Die Entwickler von den Teotl Studios hatten so etwas wie Glück, als sie bei Epics Wettbewerb „$1.000.000 Make Something Unreal“ teilnahmen. Sie gewannen den zweiten Platz mit ihrer Unreal Tournament-Modifikation The Ball, und der Weg ins professionelle Spielebusiness war prompt geebnet. Mit Unterstützung von Tripwire Interactive, die mit Red Orchestra ihre Karriere ebenfalls dank Epic Games begannen, wird nun im Oktober ein vollwertiges Spiel basierend auf der Ball-Mod herauskommen - via Steam für vermutlich knapp 20-30 Euro.
Ein Ball, ihn zu ROLLEN
Obwohl The Ball zu Beginn wie ein Mix aus Geschicklichkeits- und Denkspiel aussieht, steckt weit mehr in dem Titel. Beispielsweise spendierte das schwedische Studio dem Titel eine richtige Geschichte. Unser Held stürzt bei archäologischen Arbeiten dummerweise in einen Stollen, in dem er sich erst einmal zurechtfinden muss. Seine Kollegen wollen ihn erst später herausholen, folglich bleibt ihm genügend Zeit, die unterirdischen Anlagen genauer zu erkunden. Und welch Überraschung: Er findet die Überreste einer seltsamen Hochkultur, ganz im Stil der Mayas und Inkas. Der Unterschied ist allerdings, dass diese anscheinend einen gewaltigen Ball anbeteten - und als sie dieses nicht mehr taten, waren sie dem Untergang geweiht. Der Protagonist denkt sich dabei nicht viel, als er diesen riesigen Ball selbst entdeckt - inklusive einer Art Waffe, mit der er diese Kugel eingeschränkt kontrollieren kann.
Etwas unkonventionell ist sicher, dass ihr The Ball genauso wie einen typischen Ego-Shooter spielt. Aus der Ich-Perspektive wandert ihr durch die facettenreich gestalteten Schauplätze, die schon in der Beta-Version einen grafisch mehr als nur soliden Eindruck hinterlassen. Die Besonderheit ist, dass ihr die riesige Murmel unter anderem dazu benötigt, um Knobel-Herausforderungen zu lösen. Mittels eines seltsamen Hammers könnt ihr das Kugelding entweder wegstoßen oder an euch heranziehen. Daher navigiert ihr es stets indirekt, um es gegen Wände zu schießen, Schalter zu aktivieren oder es als Gewicht zu verwenden. Das ist überaus reizvoll, denn ab der zweiten der acht Welten werden die Herausforderungen ordentlich knifflig und anspruchsvoll. Dazu kommt, dass ihr den Ball niemals verlieren dürft bzw. ihn immer mitnehmen müsst, egal welche Hindernisse euch erwarten.
Coole Ideen
Während es zu Beginn noch recht behäbig zur Sache geht und ihr quasi die Möglichkeiten der Kugel spielerisch erlernt, nimmt The Ball bereits in der Vorschau-Fassung recht schnell an Fahrt auf. Denn später kommen Mumien oder Gorillas dazu, die ihr mithilfe eures seltsamen Objektes bezwingen müsst. Sogar ein unterirdischer Zug lässt sich nutzen, mittels zahlreicher Verstecke schaltet ihr obendrein Achievements über Steam frei. Ausgesprochen intelligent sind die Rätsel inszeniert, bei denen Physik-Spielereien im Vordergrund stehen. So spielen Gravitation, Magnetismus oder das Überwinden von Höhenunterschieden große Rollen, letztendlich geht es aber immer darum, Schalter zu aktivieren und Ausgänge aufzustöbern. Trotzdem gefällt das Puzzle-Design gut, zumal die Action nicht zu kurz kommt. Ein Kampfsystem im klassischen Sinne gibt es nicht, denn einzig mit dem Ball erlegt ihr eure Feinde. Auch das ist irgendwie amüsant und eben mal was anderes.
Allein die Singleplayer-Kampagne wird laut offiziellen Aussagen sechs Stunden Spielspaß bieten, zusätzlich dürft ihr euch an einem Survival-Modus mit vier Levels versuchen. Hier tretet ihr direkt gegen riesigen Monstren an, darunter einen ekeligen Wurm. In der Beta konnte dies nicht so recht überzeugen, denn die Steuerung ist etwas verwirrend und das Geschehen auf dem Bildschirm zu chaotisch.
Ordentliche Technik

Wie bereits angedeutet, ist The Ball grafisch nicht übel. Zwar erkennt man an jeder Ecke die Unreal 3-Grafikengine mit ihren typischen Texturendarstellungen, jedoch mangelte es den Entwicklern nicht an Ideenreichtum für die Ausgestaltung der Abschnitte. Zudem flutscht das Spiel wunderbar über den Bildschirm, sofern man mindestens einen DualCore-Prozessor samt vernünftiger Grafikkarte besitzt. Die Physik-Effekte sind glaubwürdig inszeniert, sprich nett und absolut solide. Weniger schön dagegen ist, dass The Ball derzeit noch richtig große Spielmomente vermissen lässt. Genauso ist die deutsche Sprachausgabe eher lächerlich anstatt gelungen. Die Figuren sprechen zwar ohne Dialekt, betonen aber trotzdem quasi alles vollkommen falsch. Hoffen wir einfach, dass die Synchronsprecher noch komplett ersetzt werden. Und wenn ich schon dabei bin: Ich würde es begrüßen, wenn die Kugel nicht regelmäßig transparent ausschaut. Das macht bei engen Tunnelanlagen zwar Sinn, schließlich wird es dadurch übersichtlicher… schön sieht es allerdings nicht aus.
Ausblick: Interessant!
The Ball ist mal was anderes. Die Spielidee, bei der ihr euren Ball durch eine mysteriöse Welt innerhalb eines riesigen Berges steuert, ist witzig und in der Preview-Fassung soweit gelungen. Ich bin mir recht sicher, dass sogar Egoshooter-Fans auf ihre Kosten kommen können, denn zum einen erhalten sie ihre favorisierte Ansicht, zum anderen sind die Rätsel offenbar nicht außergewöhnlich schwer. Hinzu gesellt sich eine attraktive Optik und ein völlig ausreichender Umfang für ein Spiel im mittleren Preissegment. Es spricht aktuell nicht viel gegen einen „guten“ Genrevertreter, für den sich Geschicklichkeits- und Action- Liebhaber gleichermaßen begeistern könnten.