Puh!
Vorweg muss ich meckern. Nintendo ist mutig, Tetris 3DS für knapp 30 Euro zu verkaufen. Zig Modi und 3D-Optik hin oder her - wir reden über ein über 20 Jahre altes Spiel, welches es kostenlos im Internet in 1000-facher Ausführung zu finden gibt. Oder auf dem iPhone für 79 Cent als App. Es wäre eventuell angemessener gewesen, dieses Werk als eShop-Titel für vielleicht 10 Euro zu verkaufen. Zumindest hätte dies nicht für Verwunderung über die seltsame und in meinen Augen unpassende Veröffentlichungspolitik Nintendos gesorgt.
Sei’s drum. Vielleicht seid ihr anderer Meinung, wenn ihr erfahrt, was Tetris 3DS so zu bieten hat. Unter anderem eine verwirrende Menüführung. Bis ihr euch mit dieser anfreundet, vergehen sicher etliche Minuten. Von einer intuitiven Auswahl der Herausforderungen kann leider nicht die Rede sein. Doof. Aber auch hier könnt ihr ein Auge zudrücken, denn das Spiel hat tatsächlich eine Menge zu bieten. Den Anfang macht das Endlosspiel, bei dem ihr wie im Original unendlich lange Reihen komplettiert und der Schwierigkeitsgrad fortlaufend steigt. Alternativ tretet ihr gegen 10 Computergegner an, wobei schon der erste Kontrahent nicht ganz ohne ist und euch schnell unter Druck stellt. Hier gesellen sich noch Survival (bis zum bitteren Ende) und Fieber (verkleinertes Spielfeld) hinzu.
Habt ihr euch warm gespielt, könnt ihr euch an den unzähligen anderen Aufgaben versuchen. Ganze neun Party-Modi servieren euch die Entwickler, darunter sind ein paar ziemlich durchgeknallte Aufgaben. Bei Fit setzt ihr Blöcke mit Bedacht in bestimmte Löcher. Und bei Levelrunner geht’s sehr rasant zur Sache. In Puzzle müsst ihr...tja...puzzeln eben. Die Ideen sind in jedem Fall witzig und bringen die erwünschte Zerstreuung, keine Frage. Völlig ausgebrannt ist die Tetris-Grundidee also noch lange nicht.
Mehr! Mehr!
Ihr wollt mehr? Kein Problem! In den AR-Spielmodi könnt ihr Tetris quasi auf eurem Schreibtisch spielen - dank der AR-Karte, die dem 3DS beiliegt. Das ist echt seltsam, funktioniert bei guten Lichtverhältnissen aber prima und kann Außenstehende beeindrucken. Internetkämpfe kamen bei meinen Versuchen auch sofort zustande, genügend Leute haben sich offenbar schon Tetris 3DS gekauft. Hier geht ihr gegen drei andere Leute vor - auf Wunsch gegen eure Freunde. Besonders launig ist das Knobeln dann, wenn die Bonusgegenstände zum Einsatz kommen. Tauscht auf Knopfdruck mit dem Spielfeld eines Gegners oder ärgert ihn mit sich verändernden Blöcken. Witzig! Abgerundet wird das Tetris-Paket mit lokalen Modi gegen andere Tetris 3DS-Spieler in der nahen Umgebung. Oder ihr startet ein 3DS Download-Spiel, bei dem ihr nur ein Modul benötigt. Immerhin habt ihr hier die Wahl zwischen drei Tetris-Abarten.
Nintendo bewirbt Tetris 3DS zwar damit, dass neue Spielinhalte über SpotPass gratis folgen, bisher ist aber noch nichts Neues verfügbar. Das kommt wohl später? Hoffentlich.
3D oder was?
Persönlich beeindruckt mich der 3D-Effekt von Tetris 3DS überhaupt nicht. Sicher, eine gewisse räumliche Perspektive ist erkennbar, aber das war’s auch schon. Auf Dauer strengt das Bild eh an, vor allem wenn ihr eure Handheldkonsole häufiger etwas bewegt. Dadurch seid ihr gezwungen, den 3D-Effekt zu senken oder ganz abzuschalten. Und schon verpufft der vermeintliche Vorteil des Spiels. Wenigstens ist der Rest okay: Die Grafik ist für ein Tetris in Ordnung, manche animierten Hintergründe sogar hübsch. Und viele Melodien sorgen für akustische Vielfalt. Schade übrigens, dass ihr die Analogstick-Scheibe nicht für das Steuern der Blöcke verwenden dürft, diese ist nur zum Drehen der Kamera gedacht. Und das ist irgendwie Quatsch.