Gewalt steht auf der Tagesordnung.
Es ist mal wieder so einer der üblichen Tage im Leben des Mafiabosses Jackie Estacado. Er will sich gerade bei Wein, Weib und Gesang entspannen, als die Hölle ausbricht. Ein paar Unbekannte stürmen das Restaurant, mähen alles nieder und Jackie wird von seinem Kumpel Vinnie aus der Schusslinie gezerrt. Natürlich mischt Jackie auch mit und erledigt ein paar Killer mit seinen beiden Pistolen...um kurz danach eine Vision von seinem Widersacher zu bekommen. Für Jackie, dem Träger der "Finsternis", beginnt ein Abenteuer, das ihn an den Rand des Wahnsinns treiben wird. Wenn man so etwas von einem Menschen behaupten kann, der es gewohnt ist, Damönenarme zu benutzen, seine Gegner mit Vorliebe in Stücke reißt und ihre Herzen verspeist.
Dies ist der packende Anfang von The Darkness 2 von Digital Extremes. Einerseits macht er gleich deutlich, dass die nächsten sechs, sieben Spielstunden aktionsgeladener als beim Vorgänger sind, aber andererseits sind solche "WOW"- Szenen Mangelware. Das neueste Abenteuer von Jackie Estacado ist spielerisch ein äußerst durchschnittlicher Shooter mit einer spannenden Story.
Brutales Action Gemetzel
Jackie hat kein Erbarmen mit seinen Gegnern
Kenner des ersten Teils werden sofort bemerken, dass eure Dämonenarme jetzt ständig im Einsatz sind. Das passt zu den brachialen Actionszenen, denn ihr seid nahezu pausenlos damit beschäftigt, herumzuballern oder eure Gegner in der Luft zu zerfetzen. Ähnlich wie der Vorgänger ist Jackie nämlich nicht gerade zimperlich im Umgang mit seinen Gegnern. Und deshalb müssen wir Deutsche auf die brutalen "Exekutionen" verzichten, teilweise sogar mit Schwarzbild. Da hilft es auch nichts, dass der neue sowie schicke Comic-Look das ganze Geschehen verfremdet - hier fließt tonnenweise Blut und deshalb gehört das Spiel auf keinen Fall in Kinderhände.
Leider bieten die Entwickler nur ein simples Actionspiel. Das dezente Open-World-Szenario des ersten Teils ist einer linearen Levelstruktur gewichen und die Aufgabe ist immer dieselbe: Überleben und alles niedermetzeln. Dabei kämpft ihr euch durch Friedhöfe, Jahrmärkte oder eure Villa und trefft auf Feinde, die eines gemeinsam haben: Sie sind dumm wie ein Stück Brot. Lediglich ihre Bewaffnung und Panzerung stellt euch im weiteren Spielverlauf vor Probleme. Ihre mächtigste Waffe ist dann eigentlich auch das Licht, denn Jackies Dämonenarme könnt ihr nur in der Dunkelheit nutzen. Deswegen solltet ihr zu Beginn immer erst nach Lichtern Ausschau halten und sie ausknipsen. Meistens reicht ein Schuss, manchmal müsst ihr das Stromkabel verfolgen und den Generator zerstören. Am Ende eines Levels wartet dann ein besonders hartnäckiger Endgegner.
Die Story macht's besser
Während diese Abschnitte vor allem laut und blutig sind, tritt das Spiel dazwischen auf die Bremse - glücklicherweise. Wenn ihr plötzlich ratlos in einem Irrenhaus aufwacht, spielt The Darkness 2 seine größte Stärke aus: die Story. Wie der gute Jackie ständig zwischen den Realitätsebenen wandelt und langsam hinter ein düsteres Geheimnis kommt, rettet das Spiel vor dem Absturz in die Beliebigkeit. Einige Passagen erinnern an die Traumsequenzen aus Max Payne, die Vertonung ist insbesondere im englischen Original äußerst gelungen und die düstere Stimmung der Comic-Vorlage wird beibehalten. Allerdings wirken die Passagen in eurer Villa etwas unausgegoren. So lauft ihr durch das Gebäude und redet mit euren Kumpels, aber insgesamt wirkt es wie ein Überbleibsel weitläufigen Szenarios von The Darkness. Nur dass ihr diesmal eben keine Aufträge bekommt.
Voll bewaffnet haben eure Gegner kaum eine Chance
Aber wie bereits erwähnt: Abseits davon bleibt alles sehr einfallslos. So stehen euch und Jackie das übliche Waffenpersonal an diversen Pistolen, Maschinengewehren und Pumpguns zur Verfügung. Wie im Vorgänger könnt ihr euch mit zwei Waffen gleichzeitig bewaffnen, aber die Waffenexekutionen fehlen. Wesentlich origineller ist da schon der Gebrauch eurer Dämonenarme. Mit Rechts könnt ihr Gegner betäuben oder Hindernisse zerstören und mit Links zieht ihr Feinde zu euch heran, um sie durch die Luft zu werfen oder brutal in Stücke zu reißen. Da Munition Mangelware ist, seid ihr oft gezwungen, mit der Umgebung zu interagieren. Ihr benutzt Stangen als Speere oder Autotüren als Schilde.
Ein Spielelement wird in der Fortsetzung aber sträflich vernachlässigt. Die Darklings, eure kleinen dämonischen Helfer, sind nur noch Statisten. Es gibt auch keine unterschiedliche Typen wie den Gunner. Aus diesem Grund schlüpft ihr nur äußerst selten in ihre Körper, um den Gegnern im Stealth-Modus den Garaus zu machen. In dieser Form hätten die Entwickler ruhig auf sie verzichten können.
Fähigkeitenbaum als taktische Spielerei
Mit der Auswahl der Fähigkeiten bestimmt ihr euren Spielstil
Darüber hinaus dürft ihr Jackies Talente ergänzen und ausbauen. Mit jeder Tötung sammelt ihr nämlich sogenannte Essenzen, die ihr in einem Fähigkeitenbaum investiert. Im Prinzip wird Jackie so zu einem Nah- oder Fernkämpfer. Einerseits könnt ihr die Darklings auf eure Feinde werfen, euren Dämonenarmen Dornen wachsen lassen oder einen Fliegenschwarm herbeirufen, der Feinde betäubt und vergiftet. Andererseits wird eure Feuerkraft durch das "Gun Channeling" gestärkt oder ihr erhaltet einen Bonus auf den Munitionsvorrat. Dies bringt einen Hauch Taktik in das Actiongetöse, aber ihr werdet beim ersten Durchgang nicht alle Fähigkeiten freischalten können. Wie inzwischen üblich dürft ihr das bei einem "Game +" nachholen.
Neben der Kampagne gibt es auch einen Onlinemodus namens "Blutrache". In diesem Koop-Abenteuern spielt ihr aber nicht Jackie, sondern ganz normale Mafiosi. Die benutzen herkömmliche Waffen und dadurch verliert die Action ihre Besonderheit. Insgesamt ein netter Bonus, weil die einzelnen Storys die Haupthandlung ergänzen, aber nicht mehr.
Technisch wirkt die Xbox-Version ausgereift und kaschiert mit dem Cel-Shading-Look die in die Jahre gekommene Technik. Die Steuerung ist für einen Shooter relativ komplex. Waffen, Dämonenarme und Spezialfähigkeiten verlangen von euch einiges an Geschick, aber die Buttons auf dem Gamepad sind übersichtlich belegt - erfahrene Spieler werden keine Probleme bekommen. Das führt allerdings auch dazu, dass die Steuerung mit dem Gamepad etwas flüssiger als mit Maus und Tastatur ist. Sieht man nämlich von der besseren Genauigkeit ab, bietet die Steuerung am PC kaum Vorteile. Im Gegenteil, die Kontrolle über die einzelnen Tasten ist hier anspruchsvoller.
Das Comic
Ein Schlenker zum Comic: The Darkness wurde vom Dreigestirn Marc Silvestri, Garth Ennis, David Wohl erfunden und erscheint seit 1996 bei Top Cow. In Deutschland werden die einzelnen Bände über den Panini-Verlag veröffentlicht. Die Grundidee ähnelt Highlander: Die Macht der Finsternis existiert schon seit Urzeiten und überträgt sich immer auf die Nachkommen. Folglich besitzen diese "Auserwählten" Dämonenkräfte und sind praktisch unsterblich. Vorlage und Spiel haben zwar die gleiche Hauptperson und sind nicht zimperlich mit Gewaltdarstellungen, aber dennoch gibt es Unterschiede. Beispielsweise tritt Jackie im Comic eher im Superheldenlook auf und setzt ganz auf seine Dämonenkräfte, als wild drauflos zu ballern. Außerdem sind die Bildkompositionen im Comic deutlich schräger, als im Spiel. Dank des Cel-Shading-Looks bleibt im Spiel aber der düstere Charakter der Vorlage erhalten.