Abenteuer mit einem Todgeweihten
Die in dem Reich Himmelsrand spielende Geschichte beginnt erst einmal alles andere als vielversprechend. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse finden wir uns als Gefangener der kaiserlichen Wache wieder, der unmittelbar vor seiner Hinrichtung steht. Kurz haben wir noch Zeit, unserer Spielfigur im Editor Rasse, Geschlecht, Aussehen und Name zu verpassen, da liegt unser Kopf bereits auf dem Richtblock. Können wir noch entkommen?
Na klar doch! Just in dem Moment schwebt ein Drache heran, der die kaiserliche Armee ordentlich aufmischt und uns und unseren Mitverurteilten die Chance zur Flucht gibt. Ohne großartig Fragen zu stellen, folgen wir beispielsweise einem blonden Hünen namens Ralof, der sich in der Gegend auskennt und uns mit sich nimmt. Alternativ hätten wir etwa auch einer kaiserlichen Wache folgen können, was für einen anderen Einstieg gesorgt hätte. Okay, das machen wir eben beim nächsten Mal!
Das kenne ich doch…
Auf unserer Flucht lernen wir gleich einmal die Steuerung kennen, die sich ohne herausragende Änderungen an den beiden Fallout-Games oder auch am inzwischen bereits fünf Jahre alten The Elder Scolls IV: Oblivion orientiert. Das fängt schon bei der Möglichkeit an, ständig zwischen der Ego-Perspektive und einer zoombaren Third-Person-Ansicht zu wechseln. In den bisherigen Bethesda-RPGs waren mir die Animationen meiner Figur immer zu abgehackt und hölzern, weswegen ich niemals den Blick über die Schulter wählte. Doch schau an: Bei Skyrim hat sich dies ein wenig verbessert und ich ziehe diese Optik inzwischen sogar vor. So geschmeidig wie ein Geralt von Riva bewegt sich mein neuer Held aber nicht.
Zu verdanken haben wir die leichten Verbesserungen bei den Animationen einer neuen Engine, die aber auch keine Wunderdinge vollbringt. Sowohl bei den Figuren als auch beim gesamten Umgebungs-Look ist die Verwandtschaft zu den früheren Bethesda-Games nicht zu verleugnen. Ein großer technischer Fortschritt ist eindeutig ausgeblieben, was sicherlich unter anderem daran liegt, dass die Konsolen als Lead-Plattformen für Skyrim dienten.
Angriff und Abwehr
Fast identisch fallen auch die meisten Aktionen aus: Die Möglichkeit des Schlösserknackens (inklusive zerbrechlicher Dietriche) kennen wir bereits aus New Vegas und selbst das Kampfsystem spielt sich nicht wirklich neu. Okay, im Fallout-Universum ballert man sich zumeist den Weg frei, doch wer darin öfters mal den Superhammer geschwungen hat weiß, wovon ich rede: Ohne Zielsystem stürmen wir in Skyrim auf unser Opfer los, beharken es mit der linken Maustaste mit Schwert, Axt oder Kriegshammer und blocken die Angriffe des Feindes mit der rechten Maustaste ab. Vorausgesetzt wir tragen in der rechten Hand einen Schild oder den langen Stiel einer Zweihandwaffe.
Etwas anders verhält sich unser Haudegen, wenn wir ihm zwei Schwerter in die Pranken drücken. Dann gibt er sich mit Weichei-Taktiken wie Blocken überhaupt nicht mehr ab, sondern malträtiert seine Kontrahenten beidhändig mit Schlägen. Als dritte Variante ist es im Nahkampf außerdem möglich, in der rechten Hand einen Zauber parat zu halten, mit dem wir Blitze, Frostkugeln und Feuerbälle auf unseren Feind niederprasseln lassen bzw. uns ständig um unsere Heilung kümmern können. Insgesamt ist dies ziemlich einfach und effektiv, verkommt nach meinem Geschmack aber zu häufig zum Dauergeklicke ohne großen taktischen Tiefgang. Dass ich alternativ auch zu Pfeil und Bogen greifen kann, ändert daran nichts, da ich mir damit höchstens einzelne Gegner vom Leib halten kann. Größeren Gruppen stellt man sich zwangsläufig im Nahkampf.
Die Qual der Waffenwahl
Leider gestaltet sich der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Waffen ziemlich kompliziert: Im Inventar suchen wir uns zunächst unser liebstes Tötungswerkzeug aus und legen es in eine Favoritenliste, in der außerdem auch unsere bevorzugten Zaubersprüche und Heiltränke abgelegt werden. Unter dieser schnell anwachsenden und ziemlich unübersichtlichen Auflistung von Favoriten können wir dann acht Waffen, Sprüche oder Tränke den Zahlentasten des Keyboards zuordnen. Eine recht ungenügende Anzahl bei all den Einhand- und Zweihandwaffen, Schilden, Bögen, magischen Formeln und Drinks.
Überhaupt gibt es tonnenweise Krimskrams in Himmelsrand zu entdecken. Da ist es ein echter Glücksfall, dass es die aus vorangegangenen Bethesda-RPGs bekannten Begleiter auch in Skyrim gibt. In den Kämpfen teilen sie ordentlich aus und dazu sind sie praktische Packesel, denen wir das Gerümpel aufhalsen können, das unsere eigene Maximal-Tragelast überschreitet. Leider hat unser Anhang aber immer wieder Probleme mit der Wegfindung: Hüpfen wir einfach mal eine Mauer hinunter, folgt uns unser Gefährte nicht direkt, sondern sucht sich mühsam einen Weg um die Mauer herum. Und durch bestimmte Story-Wendungen innerhalb einer Quest kommt es sogar vor, dass unser Begleiter komplett vom Erdboden verschwindet. Zumeist findet man ihn aber dann wieder dort, wo er sich uns ursprünglich einmal angeschlossen hat.
Du bist ein Drachenblut!
Kommen wir zurück zu Ralof und unserer Flucht. Sobald wir einmal den Fängen der kaiserlichen Armee entkommen sind, steht es uns theoretisch frei, dem blonden Nord-Mann ein schönes Leben zu wünschen und uns von ihm zu trennen. Denn Skyrim bietet uns die absolute Freiheit. Wir können von vornherein in sämtliche Richtungen aufbrechen, ohne dass uns künstliche Barrieren wie in Two Worlds II oder Arcania den Weg versperren bzw. wir in ein Kapitelsystem wie in den The Witcher-Games gepresst werden. Allerdings besteht einerseits die Gefahr, dass wir auf übermächtige Ungeheuer treffen, denen wir in unserem fast jungfräulichen Zustand noch nicht gewachsen sind und zum anderen möchten ich und vermutlich auch ihr schon ein wenig von der Storyline erfahren, die sich die Entwickler erdacht haben. Also Ralof, geh voran!
Er führt uns in das Dorf Flusswald, in dem seine Schwester wohnt. Im Gespräch mit dem Geschwisterpaar bekommen wir endlich einige Infos zu den politischen Verhältnissen in dieser Gegend. Es gibt einen Streit zwischen kaisergetreuen Patrioten und den Anhängern von Ulfric Sturmmantel, der sich selbst zum Großkönig von Himmelsrand ausgerufen hat. Wir befinden uns zwischen den Fronten und stehen vor der Wahl, wem wir unsere Loyalität schenken. Dies ist allerdings nicht unsere einzige Sorge, denn nach relativ kurzer Zeit bekommen wir es erneut mit einem Drachen zu tun. Als wir den niederstrecken und uns plötzlich eine leuchtende Aura umgibt, steht fest: Wir sind ein Drachenblut! Also einer jener legendären Krieger, die die Kräfte von Drachen übernehmen können und mit jeder getöteten Flugechse weitere Macht dazugewinnen. Sapperlot! Diese Macht äußert sich in Form unterschiedlicher Schreie (ja, Schreie!), die wir wie Zaubersprüche im Kampf zum Einsatz bringen können.
Allerlei Aufgaben
Der Konflikt zwischen Kaisergetreuen und Sturmmänteln sowie unsere Suche nach weiteren Infos zu unseren Kräften sind aber nur zwei von zahlreichen Quest-Reihen. Der Umfang an Haupt- und Nebenaufgaben ist in Skyrim so groß wie noch nie zuvor! In jedem Dorf gibt es mindestens eine Person, die uns anheuern will und auch auf den einsamen Pfaden quer durch Himmelsrand laufen uns Hilfesuchende über den Weg. Dadurch ist unser Auftragsbüchlein stets prall gefüllt und es ist kein Problem, sich stundenlang nur mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen. Zumeist steckt hinter jedem Job eine interessante Geschichte, trotzdem beschränkt sich unsere Tätigkeit oftmals nur auf „Hingehen und Umhauen“. Was hingegen der eine oder andere von euch vermissen könnte, ist ein durchgängiger roter Faden, denn eine richtig starke Hauptkampagne geht dem Spiel ab.
All die Bösewichte und versteckten Orte zu finden, stellt in Skyrim kein Problem dar: Die für die Missionen relevanten Orte werden sofort nach Übernahme eines Jobs auf unserer aufrufbaren Übersichtskarte und dem stets eingeblendeten Kompass markiert. Dies ist zwar sehr komfortabel, irgendwie aber auch ein wenig schade, da dies den Entdeckerdrang der Spieler aushebelt. Und sollten wir von den vielen Markierungen schon völlig verwirrt sein, geht es nochmals eine Stufe einfacher: Wir deaktivieren einfach einige Quest-Reihen und konzentrieren uns dadurch auf die derzeit für uns relevanten Missionen.
Nach getaner Arbeit wartet oftmals eine Belohnung auf uns. Dies heißt, wir sollten zu unserem Auftraggeber zurück. Hier erweist sich die „Schnelle Reise“-Funktion als sehr praktisch, mit der wir uns sofort zu jedem von uns bereits besuchten Ort beamen können. Wer trotzdem lieber die Umgebung genießen will, findet sein Glück nicht nur zu Fuß, sondern auch auf dem Rücken von Pferden. Als Reiter kommen wir deutlich schneller voran, dummerweise können wir aber keine berittenen Angriffe durchführen. Und richtig nervig ist es, dass wir sogar für Gespräche aus dem Sattel steigen müssen.
Ich seh den Sternenhimmel
Wofür eigentlich dieser ganze Aufwand? Weil uns die Geschehnisse interessieren? Weil wir gerne Aufträge erfüllen? Weil wir Rollenspiele lieben? Klar, das auch. Außerdem wollen wir aber natürlich unsere Heldenkräfte ausbauen. Nach jedem Levelaufstieg wählen wir zunächst einmal, ob wir unsere Lebenskraft, unsere Ausdauer (Rennen, schwere Hiebe austeilen etc.) oder unsere magische Energie vergrößern wollen. Anschließend vergeben wir Talentpunkte auf die zahlreichen Fähigkeiten, die in Skyrim in Form von Sternenbildern angezeigt werden. Wie hübsch! Wir haben unter anderem die Wahl, ob wir unsere Fähigkeiten mit Ein- oder Zweihandwaffen verbessern, ob wir unser Können mit dem Schild ausbauen, ob wir magische Wesen beschwören wollen oder auch, ob wir uns beim Schleichen oder beim Schlösserknacken geschickter anstellen. Es gibt noch etliche weitere Möglichkeiten, was fast schon ein wenig überfrachtet wirkt.
Davon abgesehen ist „learning by doing“ angesagt: Je öfter ich ein Schwert schwinge, einen Heilzauber aktiviere oder an verschlossenen Truhen mit dem Dietrich herumfummle, desto besser werde ich darin. Und magische Sprüche lassen sich eh nicht im Fähigkeiten-Menü dazugewinnen, sondern nur aus Büchern, die wir in Shops kaufen bzw. bei irgendwelchen düsteren Haderlumpen im Wohnzimmer-Regal finden, erlernen.
Unterwegs im hohen Norden
Durchstreifen wir das Land auf der Suche nach weiteren Höhlen, Gegnern und Kräften, ist es auf Dauer unmöglich, den Detailreichtum zu ignorieren, der trotz des geringen optischen Fortschritts gegenüber früheren Bethesda-RPGs zu beeindrucken weiß: Grüne Wälder, in denen Wild umherstreift und sich das Sonnenlicht im Fluss spiegelt, Städte voller umtriebiger Bewohner und Händler, höher gelegene Ebenen mit einer wunderbaren Fernsicht, verschneite Gipfel, bei denen wir im dichten Schneetreiben kaum mehr die Treppenstufen vor uns erkennen können - all dies und noch viel mehr hat Himmelsrand zu bieten. Ein Trip nach Skandinavien kann kaum abwechslungsreicher sein.
Überall lauern aber auch Gefahren: Wölfe, Frostspinnen, Bären, Säbelzahntiger, Mammuts oder Riesen streifen durch die Lande und sehen uns nur zu gerne als den nächsten Zwischengang ihrer Menükarte an. Deren Pech! Dies lassen wir uns natürlich nicht gefallen, sondern nutzen deren Fell und Fleisch selbst, um damit beim nächsten Händler ein paar Goldstücke zu kassieren bzw. um es weiterzuverarbeiten. Unter anderem erlernen wir in Skyrim die Kunst des Kochens, des Schmiedens, der Alchemie oder der Verzauberung unserer Waffen.
Beeindruckende Soundkulisse
Skyrim wurde komplett für den deutschen Markt lokalisiert und glücklicherweise sind dabei die schweren Mängel aus dem letzten Teil von vornherein ausgeblieben. Sämtliche Charaktere teilen sich uns nahezu lippensynchron mit, wodurch es bei den Multitasking-Dialogen auch verkraftbar ist, dass unsere eigene Spielfigur keine Stimme besitzt. Geradezu grandios ist der Soundtrack aus der Feder von Jeremy Soule zu benennen, der je nach Situation durch leise sanfte Klänge, orchestrales Getöse und den bombastischen Gesang eines Männerchors zu verzaubern weiß und perfekt zu dem nordischen Szenario passt.
Nicht ganz so schön ist die Menüführung gelungen, was ich vorhin schon einmal anhand des Kampfsystems erläuterte. Gerade bei den Dialogen oder in der Item-Verwaltung kommt es unverständlicherweise immer wieder zu Fehlklicks, wodurch wir uns nochmals eine Textzeile anhören dürfen oder versehentlich einen Trank zu uns nehmen. Davon abgesehen durchstreifen wir Himmelsrand aber mit Maus und Tastatur ohne irgendwelche Probleme. Und wer inzwischen mehr auf Konsolen spielt, kann auch am PC ein Gamepad nutzen.