Ein Blick zurück
Die Beziehung zwischen Clementine und Lee ist ein zentraler Bestandteil der Storyline (Bild aus Episode 1)
Keine Angst: Die letzte Frage werde ich nur äußerst vage anschneiden und euch mit Sicherheit nicht verraten, wie die Episode 5: No Time Left endet Dies sollt ihr schon alleine herausfinden. Stattdessen beginnen wir erst einmal mit einem kurzen Rückblick auf die bisherigen Ereignisse:
The Walking Dead beginnt auf dem Rücksitz eines Polizeiautos. Der wegen Mordes verurteilte Geschichtslehrer Lee Everett befindet sich am Anfang von Episode 1: A New Day eigentlich auf dem Weg ins Gefängnis, doch ein Unfall und die anschließende erste Konfrontation mit einem untoten Polizeibeamten verändern seine Zukunft schlagartig. Auf der Suche nach Hilfe trifft er in einem Vorort von Atlanta das junge verwaiste Mädchen Clementine, die er in seine Obhut nimmt. Mit weiteren Überlebenden geht es per Auto nach Macon, Georgia – dem Geburtsort von Lee. Dort kommt es für den ehemaligen Lehrer zunächst zu einer deprimierenden Konfrontation mit seiner Vergangenheit, anschließend bunkert er sich mit weiteren Überlebenden auf dem Gelände eines Motels ein.
Auch in Teil 5 kämpfen Lee & Co. ums nackte Überleben
Episode 2: Starved for Help spielt einige Wochen später auf einer nahegelegenen Farm. Die Geschehnisse treiben den Hauptplot nicht wirklich voran, zeigen dafür aber sehr deutlich und dramatisch, wie sich der Kampf ums Überleben und um Nahrung auf die moralischen Bedenken der Überlebenden auswirkt. Nichts für schwache Nerven!
Dies gilt auch für Episode 3: Long Road Ahead, in der Geschichte ordentlich Fahrt aufnimmt und sich die Ereignisse regelrecht überschlagen: Lebensbedrohliche Umstände zwingen die Gruppe um Lee zur Flucht aus dem Motel und sorgten gleichzeitig für Zwist untereinander. Das nächste Ziel soll das am Meer gelegene Savannah sein, um dort nach einem Boot zu suchen und so der Bedrohung durch die „Walker“ zu entgehen. Der grundsätzliche Plan geht zwar auf, doch die Zusammenstellung des Trupps hat sich am Ende dieser Episode völlig verändert. Für mich die nervenaufreibendste aller The Walking Dead-Episoden.
Episode 4: Around Every Corner beinhaltet zwar ebenfalls einiges an Action, bei der Fortführung des Plots herrscht aber relativer Stillstand. Immerhin merkt man hier erstmals deutlich, wie sich die bisherigen Entscheidungen auf den Verlauf des Abenteuers auswirken. Je nachdem, wie sich Lee in zahlreichen Aktionen und Gesprächen mit seinen Begleitern verhalten hat, kann er am Ende der Episode auf deren Mithilfe zählen (oder eben auch nicht). Die Story endet mit einem spannenden Cliffhanger und die Weichen für ein spannendes Finale sind gestellt!
Actionreiches Finale
Der Splatter-Anteil ist in Teil 5 sehr hoch
Das Finale startet exakt in dem Moment, an dem der vierte Teil zu Ende ging. So viel sei dazu verraten: Clementine ist verschwunden und das gesamte Geschehen in Episode 5: No Time Left dreht sich darum, sie wieder zu finden. Dies erfordert gleich in den ersten Minuten eine hammerharte Entscheidung, die einschneidende Auswirkungen auf den restlichen Verlauf der Geschichte hat. Härter geht es kaum mehr!
Anschließend folgt viel Dramatik, viel Gemetzel und ein deutlich temporeichere Inszenierung als es in allen anderen Folgen der Fall war. Telltale Games war wohl der Meinung, dass ein Finale nicht in die Länge gezogen werden darf, wogegen ich aber gar nichts gehabt hätte: Den Abspann bekam ich nach weniger als zwei Stunden Spielzeit zu sehen und das eh schon im Gegensatz zu anderen Adventures sehr oberflächliche Gameplay und Rätseldesign fällt nochmals deutlich flacher aus.
Im Grunde ist sind in Episode 5: No Time Left weder irgendwelche Kopfnüsse noch großartige Interaktionsmöglichkeiten vorhanden. Ähnliche Abschnitte wie beispielsweise das Eisenbahn-Szenario in Episode 3 oder der Besuch des Schulgebäudes in Folge 4 fehlen komplett. Stattdessen besuchen wir zwar ein riesiges Hotelgebäude, welches wir aber in keinster Weise erkunden dürfen. Wir werden direkt und ohne Ausweichmöglichkeit vor die Tür gelotst, hinter der uns der große Showdown erwartet.
Emotionales Ende
Ein Streit zwischen Lee & Kenny droht zu eskalieren!
Ein wenig enttäuscht war ich auch von der Handlung der fünften Folge. Den Entwickler war natürlich von Anfang an klar, wie die Geschichte endet und sie haben auch konsequent darauf hingearbeitet. Doch es fehlen frische, überraschende Ideen. Stattdessen werden wir recht abgehackt durch eine Ansammlung mehrerer Szenen geführt und wird beispielsweise bei der Flucht mitten durch eine große Walker-Masse sogar bei der TV-Serie geklaut.
Immerhin: Zwei echte Highlights hat Episode 5 zu bieten: Dies wäre zum einen der bereits angedeutete Showdown, bei dem endlich ein wenig Tempo rausgenommen wird. Ein an sich ruhiger, allerdings sehr bedrohlicher Moment, bei dem man aber deutlich spürt, dass jeden Moment die Situation eskalieren könnte. Dabei wird das Rätsel gelöst, wer die mysteriöse Stimme im Hintergrund ist, die wir in den vorigen Folgen schon ein paar Mal zu hören bekommen haben. Es wird außerdem Bezug auf eine Entscheidung während der zweiten The Walking Dead-Episode genommen, bei der ich mich schon damals fragte, ob dies nochmals zum Thema wird.
Walker müssen draußen bleiben!
Danach folgt ein weniger überraschendes, dafür sehr konsequentes Ende. Telltale Games spielt hier nochmals ordentlich mit unseren Emotionen und der Zuneigung, die wir im Laufe des gesamten Plots für unsere Hauptdarsteller aufgebaut haben. Wenn man auf den Verlauf der Story zurückblickt, war damit zu rechnen. Dies heißt aber nicht, dass ich nicht schwer daran zu knabbern hatte bzw. es auch beim Schreiben dieses Textes noch immer habe.
Von diesen beiden Höhepunkten abgesehen erwarten euch nochmals einige intensive Dialoge zwischen den Protagonisten und es werden - soweit ich es noch komplett in Erinnerung habe - alle losen Handlungsstränge zu Ende erzählt. Dies heißt, wir erfahren beispielsweise auch, was aus Clementines Eltern geworden ist.
Ist die Geschichte vorbei, folgt noch eine Auflistung aller wichtigen Charaktere und was aus ihnen geworden ist. Und nach dem finalen Abspann deutet ein kurzer Epilog darauf hin, dass die Storyline mit mindestens einer bekannten Figur in einer zweiten Staffel fortgeführt werden könnte.