Dunkle Mächte ziehen auf

Drachen, Templer, Illuminaten: Drei Geheimgesellschaften im Dauerclinch
In The Secret World entscheidet ihr euch für eine von drei Parteien: die geheimnisvollen Drachen, die disziplinierten Templer oder die machtbesessenen Illuminaten. Alle drei Geheimgesellschaften kämpfen gegen die dunklen Mächte, die sich verstärkt auf dem Vormarsch verbinden und Unheil anrichten, konkurrieren aber untereinander. Klar, schließlich benötigt ein vernünftiges Online-RPG auch ein wenig PvP-Action.
Bevor ihr euch in diese stürzen, geht es aber erst einmal an die Erstellung des eigenen Spiel-Charakters. Ihr bestimmt Geschlecht und Aussehen, eine Klassen-Auswahl steht hingegen nicht an. Denn anders als in den meisten anderen MMORPGs bietet The Secret World weder ein Klassen-System, noch eine Einteilung in Level-Stufen. Wie das funktioniert? Erstaunlich einfach!
Qual der Waffenwahl

Die Möglichkeiten im Editor sind vergleichsweise gering
Genre-üblich sammelt ihr durch die Absolvierung diverser Quests und das Töten von Monstern haufenweise Erfahrungspunkte, die in regelmäßigen Abständen in Kampf- und Fertigkeitspunkte umgewandelt werden. Mit den Fertigkeitspunkten bestimmt ihr, welche Waffen ihr im Kampf zum Einsatz bringen wollt: Sollen es magische Fähigkeiten oder der Umgang mit tödlicher Schuss- (Pistole, MP, Schrotflinte) und Nahkampf-Waffen (Hammer, Schwert, Krallen) sein? Am Anfang dürft ihr alle neun Varianten (drei jeder Art) ausprobieren und euch dann nach Lust und Laune die herauspicken, die euch am meisten gefällt.
Die anderen acht Fähigkeiten könnt ihr im weiteren Spielverlauf ebenfalls noch erlernen und euch so völlig frei einen Mix aus unterschiedlichen Tötungsfähigkeiten zusammenstellen. Allerdings solltet ihr nicht völlig planlos alles durchprobieren, da die Spezialisierung auf bestimmte Talente und deren Ausbau natürlich schlagkräftige Vorteile mit sich bringt.
Erfahrungswerte
Das Kraftrad: Unzählige Möglichkeiten zum Charakterausbau
Die Kampfpunkte verteilt ihr hingegen auf ein umfangreiches Kräfterad, auf dem für jede Waffengattung unzählige aktive und passive Fähigkeiten freigeschalten werden. Klingt nach ebenso unzähligen Aktionsmöglichkeiten, was aber nur bedingt stimmt, da nur maximal sieben Fähigkeiten auf einmal in eure Aktionsleiste passen. Ihr müsst euch also ständig neu fragen, welche Kombination wohl am erfolgversprechendsten ist. Immerhin lassen sich mehrere Decks zusammenstellen, mit denen ihr mit wenigen Mausklicks die gesamte Aktionsleiste wechselt.
Womit wir auch schon beim Kampfsystem wären: Dieses ist ziemlich altbacken ausgefallen und funktioniert genau so, wie wir es von vielen Konkurrenztiteln kennen. Ihr visiert den Gegner an, lasst per Tastendruck eure Fähigkeit aus der Aktionsleiste vom Stapel, wartet ggf. bis sich manche der Angriffsvarianten wieder regeneriert haben und macht so lange weiter, bis sämtliche Bösewichter niedergerungen sind. Schade, dass sich hier Funcom nichts Neues hat einfallen lassen.
Erziehung zur Eigenständigkeit
Reisen mit Agartha - einem Wurzelwerk, das die Gebiete durch Portale verbindet
Anders ist dies ganz eindeutig beim Setting:The Secret World erzählt euch eine groß angelegte Geschichte und entführt euch dabei in riesige, äußerst stimmungsvolle Areale. Alle Spieler (egal welcher Fraktion) besuchen zunächst einmal in das von Zombies heimgesuchte Städtchen Kingsmouth, in dem eine äußerst wohlige Gruselstimmung herrscht. Dort absolviert ihr diverse Story-Quests und stolpert daneben an allen Ecken und Enden über weitere Aufgaben. Diese reichen von einfachen Botengängen über diverse Tötungs-Aufträge bis hin zu echten Kopfnüssen: Funcom hat etliche der Missionen mit Rätseln und Puzzles gespickt, die logisches Denken oder sogar intensive Internet-Recherche erfordern. Das Spiel gibt uns dabei oftmals erstaunlich wenig Hilfestellung, sodass von uns Spielern tatsächlich einmal Kopfarbeit gefordert ist!
Auch sonst gilt vor allem „learning by doing“, sei es bei der Zusammenstellung der oben erwähnten Decks, der Herstellung von Waffen, dem Ein- und Verkauf von Items oder der Erforschung der Spiele-Welt. Euch steht natürlich frei, den vorgegebenen Story-Pfad zu verlassen und selbstständig andere Gebiete zu besuchen. Doch wundert euch nicht, wenn ihr in Transsylvanien zunächst übermächtigen Vampiren oder in Ägypten unbezwingbaren Mumien gegenübersteht, die euch mühelos platt machen. Eine Vorwarnung bzw. Einteilung der Gebiete nach Stärke- bzw. Fähigkeitsgrad gibt es nicht.
Gemeinsame Abenteuer
Düstere Gestalten erwarten euch in Kingsmouth
Man kann also sagen, dass The Secret World vor allem experimentierfreudige Individualisten anspricht. Trotzdem handelt es sich noch immer um ein Massively Multiplayer Game und legt somit auch Wert auf das Zusammenspiel der User. Es dauert nicht allzu lange, bis ihr auf die ersten Gruppeninstanzen trefft und Mitspieler braucht, um eine Quest vorantreiben zu können. Hier müsst ihr euch einfach darauf verlassen, dass eure Kollegen wissen was sie tun und sie stark genug sind, euch helfen zu können. Überprüfen könnt ihr dies aufgrund der fehlenden Levelstufen nicht.
Auf der anderen Seite bietet gerade der Story-Pfad allerlei Solo-Instanzen, die fest eingespielte Gruppen zwangsweise auseinanderreißen, da sich in diese (anders als z.B. in Star Wars: The Old Republic) keine Besucher mitnehmen lassen, was ich persönlich ein wenig unschön finde.
Und was ist mit PvP? The Secret World bietet drei Gebiete (London, New York und Seoul), die jeweils von einer Fraktion beherrscht werden. Ihr könnt euch aussuchen, ob ihr euch zwischendrin einfach nur kurz ein kleines Duell mit einem rivalisierenden Team gebt oder ob ihr in den permanent aktiven Kriegsgebieten eure Fraktion im Kampf um die Vorherrschaft unterstützt.
Altbekannte Strukturen
Stonehenge dient als PvP-Kulisse
Im Gruppenspiel fällt recht schnell auf, dass sich mit der genreübliche Mischung aus Heiler, Tank und Damage Dealer am schnellsten Erfolge einstellen. Gerade in der Anfangsphase fehlten Spieler, die die nötigen Tank-Talente freigeschaltet hatten, weswegen diese in den Chats fieberhaft gesucht wurden. Inzwischen hat sich die Community aber ein wenig darauf eingestellt und sind die erfahrenen Spieler soweit, ihren Charakter darauf umstellen zu können.
Abschließend noch ein paar Worte zu den Kosten: Mit dem Kauf des Spiels bekommt ihr einen gratis Spielemonat gewährt, danach fallen leider mal wieder monatliche Abo-Gebühren an, die mit 14,99 Euro nicht gerade niedrig ausfallen. Schade, dass Funcom hier keine anderen Wege geht. Die Anzahl der Charakter-Slots ist dabei übrigens auf drei Stück beschränkt, wer weitere Figuren erstellen möchte, muss dafür jedes Mal zusätzlich 9,99 Euro hinblättern. Und schließlich gibt es auch noch einen Item-Shop, der mit diversen Upgrades noch weitere Euro aus eurer Tasche ziehen möchte.