Bunt, kindgerechnt und charmant ist Project P-100 auf jeden Fall - ob es aber auch ein gutes Spiel werden wird?
Zugegeben, Project P-100 ist ein ziemlich dämlicher Name, der überhaupt nichts über das eigentliche Spiel aussagt. Okay, es ist nur ein Arbeitstitel – aber angesichts dessen und der Tatsache, dass Nintendo das Spiel nicht einmal auf seiner E3-Pressekonferenz gezeigt hat, wundert es mich nicht, dass man so wenig darüber liest. Dementsprechend leer war die meiste Zeit auch die Anspielstation auf Nintendos Post-E3-Event. Mir konnte das nur recht sein, denn ich hatte Project P-100 schon vor dem Event auf dem Radar und wollte es dort das erste Mal anzocken, um herauszufinden, was das eigentlich für ein Spiel ist. Mittlerweile weiß ich, womit ich es Ende des Jahres zu tun haben werde: mit einem bunten, quirligen, abgedrehten Actionspiel, das wohl weitaus simpler ist als es aussieht.
Einer für alle, alle für einen! Helden kämpfen gegen fiese Aliens ...
Sieht schon etwas skurril aus, oder?
Alleine schon der Fakt, dass es von Platinum Games entwickelt wird, lässt mein Herz Freudensprünge schlagen. Ich gehöre wohl zu den größten Fans des jungen Studios, das schon Meisterwerke wie MadWorld, Bayonetta und Vanquish produziert hat. Ob das neue Wii-U-exklusive Spiel mit den eben genannten Titeln qualitativ mithalten kann, kann ich allerdings auch nach dem Anspielen noch nicht abschätzen, denn dafür war die Spielzeit mal wieder viel zu knapp bemessen. Etwa zehn Minuten hatte ich Zeit, um so weit in dem spielbaren Level vorwärts zu kommen, wie es nur möglich war – spätestens beim abschließenden Bosskampf war der Countdown leider zu Ende. Wirklich aussagekräftig waren die Spielszenen damit zwar nicht, sie reichten aber auf jeden Fall, um das Potential zu demonstrieren, das Project P-100 besitzt.
Wer den Titel das erste Mal in Bewegung sieht, wird vermutlich gar nicht recht wissen, was da eigentlich auf dem Bildschirm vor sich geht. Dabei ist die Spielmechanik im Grunde ziemlich simpel und innerhalb weniger Minuten verinnerlicht. Man spielt eine Gruppe von Helden, die in einer belebten Großstadt die Invasion fieser Aliens verhindern müssen. Dafür besitzt jede Figur individuelle Fähigkeiten, die sich miteinander kombinieren lassen. Beispielsweise kann sich die ganze Gruppe in ein riesiges Schwert, eine Faust oder gar in eine Schusswaffe verwandeln. Das sieht auf dem großen Bildschirm nach viel Gewusel aus, geht aber sehr simpel von der Hand, da Project P-100 ausgiebig das neue GamePad nutzt. Man zeichnet fix eine Linie, dann hat man ein Schwert, einen Kreis für die Faust und ein „Eck“ für die Schusswaffe. Das geht locker vonstatten, ich könnte mir allerdings vorstellen, dass mich das Zeichnen irgendwann nerven wird – hier bleibt abzuwarten, wie oft man die Verwandlungen nutzen muss. Der zweite Bildschirm kommt übrigens häufiger zum Einsatz. Betritt man ein Gebäude, sieht man das Geschehen zum Beispiel nur auf dem zweiten Bildschirm aus der Schulterperspektive.
Man nehme Viewtiful Joe, etwas Pikmin und zwei Bildschirme ...
Ein schräger Genremix.
Während die Steuerung zunächst ziemlich ungewöhnlich war, geizte das Gameplay noch mit Besonderheiten. Ich bin mit meiner kleinen Gruppe eben durch einen Teil der Stadt gestreift, habe Feinde verkloppt, Verwandlungen vollzogen, bin gegnerischen Angriffen ausgewichen und habe ein kleines Rätsel in einer Fabrikhalle gelöst – wirklich aufregend war das alles noch nicht. Der Bosskampf am Ende der Demo deutete allerdings schon einmal an, dass die Präsentation auch in Project P-100 wohl wieder ein dickes Kaufargument sein wird: Der Riesenroboter, der meine Heldengruppe gepackt und mitgeschleppt hat, sah super aus und hat ordentlich Eindruck hinterlassen.
Grundsätzlich muss ich sagen, dass das neue Platinum-Spiel grafisch nicht so imposant wirkt wie ein Vanquish und stilistisch nicht so kreativ wie ein MadWorld ist, aber es hatte in der Demo durchaus seinen Charme und erinnerte mich ein bisschen an Titel wie Viewtiful Joe. Rein vom technischen Standpunkt aus wäre sicherlich noch deutlich mehr drin gewesen, das Gezeigte dürfte in etwa auf X360- bzw. PS3-Niveau gewesen sein.