
An Selbstbewusstsein scheint es dem polnischen Entwicklerstudio CD Projekt RED nicht zu mangeln. „2011 wird es viele tolle Rollenspiel geben, aber “The Witcher 2“ wird sie alle in den Schatten stellen“, so der Senior Producer Tomasz Gop. Der Vorgänger war mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren ein riesiger Erfolg und der Nachfolger verspricht spielerisch das Gleiche – nur größer, schöner, besser. Seit knapp drei Jahren arbeiten rund 80 Entwickler an “The Witcher 2: Assassins of Kings“.
Ein Held, viele Möglichkeiten
Im Spiel schlüpft ihr wieder in die Rolle des weißhaarigen Geralt. Bei der gamescom-Präsentation befand er sich gleich in einer scheinbar ausweglosen Lage: Angekettet in einem Verlies, wartet er auf die nächste Folterung. Wie kommt er da wieder heraus? Die Entwickler legen viel Wert darauf, dass Geralt mehrere Möglichkeiten erhält. Bei der einen Variante metzelt er sich durch die Wachen bis er schließlich eine hübsche Frau befreit. Aber Achtung: Sie war nur da, weil Geralt in einer früheren Quest ihren Sohn getötet hat. Logisch, dass sie sich über das Wiedersehen nur halbherzig freut.
In der zweiten Ausbruchsvariante schleicht sich Geralt im Stealth-Stil durch das Gemäuer. Dabei kann er eine so genannte Cat-Potion einsetzen, die ihm eine Art Röntgenblick gewährt und stark an den Detektivmodus von “Batman: Arkham Asylum“ erinnert. Am Ende befreit Geralt in diesem Storyzweig nicht die Mutter, sondern ihren Sohn, den ihr zuvor am Leben gelassen habt. Ihr merkt schon – “The Witcher 2“ ist um einiges komplexer als der erste Teil. Dafür sprechen allein schon die Fakten, denn nun wird es beispielsweise drei verschiedene Anfänge geben (dank Savegame-Import) und sechzehn unterschiedliche Enden. Außerdem warten jetzt fast dreimal so viele Cutscenes auf die Spieler.
Schöner als “Arcania“
Was selbst in dem dunklen Verlies auffällt: Das Spiel sieht noch eine ganze Ecke besser aus als der Vorgänger. „Wir haben die beste Grafik-Engine der Welt geschaffen“, sagt Producer Gop. Die Umgebung ist sehr detailliert, die Licht- und Schatteneffekte schauen gelungen aus und die Animationen wirken sehr geschmeidig. Lediglich die Gesichter sind starr und leblos, aber daran werde noch gearbeitet. Als Geralt das Verlies verlässt, präsentiert die Grafik-Engine ihren nächsten Trumpf: die enorme Weitsicht. Jedes Gebäude und jeder Fleck, den wir sehen, soll wirklich begehbar sein - Pappkulissen adé. Gut: Beim Übergang vom Verlies zur Außenwelt sahen wir keinen Ladescreen. Wie es scheint behält CD Projekt zumindest Wort, was die Grafikleistung ihrer Engine anbetrifft: “The Witcher 2“ könnte wirklich das schönste Action-RPG des nächsten Jahres werden.
Riesige Schlachtfelder
Im zweiten Teil der Demo verschlägt es Geralt auf ein riesiges Schlachtfeld. Hier findet einer der drei großen Bosskämpfe statt, doch die Schlacht ist nur eine Illusion und die kämpfenden Soldaten verschwinden sobald man sich ihnen nähert. Gefährlicher sind da die Dämonen, die sich aus den Trümmern erheben. Am Ende trifft Geralt auf einen riesigen Oberdämon: Der kann seine Gestalt verändern und torpediert unseren Helden gleich mit mehreren Angriffswellen. Wie bei jedem der Bosskämpfe verspricht nur eine bestimmte Taktik Erfolg. Welche das ist, ließen die Entwickler offen. Gut deshalb, dass Geralt auf ein größeres und besser geordnetes Inventar zurückgreift. Waffen und Rüstungen können jetzt sogar mit Runen aufgewertet werden, was sich auch optisch widerspiegelt. So weit, so gut - ausführlichere Infos über das Magie- oder Kampfsystem gab es nicht. Die gezeigten Gefechte wirkten sehr dynamisch, aber ob es mehr ist, als nur ein simples Mausgeklicke, blieb offen.
Ausblick
Fans von Action-Rollenspielen sollten sich das Frühjahr 2011 dick im Kalender anstreichen. CD Projekt RED haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um ihren Überraschungshit noch besser zu machen. Durch die non-lineare Story, die unterschiedlichen Spielstile und natürlich die Grafik wird “The Witcher 2“ den vermeintlichen Platzhirschen “Arcania“ sowie “Dragon Age 2“ den Rollenspielthron streitig machen. Gut auch, dass die Entwickler Stil und Atmosphäre beibehalten haben, denn “The Witcher 2“ ist düster, dreckig und blutig wie sein Vorgänger.
Fraglich ist nur, auf welchem PC diese Edelgrafik laufen soll, denn schon der erste Teil war anno 2007 ein Hardwarefresser. Hoffentlich lassen sich die Entwickler Zeit für Optimierung und Bug-Fixing... es wäre schade, wenn eine der größten Rollenspielhoffnungen der diesjährigen gamescom an der Technik scheitern würde. Wir drücken Geralt die Daumen, haben aber gleichzeitig einen Dämpfer für Konsolenspieler: Nach dem momentanen Stand wird Publisher Namco Bandai das Spiel zunächst nur für den PC veröffentlichen.