eine hohe Maximalstufe von 60, die komplett durch Quests erreichbar ist. Diese werden sogar ähnlich wie bei Star Wars: The Old Republic mit Cutscenes versüßt. Es gibt eine offene Welt mit sowohl offenen als auch instanzierten Dungeons, Gildenhäusern, ein Handwerks-System, Gruppen und Schlachtzüge. Reisen tut ihr per Pedes oder auf dem Rücken eines Pegasus, der vorgegebene Routen entlang fliegt. Die mittlerweile obligatorisch gewordenen Achievements können euren Helden sogar dauerhaft verbessern.
Ausblick
Frogster will es wissen: Nach ihrem Free-to-Play-Hit Runes of Magic wagen sich die Berliner nun ins heiß umkämpfte Abo-Schlachtfeld. Dass hier nicht unbedarft vorgegangen wird, zeigen die zahlreichen Innovationen und Neuerungen, mit denen T.E.R.A. 2011 ins Feld ziehen wird. Kollisionsabfrage, Action-Steuerung, Politik und brillante Grafik lassen eine gewisse Erwartungshaltung zu, die vielen Konkurrenz-Produkten am Horizont nicht vergönnt ist. Andererseits sollte der kritische Spieler nicht vergessen, dass es sich hierbei um die Portierung eines koreanischen Grinders handelt, der für den westlichen Markt adaptiert wird. Doch ist immerhin genau das die Spezialität von Frogster, wie die vier Millionen Spieler von Runes of Magic eindrucksvoll beweisen.
Es wird also spannend im Wettrennen um die Gunst der MMORPG-Spieler: 2011 erscheinen neben T.E.R.A. heiß erwartete Titel wie Guild Wars 2 und Biowares Star Wars: The Old Republic. Frogster hat es jedenfalls über Nacht geschafft, die Zwickmühle für Online-Helden größer zu machen. Wer sich von Elfenohren nicht abschrecken lässt, sollte jedenfalls die Lauscher aufstellen, wenn sich die Pforten von T.E.R.A. öffnen. Bei all dem Konkurrenz-Druck scheint sich nur einer zurückzulehnen und genüsslich zuzusehen, wie die kleinen ganz groß werden wollen. Denn mit Cataclysm erscheint ebenfalls 2011 ein weiteres Add-On aus dem Hause Blizzard, um die 14 Millionen Spieler von World of Warcraft erneut bis auf weiteres an sich zu binden.